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CSR-Strategie

Japanischer Konzern setzt andere CSR-Schwerpunkte

Die Aktienmehrheit von Antalis, einer der führenden Großhandelsgruppen für den Vertrieb von Papier, wurde vom japanischen Papiergroßhändler Kokusai Pulp & Paper übernommen. Beide Konzerne begreifen CSR als wichtigen Teil ihrer Geschäftsstrategie. Allerdings setzt das japanische Unternehmen andere Schwerpunkte.

03.08.2020

Japanischer Konzern setzt andere CSR-Schwerpunkte

Mit der Übernahme der Aktienmehrheit von Antalis durch den japanischen Konzern Kokusai Pulp & Paper (KPP) kommen zwei starke Akteure zusammen. Antalis sieht sich als führende Großhandelsgruppe für den Vertrieb von Papier auf dem globalen Markt mit Ausnahme der USA. KPP wiederum ist vor allem in Asien und Australien aktiv und besonders stark im Heimatmarkt Japan.

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Nachhaltigkeit verbindet beide Unternehmen: Bei Antalis steht unternehmerische Verantwortung (CSR) laut Angelika Peled, Head of Marketing Middle Europe, im Mittelpunkt der Geschäftsstrategie und bildet die Grundlage für die Beziehungen zu den Stakeholdern der Großhandelsgruppe. Die CSR-Strategie basiert auf vier Säulen: Corporate Governance, dem Schutz der natürlichen Ressourcen, Human Resources und dem Produktangebot. Im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit hat Antalis durch verschiedene Maßnahmen bereits viel erreicht. Unter anderem wurde die Beleuchtung im Zentrallager Frechen komplett auf LED umgestellt. Gemeinsam mit Logistikpartnern wurde ein System zur optimalen Nutzung der Ladekapazitäten von Lkw entwickelt, etwa 14.000 Pakete pro Jahr werden bereits CO2-neutral versendet. Insgesamt hat Antalis seine CO2-Emissionen allein von 2017 auf 2018 um 16 Prozent verringert.

Erhebliche Anstrengungen unternimmt Antalis auch bei der nachhaltigen Gestaltung der Lieferkette. Mit „Amtrak“ wurde eine innovative digitale Plattform zu Nachverfolgung und Kontrolle präsentiert. Dieses CSR-Engagement wird registriert. Gute Bewertungen erhielt der Konzern beispielsweise auf der kollaborativen Plattform zur Bewertung nachhaltiger Leistungen von Lieferanten, EcoVadis.

CSR in Japan verfolgt andere Ziele

Auch in Japan besitzt CSR einen besonders hohen Stellenwert, wenngleich es etwas anders orientiert ist als in Europa. CSR-Strategien japanischer Unternehmen verfolgen demnach weniger die grundlegende Ausrichtung hin zu ausschließlich nachhaltigen Produkten. Stattdessen geht es darum, die betreffenden Produktionsprozesse zu verbessern, negativen Auswüchse der industriellen Produktion zu beseitigen und vorhandene Ressourcen dadurch effizienter zu nutzen. Entsprechend betont CSR in der Unternehmensphilosophie von KPP andere Schwerpunkte: Neben Aspekten der Ressourcenschonung und der Energieeffizienz geht es in der CSR-Strategie vor allem um das Vertrauen und die guten Beziehungen zu Stakeholdern wie Kunden, Lieferanten, Anteilseignern und den Menschen vor Ort.

Umweltschutz begreift KPP als übergreifendes Thema. Deshalb wurde das Programm „GIFT +1“ gestartet, das den Unternehmenszielen – sie werden mit den englischen Schlagworten Globalization, Innovation, Function und Trust bezeichnet – jeweils umweltspezifische Initiativen zuordnet. KPP bekennt sich zum Ziel umweltfreundlicher Produkte und strebt eine recyclingorientierte Gesellschaft an. In der gesamten Wertschöpfungskette wird nur Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft verwendet, was durch FSC- und PEFC-Zertifizierungen dokumentiert wird. Bereits seit 2002 ist der Unternehmenssitz in Tokio außerdem gemäß der Umweltmanagement-Norm ISO 14001 zertifiziert.

