09.12.2019
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02.12.2009

Mobilität

Linde und Daimler entwickeln gemeinsame Wasserstoffzukunft

Leben und Arbeiten findet für die meisten EU-Bürger in den Städten statt: 85 Prozent des Bruttoinlandsproduktes wird hier erwirtschaftet. Davon bleibt auch der Straßenverkehr nicht unberührt. Nach Schätzungen der EU-Kommission verursachen alleine städtische Staus einen jährlichen wirtschaftlichen Schaden von 100 Milliarden Euro. Hinzukommen erhebliche Umweltbelastungen durch Partikel und Abgase. Immer mehr Städte reglementieren daher den Zugang zu ihren Zentren durch Umweltzonen mit strengen Emissionsauflagen. Eine Lösung könnte hier in der Zukunft „H2Mobility“ heißen: Das Projekt will Möglichkeiten für den Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur zur Versorgung mit Wasserstoff in Deutschland prüfen, um die Serienfertigung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzelle voranzutreiben.

Initiative "H2-Mobility", Foto: Daimler
Initiative "H2-Mobility", Foto: Daimler
Wasserstoff tanken und so CO2-frei fahren? Das wäre ein großer Schritt für den Klimaschutz, doch noch fehlt es an serienreifen Auto-Modellen, einem Tankstellennetz. Das Thema Infrastruktur und damit die Idee einer „Wasserstoff-Autobahn“ verfolgt man beim Gasekonzern The Linde Group schon seit einigen Jahren. Der Grundgedanke: Wenn eines Tages das Öl zur Neige geht, wird die Welt einen anderen Antrieb brauchen, um mobil zu bleiben. Wasserstoff wäre eine umweltfreundliche und vor allem schier unendliche Alternative. Linde als Produzent von Wasserstoff erhofft sich entsprechende Geschäftspotenziale und ist hier Vorreiter, betonte Konzernchef Wolfgang Reizle bereits 2005 in einem Interview mit der Tageszeitung „Welt“. Jetzt sind die Münchener ihrem Ziel einen erheblichen Schritt näher gekommen: In Berlin unterzeichneten Linde, Daimler, Shell, Total und vier weitere Firmen mit dem Bundesverkehrsministerium eine Absichtserklärung mit dem Titel „H2Mobility“, wonach sie gemeinsam wichtige Weichen bis zum Jahr 2015 stellen wollen. Der scheidende Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sprach wortgewaltig von einem „kleinen Papier und einem großen Schritt“. Fakt ist: In den letzten Jahren sind in Deutschland bei der Entwicklung von wasserstoffbasierten Technologien für den Transportsektor erhebliche Fortschritte gemacht worden, wodurch Deutschland innerhalb von Europa als potenzieller Leitmarkt für emissionsfreie Mobilität identifiziert worden ist.

Was sieht „H2Mobility“ vor? In zwei Phasen sollen in den nächsten fünf Jahren sowohl auf Seiten der Tankstellen-Infrastruktur als auch bei den Fahrzeug-Modellen entsprechende Grundlagen für einen Masseneinsatz geschaffen werden. Tiefensee sagte dazu: „Unser Ziel ist der Aufbau einer möglichst flächendeckenden Versorgung mit Wasserstoff in Deutschland, um 2015 die serienmäßige Einführung von Brennstoffzellenfahrzeugen zu ermöglichen."

Positive Impulse für die gesamte Branche

Ulf Groos vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg begrüßt die „erfrischend klaren Statements“ zur mobilen Nutzung der Brennstoffzelle. „Die Brennstoffzelle ist wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt - davon profitieren auch die stationären und portablen Anwendungen der Technologie“, sagt er. Außerdem kann er sich vorstellen, dass der geplante Infrastrukturaufbau Wasserstoff insgesamt verfügbarer macht. „Durch die Wasserstofftankstellen werden der Aufwand zur Wiederbefüllung der Wasserstoffkartuschen und die heute noch hohen Logistikkosten geringer. Das macht die Brennstoffzelle in vielen Anwendungen noch attraktiver, seien es Gabelstapler, Notstromversorgungen oder Brennstoffzellen-Fahrräder,“ meint er.


