Vielfalt & Inklusion

Ohne Barrierefreiheit keine Inklusion

Ohne Barrierefreiheit können Menschen mit Behinderungen nicht selbständig leben und allumfassend an unserer Gesellschaft teilhaben. Ohne sie bleibt Inklusion nur ein Wunschgedanke. Organisationen und Unternehmen setzen sich jedoch auf unterschiedlichen Wegen dafür ein, dass sich Deutschland zu einem inklusiveren Land entwickelt – beispielsweise durch die Sensibilisierung für Leichte Sprache. Aber auch Lobbyarbeit ist ein wichtiger Aspekt.

14.12.2023

Ohne Barrierefreiheit keine Inklusion

„Niemand wird ausgeschlossen – jeder Mensch wird so akzeptiert und respektiert, wie er ist“ – so beschreibt das Schulministerium NRW den Grundgedanken der Inklusion. Und weiter: „Wenn jeder Mensch, egal ob mit oder ohne Behinderung, überall dort dabei sein kann, wo er gerne möchte, dann ist das Inklusion. Egal ob im Kindergarten, in der Schule, im Sportverein, in der Freizeit oder am Arbeitsplatz.“ Und das natürlich unabhängig von Aussehen oder Sprachzugehörigkeit.

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Um unsere Gesellschaft inklusiv zu gestalten, muss sie gleichzeitig barrierefrei werden. „Denn wo Orte, Räume oder Kommunikationsmittel nicht barrierefrei sind, bleibt Teilhabe am kulturellen und politischen Leben, an der Arbeitswelt und in der Freizeit verwehrt“, erklärt Aktion Mensch. „Barrierefreiheit heißt, dass Gebäude und öffentliche Plätze, Arbeitsstätten und Wohnungen, Verkehrsmittel und Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen und Freizeitangebote so gestaltet werden, dass sie für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind.“

Wie gelingt Barrierefreiheit?

Dafür sind zum einen bauliche Veränderungen notwendig wie etwa der Einbau von Rampen oder Fahrstühlen in Gebäude. Zum anderen braucht es Informationen, die die Menschen selbständig verstehen können, beispielsweise in sogenannter Leichter Sprache. Diese hilft Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen – weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, sie eine Lernbehinderung haben oder nicht gut sehen können – Probleme beim Lesen und Verstehen von Texten haben. Grundvoraussetzung für Texte in Leichter Sprache ist, dass sie durch Menschen mit Lernschwierigkeiten auf ihre Verständlichkeit hin geprüft werden, wie ein Ratgeber des Bundeslandes Sachsen informiert.

Wie das funktioniert, zeigt zum Beispiel eine Pressemitteilung der Deutschen Telekom, die das Unternehmen Anfang des Jahres veröffentlicht hatte. Als Partner der Special Olympics World Games Berlin, die in diesem Sommer stattfanden, wollte die Deutsche Telekom eigenen Angaben zufolge diesbezüglich auch direkt mit Menschen mit Behinderung sprechen und nicht nur über sie: „Daher haben wir jetzt unsere erste Pressemitteilung in Leichter Sprache veröffentlicht. Dies ist eine Premiere. Sie soll auch für das Thema sprachliche Teilhabe sensibilisieren“, kommunizierte das Unternehmen Anfang des Jahres. Wer den Text übersetzt und geprüft hat, fanden die Leser am Ende der Nachricht.

Bundesvereinigung Lebenshilfe setzt auf Selbsthilfe

Eine Organisation mit Expertise auf dem Gebiet der Inklusion und Barrierefreiheit ist die Bundesvereinigung Lebenshilfe. Der Verein setzt sich für die Belange für Menschen mit – insbesondere geistiger – Behinderung und ihre Familien ein. Dabei berät er etwa in Sachen Inklusion oder betreibt die bekannten Werkstätten. Im Zentrum seines Engagements steht die Selbsthilfe Betroffener: „In der Lebenshilfe sprechen Menschen mit Behinderung, ihre Eltern und Angehörigen für sich selbst und handeln gemeinsam. Wenn sich jemand nicht klar ausdrücken kann, versuchen wir sein Verhalten zu verstehen. Die Persönlichkeit eines Menschen steht im Vordergrund, nicht seine Behinderung“, so der Verein.