Ganz praktisch wird das Umweltengagement an den Unternehmenssitzen präsentiert. Durch Umrüstungen der Bürogebäude in Tokio auf Solartechnologie und den Einsatz von LED-Lichttechnik wurden CO2-Einsparungen von 32 Prozent erreicht, wird auf der Unternehmens-Website berichtet. Am Hauptsitz in Tokio wurden außerdem Bäume auf den Dächern der Bürogebäude gepflanzt. Diese Begrünung senkt die Klimatisierungskosten, nutzt aber auch der gesamten Stadt, weil dadurch das sogenannte Wärmeinselphänomen und somit die Aufheizung der Metropole abgemildert wird, wie der Radio- und Fernsehsender ORF erläutert.

Eine Arbeitsgruppe mit Japanerin und Japaner

„Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital“

Traditionell legt das CSR-Management in Japan einen besonderen Schwerpunkt auf die Personalentwicklung. „Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital, deren Vertrauen und Leistungsfähigkeit es zu erhalten gilt“, betonte Uichiro Niwa, früherer Präsident der Itochu Corporation und Botschafter Japans in China, bei einem CSR-Symposium in Tokio. Dieser Prämisse folgt auch KPP und investiert vor allem in die Bereiche Weiterbildung, Gesundheit und Arbeitszeitmanagement. Im Bildungsbereich gibt es verschiedene E-Learning-Angebote, aber auch On-the-job-Trainings und spezifische Einführungsprogramme für neue Mitarbeiter. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch Teilzeitmodelle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Mitarbeiterbeteiligungsmodelle und einen gut ausgebauten Gesundheitsservice.

Besonders intensiv widmet sich der japanische Konzern aber dem Thema Balance zwischen Arbeit und Privatleben seiner Beschäftigten. Mit gutem Grund: Im „Land der aufgehenden Sonne“ gibt es eine besondere Arbeitskultur, in der Beschäftigte dazu neigen, sich physisch wie psychisch zu überlasten – bis hin zum Tod. Bis zu 80 Überstunden im Monat seien keine Seltenheit, berichtete UmweltDialog. Experten bezeichnen dies als regelrechten „Überstunden-Kult“. Bei KPP wurden nach eigenen Angaben bereits 2009 an den japanischen Standorten zwei „überstundenfreie Tage“ pro Arbeitswoche eingeführt. Angestellte, die besonders lang ohne Unterbrechung gearbeitet haben, bekommen nun bezahlte Sonderurlaubstage als Ausgleich. Grundsätzlich wurde die Arbeitsorganisation unter die Lupe genommen, um Problembereiche zu identifizieren, die Überstunden geradezu herausforderten.

Kokusai übernimmt Anteile der vormaligen Holding

Im März gab Antalis bekannt, dass Kokusai Pulp & Paper Co. Ltd. (KPP) vorbehaltlich noch ausstehender Genehmigungen die Aktienmehrheit an dem Konzern übernehmen wird. Vor allem ging es dabei um die Anteile von 75,2 Prozent der mittlerweile insolventen, vormaligen Antalis-Holdinggesellschaft Sequana. Außerdem sollte eine Beteiligung von 8,5 Prozent der französischen Investitionsbank BPI erworben werden. BPI hielt nach Angaben von Dieter Becker, Geschäftsführer der deutschen Antalis GmbH, bereits die Anteile von Sequana in Obhut eines von ihr verwalteten staatlichen Fonds. Antalis-CEO Hervé Poncin sieht die Übernahme als Chance: „Dieser Zusammenschluss wird Antalis die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, um Innovationen zu unterstützen und die Marktposition zu stärken.“

Quelle: UmweltDialog
 

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