Wasserstoff-Tankstelle, Foto: Linde
Wasserstoff-Tankstelle, Foto: Linde
H2-Tankstellen in Ballungszentren

In Phase I sollen verschiedene Optionen für den bundesweiten Aufbau eines Wasserstofftankstellennetzes sowie die Entwicklung eines gemeinsamen, wirtschaftlich tragfähigen Geschäftskonzeptes untersucht werden. Hinzu kommt der Aufbau von neuen, zusätzlichen Wasserstofftankstellen. Erste Zentren in Ballungsräumen wie Berlin und Hamburg haben sich bereits etabliert. Von den zurzeit knapp 30 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland sind sieben in einem öffentlichen Tankstellenbetrieb integriert. Bereits fünf bis zehn Tankstellen sind für eine erste Abdeckung einer Großstadt ausreichend. Verbindet man diese urbanen Zentren - wie etwa Berlin und Hamburg - mit Korridoren auf den Hauptverkehrsadern, sind die wesentlichen Voraussetzungen für einen flächendeckenden Ausbau geschaffen.

Linde-Vorstand Wolfgang Reitzle sagte dazu: „Mit diesem gemeinsamen Bekenntnis zur Mobilität auf der Basis von Wasserstoff stellen wir die Weichen für eine emissionsarme und umweltfreundliche Zukunft. Wir sehen uns als Vorreiter für die Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie und werden alles dafür tun, diesen Anspruch mit unseren Leistungen in den Bereichen Produktion, Speicherung, Distribution und Betankungstechnologie nachhaltig zu erfüllen."

Daimler verspricht serienreife Fahrzeuge

Sollte sich das Geschäftskonzept für alle Beteiligten positiv entwickeln, werden die Partner in Phase II einen entsprechenden Aktionsplan umsetzen. Ziel dieses Aktionsplans wird es sein, den bundesweiten Ausbau eines Wasserstofftankstellennetzes fortzusetzen, um die ab etwa 2015 vorgesehene Kommerzialisierung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb zu flankieren.

Daimler hat bisher mehr als eine Milliarde Euro in die Brennstoffzellen-Entwicklung investiert und verfügt heute über eine der größten Brennstoffzellen-Fahrzeugflotten aus PKW und Bussen weltweit. Derzeit sind im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP) in Berlin und Hamburg aber erst 40 Wasserstofffahrzeuge im täglichen Einsatz. Die Kleinserienproduktion der B-Klasse F-CELL startet allerdings bereits Ende 2009. Der erste Prototyp der neuen Generation von Brennstoffzellenbussen wird ebenfalls in diesem Jahr vorgestellt.

Was wird die Wasserstoff-Mobilität kosten?

Für die Entwicklungsphase von „H2Mobility“ rechnen sowohl die Projektbeteiligten als auch externe Beobachter mit erheblichen Kosten. Doch im Gespräch mit Fachjournalisten im Anschluss an die Präsentation von „H2Mobility“ versprach Linde-Chef Reitzle langfristig drastisch sinkende Kosten: Mögen die ersten 1.000 Tankstellen noch 1,5 bis zwei Milliarden Euro kosten, so werden laut Reitzle die nächsten 1.000 nur 700 Millionen Euro veranschlagen. Reitzle sagte gegenüber der AutoScout24-Redaktion, dass „alles lösbar ist und aus heutiger Sicht noch unglaubliche Dinge erfunden werden“.  

Und die Kosten für Wasserstoff als Treibstoff? Bei den derzeitigen Prototypen liegen die Kosten je 100 gefahrener Kilometer bei etwa acht Euro. Für die Zukunft rechnet man bei Linde sogar mit sinkenden Preisen, da die Herstellung von Wasserstoff nicht den gleichen Marktgesetzen wie Erdöl unterliegt und somit etwa preistreibende Spekulationen ausbleiben dürften. Derzeit synthetisiert die Linde AG Wasserstoff in größeren Mengen noch aus Erdgas. In einer ganzheitlichen Well-to-Wheel-Bilanz bedeutet dies im Vergleich zu Dieseltreibstoff eine CO2-Reduktion um gut 30 Prozent. Noch klimafreundlicher ist die Produktion von Wasserstoff aus Biomasse. „Die Nutzung biogener Rohstoffe bietet vielversprechende Möglichkeiten für eine nachhaltige und zugleich wirtschaftliche Wasserstoffproduktion", sagt Linde-Vorstandsmitglied Aldo Belloni. „Mit diesem innovativen und geschützten Verfahren ist uns ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer emissionsarmen Energieversorgung mit Wasserstoff gelungen."
Quelle: UD
 

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