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Produktion

Transparente Bauprodukte als Grundlage nachhaltigen Bauens

Welche Stoffe beinhalten Bauprodukte? Welche Ressourcen wurden für ihre Herstellung verwendet? Und welche Umweltauswirkungen entstehen dadurch? Antworten auf diese Fragen bieten sogenannte Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs), die das Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) veröffentlicht. Sie liefern die notwendigen Basisinformationen, um die ökologische Qualität von Gebäuden zu beurteilen. Diese ist für die ganzheitliche Betrachtung von Bauwerken und für ihre Nachhaltigkeitsbewertung wesentlich.

09.10.2015

Transparente Bauprodukte als Grundlage nachhaltigen Bauens

Umweltfreundliche Baustoffe sind noch keine Garantie für Nachhaltigkeit, weil sie keine Endprodukte sind. Ihr Einfluss auf die Umwelt hängt von vielen Faktoren ab. Ein Beispiel: Inuit benötigen für den Bau ihrer Iglus, die ihnen heutzutage als Schutzhütten bei Jagdausflügen dienen, lediglich Schnee; als Naturprodukt vollständig „recycelbar“. Da die Inuit ihre Iglus mit den Händen bauen, verbrauchen sie dadurch keine zusätzliche Energie. Auf den ersten Blick gesehen sind also der Baustoff Schnee und das Gebäude Iglu ökologisch nachhaltig.

Diese Aussage trifft aber nur in der Arktis zu. Würde ein Iglu hingegen am Äquator erbaut, müsste der Schnee nicht nur dorthin transportiert, sondern auch permanent gekühlt werden, damit er nicht schmilzt und seine Funktion verliert. Das wiederum würde eine Menge Energie verbrauchen. Dementsprechend ist die ökologische Qualität bei Bauprodukten immer mit der funktionalen Leistungsfähigkeit verbunden. Der geeignete Einsatz im Gebäude, auch in Verbindung mit weiteren Materialien, ist entscheidend. „Bauprodukte lassen sich in Bezug auf ihre ökologische Performance erst im Gebäudekontext vor dem Hintergrund ihrer konkreten Einbausituation und die an sie gestellten technischen Anforderungen miteinander vergleichen“, erklärt Anita Kietzmann vom IBU.

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EPDs

Umweltkennzeichen und -deklarationen gibt es in drei verschiedenen Kategorien. Typ I nach ISO 14024 weist ein bis zwei Umweltaspekte von Baustoffen aus. Es richtet sich an private und gewerbliche Endverbraucher. Bei Typ II handelt es sich um produktunterstützende Herstellerangaben nach ISO 14021. Typ III entsprechen den EPDs, die das IBU vergibt: „Sie bringen Klarheit, denn sie beleuchten, welche Grundstoffe mit welchem Energieaufwand in ein Bauprodukt einfließen und welche Umweltauswirkungen dadurch entstehen“, so Kietzmann weiter. Sie liefern wissenschaftlich fundierte Datengrundlagen, die wichtiger Bestanteil von Gebäudezertifizierungssystemen wie der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) oder des Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) sind.

In Form einer Ökobilanz wird etwa der Beitrag zum globalen Treibhauseffekt, zum Ozonabbau, zur Versauerung der Böden und Gewässer oder zur Ressourcenverknappung quantifiziert, aber nicht bewertet. Dabei kann der gesamte Lebenszyklus der Bauprodukte analysiert werden bis hin zu Angaben zum Rückbau, der Recyclingfähigkeit und dem Deponiebedarf.

Darüber hinaus helfen technische Angaben, die Leistungsfähigkeit eines Bauproduktes innerhalb eines Gebäudekontextes einzuschätzen. Dazu gehören zum Beispiel Angaben zur Lebensdauer oder zur Wärme- und Schallisolierung. Wo relevant, können EPDs auch umwelt- und gesundheitsbezogene Nachweise enthalten, wie etwa zum Emissionsverhalten in die Innenraumluft.

Eine Typ III EPD ist auf Bauprodukte und Dienstleistungen aller Art anwendbar. Die Grundsätze und Verfahren werden in der ISO 14025 beschrieben. Das IBU prüft die Deklarationen für Bauprodukte außerdem nach der europäischen Norm EN 15804 durch unabhängige Dritte. Es ist die einzige Organisation in Deutschland, die ein konsequent nach internationalen Standards abgestimmtes Öko-Label Typ III für eine gesamte Branche ausstellt: „Wir haben einen branchenübergreifenden Industriestandard geschaffen. Die Mitgliederzahl wächst und die EPDs werden europaweit zum Standard für Bauprodukte“, sagt Dr. Burkhart Lehmann, Geschäftsführer vom IBU.

