20.01.2020
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02.08.2018

Produktion

Nicht öko, aber trotzdem nachhaltig?

Die wachsende Bevölkerung, der Rückgang der Artenvielfalt und der Klimawandel stellen Landwirte vor eine große Herausforderung. Wie können sie ausreichend Nahrung herstellen, ohne dabei den Umweltschutz aus den Augen zu verlieren? Bayer will mit dem ForwardFarming-Programm Lösungen dafür entwickeln. UmweltDialog hat den „Damianshof“ besucht und sich das Programm vor Ort angesehen.

Nicht öko, aber trotzdem nachhaltig? zoom
Für den Landwirt Bernd Olligs sind Blühstreifen in der Landwirtschaft eine Herzensangelegenheit.

„Bei schönem Wetter fahren meine Kinder mit dem Fahrrad zur Schule. Wenn es regnet haben sie einen Chauffeur.“ Bernd Olligs erste Aufgabe am Morgen ist der Blick auf den Wetterbericht. Je nachdem ob dicke Tropfen vom Himmel fallen oder die Sonne warm durch das Fenster scheint, plant er seinen Tagesablauf. Olligs ist Landwirt auf dem Damianshof in Rommerskirchen in der Nähe von Köln und bewirtschaftet den Betrieb schon in der sechsten Generation. „Einen gemeinsamen Familienurlaub hat es damals nie gegeben. Es musste immer jemand da sein, der die ganze Arbeit machte“, erinnert er sich an seine Kindheit.

Blumen und Schmetterlinge

Knapp 115 Hektar messen die Felder des Landwirtes, auf denen derzeit Kartoffelpflanzen weiß blühen und Winterweizen und Zuckerrüben wachsen. Auf dem Weg zum Damianshof zeigt sich dem Besucher aber zunächst ein eher monotones Bild: Rechts und links der Straße sieht man derzeit nur Getreidefelder, die sich bis zum Straßenrand ziehen. Leuchtende Kornblumen, roten Klatschmohn oder Schafgarbe sucht man hier vergebens.

Bei Bernd Olligs ist das aber anders. An den Rändern seiner Felder blühen bunte Blumen und Stauden. Zitronenfalter, Pfauenaugen und Kohlweißlinge tummeln sich überall auf seinem Hof. Bienen umschwirren den Besucher, fliegen von Blüte zu Blüte. Selbst die Grillen geben ein Konzert. Für den Landwirt sind die Insekten eine Herzensangelegenheit. Auf seinem Hof hat er Blühstreifen und Staudenbeete angelegt. Derzeit pflanzt Olligs verschiedene Blühmischungen an: „Es gibt keine Betriebsanleitung für Blühstreifen. Jeder testet das noch aus.“ Am besten für die Natur sei es aber, wenn man viele verschiedene Pflanzen habe, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen.

Auch ein Biotopverbund sei nötig. Nur so könne man einen ausreichenden Zuflug von Bienen und anderen Insekten erreichen. Deswegen stehen in der Nähe seiner Blühstreifen Insektennisthilfen und Bienenstöcke. Auf den Feldern des Damianshofes findet man zudem Feldlerchenfelder und „Beetle Banks“, also angehäufte Erdwälle, in denen bodenbrütende Insekten nisten. „Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Forderung, dass immer alles größer und schneller werden muss, haben wir weniger Artenvielfalt“, erklärt der Rommerskirchener: „Deswegen ist es wichtig, dass wir Landwirte die Flora und Fauna unterstützen.“

Stauden bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten.
Stauden bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten.

Weniger Insekten – Weniger Nahrung

Bernd Olligs spricht damit ein großes Problem an. Seit Jahren ist die Anzahl der Vögel und Insekten rückläufig. Die Landwirtschaft trifft eine Teilschuld: „Weiden, Wiesen und Äcker werden von überdüngten, gleichförmigen Monokulturen verdrängt“, meint Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. Die Pflanzenvielfalt fehlt, Bienen und andere Insekten finden so weniger Nahrung und Lebensraum. Der unsachgemäße Einsatz von Pestiziden, wie beispielsweise Glyphosat, schadet der Natur ebenfalls, informiert der BUND: „Glyphosat trägt maßgeblich zum Artensterben in der Agrarlandschaft bei.“ Der Rückgang der Insekten hat weitreichende Folgen. Knapp 80 Prozent der Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung angewiesen. Sterben Biene, Schmetterling und Co., gibt es weniger (bezahlbare) Lebensmittel. Gerade in Zeiten des rapiden Bevölkerungswachstums ist das eine gefährliche Entwicklung.

ForwardFarming

Die Landwirte müssen also handeln. „Das Problem ist, dass viele Verbraucher nachhaltige Landwirtschaft nur mit der ökologischen Landwirtschaft in Verbindung bringen“, glaubt Olligs. Aber der Bio-Anbau sei nicht für jeden Hof geeignet. Passende Voraussetzungen und auch entsprechende Marketingstrukturen müssten dafür vorhanden sein. Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, setzt man beim Damianshof daher nicht auf Ökolandbau, sondern auf innovative Methoden. Dafür arbeitet Olligs mit dem Saatgut- und Agrarunternehmen Bayer zusammen. Der Konzern hat die Probleme der Landwirtschaft nämlich ebenfalls erkannt und das ForwardFarming-Programm ins Leben gerufen.

