10.12.2019
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20.08.2019

Share Economy

Tchibo Share: ein Jahr Mode zum Mieten

Ein Schlussverkauf nach dem anderen, zwölf Kollektionen in einem Jahr. Die Fast Fashion hat die Modeindustrie fest im Griff. Darunter leiden die Arbeiter in den Fabriken und die Umwelt. Tchibo hat mit Tchibo Share ein Gegenmodell zur Fast Fashion geschaffen: Kinderkleidung und noch viele weitere Produkte zum Mieten. Nach über einem Jahr zieht das Unternehmen nun Bilanz.

Tchibo Share Second Hand

Der Sommer neigt sich in Deutschland langsam dem Ende zu. In vielen Geschäften hält schon die Herbst/Winter Kollektion Einzug. Kleidung kaufen können wir hierzulande gut: Im Schnitt rund 60 Kleidungsstücke pro Jahr, ergab ein Bericht von Greenpeace. Die tragen wir aber nur noch halb so lange wie vor knapp 15 Jahren. Das ist ein Problem: „Weil Mode so günstig ist, ist sie zu Wegwerfware verkommen: Die Trends von heute sind der Müll von morgen“, heißt es in dem Fast Fashion Report von Greenpeace.

Die Folgen für die Umwelt sind fatal. So entstünden beispielsweise allein durch Herstellung, Transport und Gebrauch (also Waschen, Trocknen, Bügeln) von Textilien über 850 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Auch der Wasserverbrauch bei der Produktion neuer Kleidung ist immens, erklärt Viola Wohlgemuth, Textilexpertin und Detox Campaignerin bei Greenpeace, gegenüber UmweltDialog. So fielen etwa für die Herstellung eines T-Shirts knapp 2.700 Liter Wasser an. Für die Menschen, die die Kleidung herstellen, ergeben sich ebenfalls etliche Risiken. Sie erhalten oft Billiglöhne und leiden immer noch unter schlechten Arbeitsbedingungen in den Fabriken.

Was tun gegen den Kaufrausch?

Alternative Möglichkeiten zur Fast Fashion gibt es mittlerweile einige. Das Gegenmodell nennt sich Slow Fashion. Diese Bewegung will Mode „entschleunigen“, erklärt das Magazin Utopia. Es ginge darum, die Produktion zu verlangsamen und die Arbeitsbedingungen der Hersteller zu verbessern. Außerdem wolle Slow Fashion ein stärkeres Bewusstsein für den Umgang mit Mode schaffen und das Konsumverhalten ändern. Statt neue Kleidung zu kaufen, könne man sie gebraucht kaufen und sogar mieten. Second-Hand-Läden, Kleidertauschparties oder Plattformen wie Kleiderkreisel haben sich daher mittlerweile hierzulande etabliert.

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Dass sich nachhaltiger Konsum und wirtschaftlicher Erfolg nicht widersprechen müssen, zeigen die vielen kleineren „grünen“ Modelabel, die in den letzten Jahren entstanden sind. Aber auch für größere Unternehmen lohnt sich ein Umdenken, wie Tchibo zeigt. Mit Tchibo Share haben die Hamburger ein Pilotprojekt für Mietkleidung gestartet. Damit soll Kinderkleidung zum Mieten massentauglich(er) werden. Statt ein Kleidungsstück zu kaufen, können die Kunden es so lange leihen, wie sie möchten. Das schont nicht nur Ressourcen. So landen auch weniger Kleidungsstücke auf dem Müll: Etwa 90 Prozent der Produkte kann man erneut einsetzen, heißt es von dem Unternehmen. 

Greenpeace begrüßt solche Mietmodelle. „Kleidung zum Leihen ist ein positiver Trend. Denn wer sich Mode leiht statt kauft, der beschäftigt sich ganz bewusst mit seinem Konsum“, findet Wohlgemuth. Dass die Kleidung per Post an den Kunden versendet wird, hält sie nicht für ein Problem. Dies sei immer noch nachhaltiger, als neue Mode herzustellen: „Bis ein neu produziertes Kleidungsstück beim Endverbraucher angekommen ist, reist es eineinhalbmal um die Erde. Dafür kann man gebrauchte Mietkleidung sehr oft hin und her versenden.“

Hat das Modell Zukunft?

Seit eineinhalb Jahren läuft Tchibo Share bereits. Mittlerweile erstreckt sich das Angebot nicht nur auf Kinderkleidung, sondern auch auf Spielsachen, Fahrrad- und Reisezubehör sowie Mode für Frauen. Der Service kommt bei den Kunden gut an: „Tchibo Share hat mir meine Freundin empfohlen, da ich umweltbewusster leben möchte. Ich bin total begeistert von dem Konzept, denn hier finde ich nachhaltige Produkte, die ich auch noch mieten kann“, kommentiert etwa Michaela aus München das Angebot und spricht damit gleich einen weiteren Vorteil an: Die Textilien stammen aus nachhaltiger Produktion, ein Großteil wird aus zertifizierter Bio-Baumwolle nach GOTS-Standard hergestellt.

Tchibo Share Top oder Flop?

Die Größe der Warenkörbe im Tchibo Share-Webshop wächst stetig: „Wir freuen uns, so viel Wertschätzung und Kundentreue für unser Angebot zu erhalten. Je mehr wir unser Angebot verbreitern, desto mehr leihen sich unsere Kunden aus“, so Sarah Herms, Kreislaufwirtschafts-Expertin bei Tchibo. Die Erfahrung aus dem ersten Jahr des Pilot-Projekts zeigt aber auch: Nicht jedes Produkt funktioniert im Mietmodell. Bettwäsche wird zum Beispiel eher selten gemietet. Auch größere Kleidung ist schwieriger. So nehmen die Bestellungen ab Größe 110 wieder ab, heißt es von Tchibo.

Wie geht’s weiter?

Für das zweite Jahr Tchibo Share haben sich die Hamburger große Ziele gesteckt. So soll das Sortiment alle sechs Wochen ausgebaut, das Mietsortiment für Mütter erweitert werden. Auch noch weitere Produkte, zum Beispiel für Familienurlaube, kann man nun mieten. Ganz neu dabei sind sowohl Bollerwägen und Holzmöbel als auch Babytragen und Tragetücher. Stück für Stück wird außerdem das Angebot mit Partnern, wie den Spielwarenherstellern Pinolino oder HABA, erweitert. Für die Küche gibt es auch was: Eismaschinen und weitere Kochprodukte sind ebenfalls für die Vermietung geplant.

Plantschbecken bei Tchibo Share

Nachhaltiger Konsum und die Sharing-Bewegung müssen aber noch größer werden, so Nanda Bergstein, Direktorin Unternehmensverantwortung bei Tchibo: „Wir sind davon überzeugt, dass das Teilen und Wiederverwenden von Ressourcen eine wichtige Antwort auf die dringliche Frage unserer Zeit ist, wie wir als Unternehmen und Gesellschaft die Umwelt schonen und der nächsten Generation eine lebenswerte Welt überlassen können.“ Viola Wohlgemuth hat für das Unternehmen noch weitere Anregungen: „Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass Tchibo Kleidung zum Mieten auch in den lokalen Geschäften anbietet. So kann der Versand gespart werden und es lassen sich mehr Verbraucher erreichen.“ Auch die Ausweitung des Sortiments auf Kleidung für Erwachsene wäre ein wichtiger Schritt zu nachhaltigerem Konsum.

Quelle: UmweltDialog
 

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