Das IBU

Das IBU ist aus der Anfang 1980 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Umweltverträgliches Bauprodukt e. V. (AUB) hervorgegangen. Diese hatte sich zum Ziel gesetzt, ihre Mitglieder nicht nur für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, sondern auch Umweltinformationen zu Baustoffen zu veröffentlichen und nachhaltiges Bauen zu fördern. Dementsprechend entwickelte die AUB mit deutschen Bau- und Umweltbehörden und in Übereinkunft mit dem internationalen Normungsprozess das Typ-III-Umwelt-Produktdeklarationsprogramm in Deutschland.

2008 erfolgte die Umbenennung in Institut Bauen und Umwelt e.V. Von einem dreizehnköpfigen Vorstand geleitet, umfasst das IBU mittlerweile fast 200 Mitglieder. Die Unternehmen und Verbände stammen aus verschiedenen Werkstoffbereichen der Baustoffindustrie, aus dem Hoch- und Tiefbau und aus der technischen Gebäudeausrüstung.

Sie sind Deklarationsinhaber von über 900 EPDs und kommen hauptsächlich aus Deutschland und Europa: „Durch ihre Mitgliedschaft positionieren sich Bauprodukt-Hersteller als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Mit ihren EPDs zeigen sie, dass sie die Qualität ihrer Produkte im Hinblick auf Umweltaspekte im Blick haben“, so Kietzmann. Darüber hinaus ermöglichen ihnen EPDs Wettbewerbsvorteile, weil sie den Unternehmen den Zugang zu ausgeschriebenen Bauprojekten erleichtern.

Als Gründungsmitglied der sogenannten „ECO Platform“, einem Verbund europäischer Programmhalter, forciert das IBU die internationale Vernetzung. Darüber hinaus existieren bereits mit verschiedenen EPD-Programmen aus Europa und Nordamerika Kooperationsvereinbarungen über die gegenseitige Anerkennung der Umwelt-Produktdeklarationen.

In drei Schritten zur EPD

Um Transparenz, Sicherheit und Objektivität zu gewährleisten, sind an dem Prozess einer EPD-Erstellung verschiedene Akteure involviert. Neben den Herstellern gehören dazu unabhängige Prüfer, die Öffentlichkeit und der unabhängige Sachverständigenrat (SVR), der die oberste fachliche Instanz für die Arbeit des IBU darstellt. Aus zehn ehrenamtlichen Experten bestehend, die u.a. in der Wissenschaft oder Bau- und Umweltbehörden arbeiten, überwacht er die Normkonformität und stellt die Qualität des Verifizierungsverfahrens des Programms sicher.

Die Grundlage einer EPD ist das Anleitungsdokument, Product Category Rules (PCR) genannt, das aus zwei Teilen besteht. Der für alle Produktuntergruppen einheitlich konzipierte Teil A wird vom SVR erstellt und gepflegt. Dieser beinhaltet Rechenregeln für die Ökobilanz und Anforderungen an den zugrundeliegenden Hintergrundbericht. Teil B beschreibt wiederum die Ansprüche an die Inhalte der jeweiligen EPDs in einer Produktgruppe: „Vom IBU moderierte Arbeitsgruppen definieren die jeweilige Produktgruppe, die ähnliche Eigenschaften und Funktionalitäten aufweist. Sie legen die zu deklarierenden bautechnischen Angaben und umwelt- und gesundheitsbezogene Nachweise fest.“

Vom SVR geprüft, haben danach Planer, Bauträger, Behörden und weitere Interessierte die Möglichkeit, den Entwurf in einem Onlineforum zu diskutieren und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Danach gibt der SVR das Dokument frei.
Als nächstes wird die EPD auf Grundlage der Vorgaben des PCR-Anleitungstextes Teil B erstellt, wozu allen Beteiligten ein webbasiertes Datenbanksystem zur Verfügung steht.

Zur Überprüfung der Ökobilanz muss außerdem ein Hintergrundbericht auf Grundlage des PCR Teil A verfasst werden. Schließlich überprüfen die vom SVR berufenen Verifizierer die EPD und den Hintergrundbericht nach den Grundsätzen der ISO 14025, der EN 15804 und den IBU-Programmregeln. Nachdem die EPD erfolgreich verifiziert und ein Verifizierungsbericht verfasst wurde, veröffentlicht das IBU mit Logo versehen die EPD. Diese ist insgesamt für fünf Jahre gültig.

Auch für KMU durchführbar

Das IBU hat u.a. mit Industrieverbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen spezielle Modelle entwickelt, damit die Deklarationen auch für kleine Unternehmen erschwinglich werden. Unter bestimmten Umständen können KMUs auf sogenannte „Musterdeklarationen“ ihrer Verbände zurückgreifen, sodass der sich der Aufwand für die Berechnung der Ökobilanz deutlich reduziert.

Insgesamt sind die EPDs des IBU modular konzipiert. So haben die Hersteller die Wahl zwischen einer Kern-EPD gemäß EN 15804 und einer Deklaration mit zusätzlichen erläuterten Informationen und Nachweisen.

Quelle: UmweltDialog
 

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