Zwölf landwirtschaftliche Versuchsbetriebe in der ganzen Welt arbeiten derzeit im ForwardFarming-Programm mit. Dort werden verschiedene Maßnahmen zum Erosionsschutz, Wasserschutz sowie zur Erhaltung der Biodiversität ausprobiert. Auch die digitale Technik kommt zum Einsatz. Zum Beispiel überprüfen Drohnen das ganze Feld, Probleme durch Unkraut oder Schädlinge können dann ganz gezielt angegangen werden. Ein großflächiger Einsatz von Pestiziden wird so verhindert. Auch mit Satelliten kann die Gesundheit der Pflanzen mittlerweile überwacht werden. 

Gemeinsam mit Landwirten, Stiftungen und der Forschung will Bayer auf die Art Lösungen entwickeln und Nachhaltigkeit mit wirtschaftlichem Erfolg verknüpfen. „Unser Ziel ist es, die Landwirte mit maßgeschneiderten und nachhaltigen agronomischen Empfehlungen dabei zu unterstützen, ihre Ernteerträge zu verbessern“, heißt es von Bayer CropScience.

Maßnahmen für die Umwelt

Auf dem Damianshof werden einige dieser Maßnahmen umgesetzt. Die Traktoren von Olligs sind alle mit einem Parallelfahrsystem ausgestattet, das per GPS gesteuert wird. Dadurch werden exakte Fahrten und damit die genaue Aussaat ermöglicht; Dünger und Pestizide können besser aufgebracht werden, erklärt der Landwirt: „Früher wurde an einzelnen Stellen doppelt gespritzt. Durch das GPS-System kann man das genau kontrollieren. So kann ich auch die benötigte Menge des Pflanzenschutzmittels besser einschätzen und entsprechend anrühren.“ Das schone die Umwelt und erleichtere die Arbeit.

Bernd Olligs erläutert den gezielten Einsatz von Pestiziden.
Bernd Olligs erläutert den gezielten Einsatz von Pestiziden.

Was passiert, wenn er auf Pflanzenschutzmittel verzichtet, demonstriert Olligs auf kleinen Versuchsfeldstreifen, auf denen er zum Beispiel negative Folgen von Schädlingserkrankungen aufzeigt. So hängt über einer dieser Parzellen ein starker Fischgeruch. Der dort angebaute Weizen ist von einem Pilz befallen. Dagegen helfen sogenannte Fungizide. Die wendet man bereits im Vorfeld an, erklärt Olligs. Pestizide müsse man aber gezielt und vor allem „gekonnt“ nutzen: „Wenn man Pflanzenschutz richtig und verantwortungsvoll einsetzt, steigert man so den Ertrag.“ In seinen Händen hält er Weizen aus zwei verschiedenen Anbauarten. Die Körner, bei denen der Landwirt mit Pestiziden gearbeitet hat, sind größer als die Unbehandelten. Mehr als doppelt so viel Ernte konnte er so erwirtschaften. 

Mit Pflanzenschutz ist es wie beim Arzt.

„Wir Landwirte müssen an unsere Existenz aber auch an die Verantwortung unserer nächsten Generation gegenüber denken“, findet der Rommerskirchener. Beim Einsatz von Pestiziden sei daher ein verantwortungsvoller Umgang besonders wichtig: „Mit Pflanzenschutz ist es wie beim Arzt. Die richtigen Mittel zur richtigen Zeit helfen.“ Die Landwirtschaft müsse sich aber in allen Bereichen stetig verbessern: „Forschungsdrang und ein gemeinsamer Austausch untereinander, das ist das, was uns in Zukunft weiterbringt.“

Weitere Umweltschutzmaßnahmen auf dem Damianshof

Gewässerschutz:
Zum Reinigen der Pflanzenschutzspritze nutzt Bernd Olligs das „Phytobac“: Durch ein Rohrsystem wird das Reinigungswasser in Tanks geleitet. Von da aus fließt es in wasserdichte Wannen, die mit einem Substrat aus Erde und Stroh befüllt sind und wird dort verrieselt. Mikroorganismen bauen Pestizidreste ab und das gereinigte Wasser verdunstet. Restrückstände von Pflanzenschutzmitteln gelangen so nicht in das Oberflächenwasser.

Bernd Olligs erklärt "Phytobac"

Erosionsschutz:
Auf dem Damianshof wird so wenig wie möglich gepflügt, damit die Nährstoffe im Boden bleiben und Bodenlebewesen genug Nahrung finden. Zudem nutzt Olligs beim Kartoffelanbau sogenannte Querdammhäufler: Große, an der Kartoffelpflanzmaschine befestigte Schaufeln werfen Erdwälle auf. Die so entstanden Furchen vermindern das Erosionsrisiko, Wasser kann besser aufgenommen werden.

Anbau verschiedener Kulturen:
Durch eine saubere Fruchtfolge lassen sich Unkrautdynamiken besser kontrollieren. Deswegen baut Bernd Olligs abwechselnd Sommerungen (Zuckerrüben und Kartoffeln) und Winterungen (Winterweizen, Winterraps und Wintergerste) an. Zwischenfrüchte werden gezielt vor den Sommerungen angebaut, die den Boden vor Erosion schützen und Nährstoffverlagerungen in das Grundwasser verhindern.

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Quelle: UmweltDialog
 

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