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15.09.2016

Personalmanagement

Warum Geld nicht alles ist

Mittelständische Unternehmen müssen im Komplexitäts- und Digitalisierungszeitalter, das mit der Fragmentierung von Arbeitsprozessen und Informationsüberlastung einhergeht, nicht nur immer schneller agieren und sich zunehmend international ausrichten, sondern müssen sich auch dem globalen Wettbewerb um Talente und die besten Mitarbeiter stellen. Um sie langfristig ans Unternehmen zu binden, werden verschiedene Ansätze gewählt.

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Dabei rückt neben dem Thema Vergütung auch die Teilhabe der Mitarbeiter am Kapital des Unternehmens in den Fokus. Eine breit angelegte Beteiligung der Mitarbeiter ist zwar keine Voraussetzung, um die Motivation und das „Wir-Gefühl“ zu steigern, aber für viele ein Rahmen für nachhaltigen Erfolg und ein zentraler Faktor im (internationalen) Standortwettbewerb.

Unter Mitarbeiterkapitalbeteiligung ist die vertragliche und dauerhafte Beteiligung von Mitarbeitern am Kapital des Unternehmens zu verstehen. Die direkteste Form ist die unmittelbare Beteiligung am Unternehmenskapital, die Mitarbeiter in Höhe ihrer Beteiligungsquote zu (gleichberechtigten) Gesellschaftern macht.

„Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“, so lautet denn auch die Sicht vieler Unternehmer. Gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter sind die „wertvollste Ressource“, heißt es oft in Firmenpublikationen und Leitbildern. In Nachhaltigkeitsberichten wie dem der memo AG werden Mitarbeiter als „Herz unseres Unternehmens“ und „höchstes Gut“ bezeichnet.

Fokus Nachhaltigkeitsberichte

Es lohnt sich, Nachhaltigkeitsberichte im Hinblick auf Glaubwürdigkeit zu vergleichen und einen Blick auf den Themenkontext Mitarbeiterbindung zu werfen. Dabei ist es wichtig, auch darauf zu achten, wie kritisch Unternehmen mit diesem Medium umgehen:

Wird es nur als Image- und Werbepublikation genutzt oder als Instrument, um mit seinen Stakeholdern ins Gespräch zu kommen, um sich selbst stetig zu verbessern? Sind Prozesse, Regeln und Strukturen abgebildet? Sind Höhen und Tiefen benannt?
„Wer nur die guten Zahlen verbreiten, die schlechten dagegen tunlichst verschweigen will, macht sich unglaubwürdig. In der Krise ist die Informationsbereitschaft besonders wichtig“, schreibt Prof. Brun-Hagen Hennerkes in seinem aktuellen Buch „Die Familie und ihr Unternehmen. Strategie, Liquidität, Kontrolle“ (Campus 2016).

Prof. Brun-Hagen Hennerkes.
Prof. Brun-Hagen Hennerkes.

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit darf nicht mit Werbung vermischt werden. Noch viel zu häufig erschöpft sie sich in der Verbreitung von Produktinformationen, kritisiert Hennerkes die aktuelle Entwicklung: „Übertreibungen, wie sie in der Werbung üblich sind, sollten tunlichst unterbleiben. Die Absicht, mit Public Relations teure Werbegelder zu sparen, verstimmt die Medien und kann das Gegenteil bewirken.“

Unternehmen, die lieber „nachhaltig, substantiell und gesund wirtschaften wollen, meiden das grelle Schaufensterlicht“ tunlichst, bestätigt auch der Managementexperte Hermann Scherer in seinem aktuellen Buch „Fokus!“ (Campus Verlag), der zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit gehört und hier mit seinem Beitrag „Warum Konsumgüter keine Glücksgüter sind“ vertreten ist.

Auch ihm geht es nicht um das kurzfristige Auf und Ab der Wirtschaft, sondern um die langfristige Entwicklung, bei der auch glaubwürdige Unternehmenskommunikation eine wichtige Rolle spielt. Sie eröffnet ebenfalls Chancen, das Image und damit den Wert des Unternehmens zu steigern.

„Aus der Sicht der Medien sind nämlich nicht nur Bilanzen wichtig, sondern auch Informationen über neue Produkte, über strategische Allianzen, über den Ausbau des Auslandsnetzes, über Aus- und Weiterbildung oder andere soziale Einrichtungen innerhalb des Betriebs“, so der Jurist und Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Familienunternehmen.

Qualifizierte Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden, ihr Integrationsgefühl zu stärken und ihr unternehmerisches Denken zu fördern, bedeutet für ihn, verantwortungsbewusst und zugleich ökonomisch sinnvoll zu handeln. Vor diesem Hintergrund ist ein Blick auf Mitarbeiterbeteiligungsmodelle im Nachhaltigkeitsbereich von besonderem Interesse.