Die Arbeit des Vereins wird auch von Unternehmen wie der Deutschen Telekom oder auch toom Baumarkt unterstützt. toom bietet ab sofort Informationen in Leichter Sprache auf seiner Homepage an und hat dazu auf der Webseite einen eigenen Bereich eingerichtet. Gemeinsam mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe hat toom zudem erneut Erklärfilme in Leichter Sprache veröffentlicht. „Ob im Haus, in der Wohnung, im Garten oder auf dem Balkon – etwas mit den eigenen Händen selbst zu machen, bringt Spaß und macht stolz. Damit jedoch alle Menschen davon profitieren können, müssen Hindernisse abgebaut werden“, erläutert die Baumarktkette gegenüber der Presse.

Das Unternehmen und der Verein arbeiten Unternehmensangaben zufolge seit mittlerweile fast zehn Jahren zusammen; durch gemeinsame Projekte sowie durch Praktika und Werkstattaußenarbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in den toom Märkten. Neben den drei neuen Erklärfilmen zum Thema „Energiesparen“, „Insektenschutz“ und „Bedeutung der Moore“ seien außerdem bereits drei Selbermach-Broschüren in Leichter Sprache erschienen, die einfache Anleitungen zu verschiedenen Projekten enthalten. Für die Extraportion Expertise habe außerdem der Naturschutzverband Nationale Naturlandschaften an den Veröffentlichungen mitgearbeitet.

Ein Mann mit Behinderung ist im Arbeitsleben integriert.

Wie steht es um die Inklusion in Deutschland?

Die Lebenshilfe ist Verfechterin für die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention (BRK) der Vereinten Nationen und fordert Inklusion gegenüber Politik und Gesellschaft ein. Als sogenannter Selbstvertreter- und Selbstvertreterinnen-Verein geht die Lebenshilfe dabei mit gutem Beispiel voran. Dementsprechend können Menschen mit geistiger Beeinträchtigung in der Vereinigung als Mitglied, im Beitrat oder Vorstand mitarbeiten, wie die Lebenshilfe angibt.

Aber wie ist es um die Inklusion in Deutschland bestellt? Das hat in der zweiten Jahreshälfte 2023 der UN-Fachausschuss zur BRK in Genf geprüft. Im Rahmen des Staatenprüfungsverfahrens musste sich dazu auch die Bundesregierung erklären. „Deutschland muss sich bei der Inklusion mehr anstrengen! Ich konnte den Leuten im Ausschuss aber gute Tipps geben, was sie unsere Regierung fragen sollen“, erklärte Selbstvertreter Joachim Busch von der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Der Lübecker, der Menschen mit geistiger Beeinträchtigung vertrat, gehörte zu fünf Selbstvertretern, die vor dem Fachausschuss sprachen: „Ich freue mich, wieder in Genf zu sein. Es ist wichtig, dem Ausschuss der UNO die Situation in Deutschland zu erklären. Wir brauchen mehr Leichte Sprache und mehr Inklusion für Kinder und auch bei der Arbeit. Deutschland hat noch viel zu tun, um Inklusion für Menschen mit Behinderung zu erreichen.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch der UN-Fachausschuss, der im September seine abschließenden Bemerkungen zur Staatenprüfung veröffentlicht hat. Darin forderte er unter anderem, die Bereiche Bildung, Wohnen und Arbeit weiter zu deinstitutionalisieren, er kritisierte die mangelnde Barrierefreiheit im öffentlichen und privaten Raum sowie die geringe Anzahl von Übergängen von Menschen, die in Werkstätten arbeiteten, in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Quelle: UmweltDialog
 

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