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Lieferkette

Faire Löhne für faire Arbeitskleidung

9,35 Euro pro Stunde: So hoch liegt derzeit der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland. In der textilen Lieferkette ist der (Mindest-) Lohn in den Produktionsländern deutlich niedriger; die Arbeiterinnen können davon kaum leben. Verschiedene Initiativen setzen sich daher für existenzsichernde Löhne im Textilsektor ein. Auch HAVEP, niederländischer Hersteller von Berufskleidung, achtet auf faire Bezahlung in seinen Produktionsstandorten.

23.04.2020

Faire Löhne für faire Arbeitskleidung

Was dem einen nützt, schadet dem anderen: Moderne Arbeits- und Schutzkleidung schützt ihren Träger bei der Arbeit vor Hitze, Kälte, Schadstoffen und Verletzungen. Doch die Herstellung der Textilien – oftmals in Schwellen- und Entwicklungsländern wie Bangladesch, Kambodscha oder auch Asien – ist menschenrechtlich problematisch. Die Näherinnen und Näher arbeiten in den Textilfabriken häufig unter schlechten Bedingungen, informiert die Broschüre „Nachhaltige Textilien“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Viele Textilfabriken vernachlässigen Maßnahmen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz; lange Arbeitstage sind die Regel – manchmal bis zu 16 Stunden am Tag: „Trotz gesetzlicher Regelungen ist es in Spitzenzeiten üblich, dass an allen sieben Wochentagen gearbeitet werden muss. Krankheits- oder Urlaubsgeld gibt es in vielen Betrieben nicht. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter arbeiten im Akkord und werden nach Stückzahl bezahlt“, heißt es vom BMZ. Der niedrige Lohn reiche außerdem kaum, um Essen, Miete, Schulbesuch oder auch die ärztliche Versorgung zu zahlen.

Anna van Puijenbroek
Anna van Puijenbroek

Lohn zum Leben

Für HAVEP sind diese Zustände nicht hinnehmbar: „Als Unternehmen haben wir einen direkten Einfluss auf die Lieferkette. HAVEP besitzt eine arbeitsintensive Produktion, und deshalb sorgen wir gut für unsere Leute. Als Familienbetrieb mit 150 Jahren Geschichte war uns immer bewusst, dass wir unternehmerische Verantwortung tragen“, erklärt Geschäftsführerin Anna van Puijenbroek gegenüber UmweltDialog. Der Hersteller von Berufskleidung setzt sich für sichere Arbeitsbedingungen, achtstündige Arbeitstage und vor allem für gerechte Löhne in seinen Herstellungsstandorten Tunesien und Mazedonien ein: „In unseren Produktionsstätten zahlen wir zum Beispiel statt Mindestlöhnen so genannte ‚Living Wages‘, also existenzsichernde Löhne“, so van Puijenbroek.

Existenzsichernd – was heißt das eigentlich? Eine einheitliche Definition von „Living Wages“ gibt es derzeit noch nicht. Als existenzsichernd definiert beispielsweise das Bündnis für Nachhaltige Textilien einen Lohn, der die Lebenshaltungskosten für die Arbeiterinnen und Arbeiter sowie die von ihnen abhängigen Familienangehörigen decken kann. Außerdem muss die Bezahlung hoch genug sein, um angemessene Rücklagen für Notfälle bilden zu können. Auch eine einheitliche Berechnungsgrundlage existiert aktuell nicht. Stattdessen gibt es verschiedene Standards und Initiativen, wie zum Beispiel die Asia Floor Wage Campaign oder die Global Living Wage Coalition. Auch wenn diese die Living Wages unterschiedlich definieren, ist ihnen gemein, dass die geforderten existenzsichernden Löhne in der Regel über dem gesetzlichen Mindestlohn der jeweiligen Produktionsländer liegen.

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Die Lohnleiter der Fair Wear Foundation

HAVEP orientiert sich an den Vorgaben der Fair Wear Foundation (FWF), einer gemeinnützigen Organisation mit Multi-Stakeholder-Ansatz. Zur Berechnung der Living Wages hat die Fair Wear Foundation Tools wie beispielsweise die „Wage Ladder“ (Lohnleiter) entwickelt. Die hilft dabei, den Lohn in einer bestimmten Fabrik mit lokalen Lohn-Benchmarks zu vergleichen und gegebenenfalls anzupassen. Der Fair Wear Foundation zufolge basieren diese Lohn-Benchmarks unter anderem auf Schätzungen von NGOs, lokalen Gewerkschaften und Regierungsverbänden. Aber auch internationale Benchmarks wie der Asia Floor Wage werden bei der Wage Ladder beachtet. Für HAVEP ist die Zusammenarbeit mit der Fair Wear Foundation essenziell: „Wenn wir mit den Unternehmen reden, dann meist mit der Geschäftsführung. Wir können nicht einfach direkt zu den Arbeitern gehen und sagen: Zeig mir mal deine Lohnabrechnung!“, weiß van Puijenbroek. „Aber die Kontrolle der geforderten Standards ist wichtig und das macht die Fair Wear Foundation für uns.“

Schon seit 2004 ist HAVEP Mitglied bei der internationalen Organisation und hat als solches einen Verhaltenskodex unterzeichnet. Darin verpflichtet sich der Hersteller von Arbeits- und Berufskleidung, die Arbeitsbedingungen seiner Produzenten aktiv und planmäßig zu kontrollieren und wo nötig zu verbessern. Zudem veröffentlicht HAVEP jedes Jahr einen Sozialreport, in dem das Unternehmen über seine Bemühungen, den Verhaltenskodex der Fair Wear Foundation in seine Lieferkette zu implementieren, berichtet. Darüber hinaus macht die internationale Organisation jährlich einen Brand Performance Check ihrer Mitgliedsunternehmen. Darin bewertet sie die bereits unternommen Maßnahmen und gibt Hinweise zur Verbesserung. Der letzte Check vom Berichtszeitraum 2018 brachte HAVEP den Status „Good“ ein – zum „Leader“ fehlen dem Textilhersteller nur noch wenige Punkte.

Corona und die textile Lieferkette

Wie wichtig Maßnahmen wie die Living Wages sind, zeigt auch die aktuelle Corona-Krise. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Textilproduktion trifft es nämlich hart: Weil viele Firmen ihre Läden schließen müssen, stornieren sie ihre Aufträge in den Fabriken. Alleine in Bangladesch haben schon mindestens 10.000 Beschäftigte ihren Job verloren, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zudem sind viele Fabriken wegen Ausgangssperren vorübergehend geschlossen. „Nie war deutlicher, dass die niedrigen Löhne die Arbeiterinnen und Arbeiter im Krisenfall unmittelbar in existenzielle Krisen stürzen“, sagt Berndt Hinzmann vom INKOTA-Netzwerk gegenüber der Presse. „Für Beschäftigte in den Produktionsländern sind existenzsichernde Löhne ebenso nötig wie soziale Sicherungssysteme. Dazu gehören faire Einkaufspraktiken. Dies alles erfordert gemeinschaftliches Engagement.“

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen des Coronavirus auf die textile Lieferkette finden Sie beispielsweise auf der regelmäßig aktualisierten Website des Bündnisses für Nachhaltige Textilien oder auch bei der Fair Wear Foundation.

Quelle: UmweltDialog
 

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