29.03.2020
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07.01.2020

Produktion

Die Kombination aus Design und Material macht Nachhaltigkeit aus

Nachhaltig bauen ist ganz einfach – man nehme nur natürliche Baustoffe. Leider nein, so einfach ist es nicht, sagt Dr. Alexander Röder, Geschäftsführer des Instituts Bauen und Umwelt. Aber der Blick auf den Lebenszyklus hilft, die richtige Wahl zu treffen.

Die Kombination aus Design und Material macht Nachhaltigkeit aus

UmweltDialog: Holz ist ein guter, weil natürlicher Baustoff. Beton oder Stahl dagegen sind CO2- intensiv und daher von vorneherein schlechter. So denken, stark pointiert, viele Verbraucher. Haben Sie Recht? Kann man überhaupt von guten und schlechten Baustoffen reden?

Dr. Alexander Röder: So einfach ist es leider nicht. Man muss Materialien immer über den gesamten Lebenszyklus und im Kontext des jeweiligen Gebäudes sehen. Fangen wir mit dem Lebenszyklus an: Eine Umweltproduktdeklaration oder EPD, wie sie das Institut Bauen und Umwelt für Bauprodukte anbietet, quantifiziert in konsistenter Weise die Umweltauswirkungen von der Gewinnung der Rohstoffe und der Herstellung sowie dem Transport der Produkte über die Nutzung der Produkte im Gebäude bis zur Wiederverwertung oder Entsorgung.

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Genauso wichtig ist es aber auch, den Gebäudekontext zu berücksichtigen: Welche Rolle besitzt das Material eigentlich? Welchen Einfluss hat es auf die Funktionalität, etwa auf den Energieverbrauch, eines Gebäudes?  

Ohne hier jetzt ins Detail gehen zu wollen, kann man sagen, dass jedes Material, egal ob Holz, Stahl, Beton, Massivbausteine et cetera, seine Stärken und Schwächen hat. Nachhaltiges Bauen ergibt sich daraus, dass wir die Charakteristika der Materialien intelligent in die Architektur einbetten. Im Endeffekt ist es eine durchdachte Kombination aus Design und Material, die die Nachhaltigkeit ausmacht. 

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man Materialien in der Regel nicht direkt miteinander vergleichen kann. Erst die Analyse ganzer Gebäude mittels der Ökobilanzierung, die auf der Grundlage unserer EPDs durchgeführt werden können, erlaubt eine fundierte und ganzheitliche Bewertung der Umweltauswirkungen.

Ökobilanzen sind sehr wichtig. Sie betonen die Langfristigkeit als Nachhaltigkeits-Kategorie. Die Bepreisung dieser Baustoffe erfolgt aber doch eher kurzfristig. Oder wie spielt die Ökobilanz in die Baukosten rein?

Dr. Röder: Im Gebäudebereich wird tatsächlich oftmals auf die Erstellungskosten verkürzt. Aber in jüngster Zeit sehen wir, dass es immer mehr Interesse gibt, Gebäude von Anfang an über den gesamten Lebenszyklus zu verstehen und zu planen. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Gebäuden, die nachhaltiger sind und in dieser Hinsicht deutlich über das gesetzlich geforderte Minimum hinausgehen. Wenn man den Lebenszyklusansatz von den Kosten auf die Umweltwirkungen überträgt, kommt man automatisch zur Ökobilanz. Als solche spart die Ökobilanz nur in Ausnahmefällen Kosten ein, aber sie ermöglicht den Vergleich unterschiedlicher Varianten untereinander oder mit Benchmarks. Nicht umsonst ist die Ökobilanz ein zentrales Werkzeug in den Gebäude-Bewertungssystemen sowohl der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen als auch des Bundes.

Erklärvideo EPD.

Klimaschutz lässt sich sehr gut mit Hilfe von eingesparten Treibhausgas-Emissionen nachweisen. Aber wie steht es um den Nachweis zu Arbeits- und Menschenrechten? Wo kommen beispielsweise die Natursteine her? Auch das gehört ja zum Nachweis für nachhaltiges Bauen. Verkürzen wir mit einer Ökobilanz den Blick einseitig nur auf Energie- und Umwelteffizienz?

Dr. Röder: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Ökobilanzen und EPDs nicht den Anspruch haben, Nachhaltigkeit als Ganzes zu bewerten. Sie berücksichtigen in der Tat nur Umweltauswirkungen und den Ressourcenverbrauch – dafür aber sehr umfangreich. Neben dem Klimawandel gehören dazu auch andere Kategorien wie zum Beispiel Energieverbrauch, saurer Regen oder auch Eutrophierung, also die Überdüngung von Gewässern. Hier haben sich Modelle etabliert, die es uns erlauben, beispielsweise den Beitrag unterschiedlicher Emissionen zur Versauerung in eine einzige Kennzahl zu integrieren.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Aspekte der Nachhaltigkeit, die weder in EPDs noch in einer Ökobilanz dargestellt werden: Dazu zählen insbesondere die von Ihnen erwähnten sozialen Aspekte, wobei das auch ein sehr vielschichtiges Thema ist: von der Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechte über die gesamte Lieferkette bis zur Schaffung von Arbeitsplätzen oder der lokalen Wertschöpfung gehört alles dazu. Hier gibt es gerade im Bereich der akademischen Forschung Bestrebungen, die Methodik der Ökobilanzierung um soziale Aspekte zu ergänzen, um in Zukunft das Thema Nachhaltigkeit noch viel umfassender abbilden zu können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Lesen Sie demnächst in Teil 2 des Interviews, was man bei der Ökobilanzierung alles richtig und falsch machen kann.

Von den Zertifikaten der AUB bis hin zu den aktuellen, durch unabhängige Dritte geprüfte, EPDs des IBU nach internationalen und europäischen Normen hat sich inhaltlich und optisch viel getan.

Über das IBU:

Das Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) betreibt ein branchenübergreifendes und unabhängiges Informationssystem für Bauprodukte und Baukomponenten und sorgt dafür, dass der ökologische Aspekt in die Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden einfließen kann. Dabei wird keine Produktbewertung vorgenommen. Das IBU ist international einer der führenden Programmbetreiber für Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental Product Declarations – kurz: EPDs) im Bauwesen und europaweit die führende Organisation, die Bauprodukte nach der europäischen Norm EN 15804 deklariert. Dank ihres seit fast 40 Jahren freiwilligen Engagements verfügt das IBU über einen Industriestandard, der sich in allen Bereichen der gesamten Baubranche etabliert hat – von Hochbau- über Tiefbauprodukte bis hin zu Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung.

Damit behaupten die Bauproduktehersteller gegenüber anderen Industriezweigen seit vielen Jahren ihre Vorreiterrolle.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema EPDs.

Quelle: UmweltDialog
 

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