Leistungsorientierung wird hier durch eine Sinn- und Lebensorientierung für die Beschäftigten ergänzt. „Wir verlassen uns jedoch nicht nur auf Zahlen, sondern auch auf das Feedback jedes einzelnen Mitarbeiters. Denn es bringt nichts, Gesundheitskurse anzubieten, wenn sie nicht angenommen werden. Unser Nachhaltigkeitsmanagement ist bei dem Thema mit im Boot, verantwortet wird es jedoch vom Bereich Personal“, sagt Claudia Silber, die ebenfalls zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit gehört und als Leiterin Unternehmenskommunikation bei der memo AG arbeitet.

Claudia Silber.
Claudia Silber.

Im Nachhaltigkeitsbericht der memo AG findet sich der Vermerk, dass die Unternehmenskultur durch gegenseitiges Vertrauen, Respekt und die Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg geprägt ist, also nicht nur durch weiche Faktoren, sondern auch durch greifbare ökonomische.

Wie Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt werden

Um dem Unternehmen eine zukunftsweisende Struktur und Rechtsform zu geben und die Mitarbeiter am Firmenerfolg zu beteiligen, wurde memo 1999 von einer GmbH in eine AG umgewandelt. Die Aktiengesellschaft ist nicht börsennotiert.

Diese Gesellschaftsform ermöglicht es, dass jeder fest angestellte Mitarbeiter über ein innovatives Beteiligungsmodell Anteile am Unternehmen halten und damit langfristig am wirtschaftlichen Erfolg partizipieren kann.

100 Prozent der Stammaktien befinden sich in den Händen der vier Gründungsgesellschafter, von denen drei nach wie vor aktiv in Führungspositionen im Unternehmen tätig sind. Die Mitarbeiter halten aktuell über eine Beteiligungsgesellschaft einen Anteil von ca. zwei Prozenz des gezeichneten Kapitals in Form von Vorzugsaktien.

Das Versandhandelsunternehmen möchte nach eigenen Angaben wirtschaftliches Wachstum erzielen - allerdings nicht um jeden Preis. Langfristiger Erfolg, wie ihn auch Hermann Scherer beschreibt, sei wichtiger als kurzfristige Gewinnmaximierung.

Die Mitarbeiterbeteiligung sei zwar ein wichtiger, aber eben doch nur ein Grund von zahlreichen „zugunsten des Zugehörigkeitsgefühls und der Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen“, sagt Claudia Silber, die auf den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens verweist: Es sind vor „allem das betriebliche Gesundheitsmanagement, die Arbeitsplatzbedingungen, das Betriebsklima und das Vertrauen in die Arbeitsplatzsicherheit, die zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beitragen.“ Das Finanzielle sei ein wichtiger Aspekt, aber eben doch nicht alles.

Im Rhythmus von zwei Jahren wird die Mitarbeiterzufriedenheit, die von der Geschäftsführung als wesentlicher Leistungsindikator definiert wurde, durch strukturierte, anonyme Befragungen ermittelt (Quelle: Nachhaltigkeitsbericht).

An diesem Beispiel zeigt sich auch, dass Nachhaltigkeit „innen“ beginnen muss und nicht nur aus ökologischer Sicht betrachtet werden sollte.

Das Herz der Firma

Derzeit ist zu beobachten, dass Nachhaltigkeit verstärkt auch im Bereich Human Resources an Bedeutung gewinnt. Der HR-Experte Hansjörg Schumacher verwies kürzlich auf eine repräsentative Umfrage unter 500 Personalentwicklern und HR-Managern („Nachhaltigkeit in der Personalentwicklung & Weiterbildung“).

Nachhaltigkeit entsteht nur „durch stringenten und kontinuierlichen Aufbau von Erfahrungen und der damit verbundenen Entwicklung von Denkmustern, Verhaltensweisen und Fähigkeiten“, so das Fazit. Zu den dominierenden „Kernkompetenzen“ wurden neben „Eigeninitiative“ und „Zuverlässigkeit“, „Teamfähigkeit“ und „Zielstrebigkeit“ ermittelt.
Bei der Entwicklung dieser Kompetenzen und einer Veränderung im Verhalten eines Mitarbeiters „kommt es ganz entscheidend darauf an, die Führungskräfte in das Programm angemessen einzubinden“.

Dann ist der eingangs zitierte Satz, dass Mitarbeiter das „Herz“ eines Unternehmens sind, auch stimmig. Wo es fehlt, ist auch eine finanzielle Beteiligung sinnlos. Voraussetzung für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg ist ein gesunder Organismus, in dem das Herz gleichmäßig schlagen kann.

Quelle: UD
 

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