Innovation & Forschung

Evonik restauriert Reifen

Risse, Spurrinnen und Schlaglöcher – viele Straßen haben ihre besten Tage hinter sich. Die Ursachen dafür: Extreme Witterungsverhältnisse und wenige Investitionen in den Erhalt der Fahrbahnen. Hochwertige Rohstoffe für den Straßenbau müssen her. Ein interessanter Lösungsansatz dafür kommt vom Essener Chemiekonzern Evonik.

15.03.2019

Evonik restauriert Reifen

Zugeschneite Orte, extreme Glätte und Schneemassen, die den Regionalverkehr lahmlegten. Der Winter hat sich zum Jahresbeginn, insbesondere im Süden des Landes, von seiner extremen Seite gezeigt. Doch die Auswirkungen von Frost und Glätte kriegten nicht nur wir zu spüren. Die Straßen hierzulande sind einer stetigen Schädigung durch das Wetter ausgesetzt. Dabei ist ein guter Zustand von kommunalen Fahrbahnen wichtig für den Personen- und Gütertransport. Insbesondere ländliche Dörfer und Gemeinden sind auf sie angewiesen. Ihr Zustand ist jedoch laut dem ADAC verbesserungswürdig: „Die kommunalen Straßen machen über 62 Prozent des Straßennetzes aus. Sie sind daher wesentlich für die Mobilität in Deutschland. Ihr Erhaltungszustand wird aufgrund fehlender Finanzmittel jedoch immer kritischer.“ 

Wie wenig in die Straßenerhaltung investiert wurde zeigen Zahlen des Deutschen Instituts für Urbanistik. Dies ermittelte für den Zeitraum von 2006 bis 2020 einen kommunalen Investitionsbedarf zur Straßenerhaltung von insgesamt 704 Milliarden Euro. „Das entspricht jährlichen Investitionen von etwa 47 Milliarden Euro – Deutschland lag in den vergangenen Jahren mit seinen Ausgaben für die Infrastruktur weit dahinter“, erklärt der Deutsche Asphaltverband dazu. Die Folgen: Ein stetiger Wertverlust der Straßen. „Wird nicht oder nicht ausreichend in die Erhaltung investiert, schreitet der Verfall umso schneller voran“, warnt der ADAC. „Schlecht gepflegte Straßen stellen ein Verkehrssicherheitsrisiko dar und führen zu Sachschäden, schlimmstenfalls zu Personenschäden.“

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Aus alt mach neu

Doch wie bleiben Straßen gut erhalten? Besonders wichtig sind dabei qualitativ hochwertige Straßenbaustoffe – vor allem zur Vermeidung von Spurrinnen und Rissen. Der Spezialchemiekonzern Evonik hat dazu einen innovativen Lösungsansatz. Das Unternehmen entwickelte VESTENAMER, ein Prozesshilfsmittel für die Gummi- und Bauindustrie. Dies ermöglicht die Herstellung von Gummimehl aus alten Autoreifen, das wiederum zu einem gummihaltigen Asphalt weiterverarbeitet werden kann. Der neugewonnene Werkstoff wird dann Straßenbaubitumen oder -asphalten beigemischt.

In den USA sind gummihaltige Asphaltmischungen bereits seit vielen Jahren etabliert. „Seit einigen Jahren wächst auch in Europa der Markt für elastomermodifizierten, also gummihaltigen, Straßenbelag“, erklärt Frank Lindner, Senior Business Manager für VESTENAMER. Mehrere Studien ergaben: Gummihaltige Asphaltmischungen haben dort zu einer deutlichen Verbesserung der Langlebigkeit von Straßen geführt. „Die positiven Eigenschaften sind offensichtlich, denn die Rissanfälligkeit der Straßendecke, Spurrinnen- und Schlaglochbildung werden erheblich vermindert – und die Nutzungsdauer damit verlängert“, bestätigt Lindner.

Altreifen auf einem Haufen

Recycling von Altreifen 

Neben der erhöhten Langlebigkeit von Straßen leistet Evonik mit VESTENAMER einen erheblichen Beitrag zum Reifen-Recycling. Nach Angaben des Konzerns fallen jährlich etwa 19,3 Millionen Tonnen davon an – in Europa allein 3,6 Millionen Tonnen. Umso wichtiger ist eine ökologische Nutzung der ausrangierten Reifen: „Mit der Wiederverwertung gebrauchter Autoreifen werden wertvolle Ressourcen gesichert“, so Thomas Engenhorst, Manager Sustainability Strategy im Segment Ressource Efficiency von Evonik. „Die Reifen werden nicht als Abfall klassifiziert, sondern sind immer noch Wertstoff, der zum Beispiel auch nicht deponiert werden darf. Statt die Reifen zu verbrennen, haben sie einen weiteren Lebensabschnitt im Straßenverkehr vor sich.“

Für mehr Kuh-Komfort

Mit VESTENAMER ermöglicht Evonik nicht nur die Verarbeitung von Altreifen für den Straßenbau. Aus dem Gummi stellen die Essener unter anderem auch sogenannte Kuh-Matratzen her. Das Besondere: Je höher das Wohlbefinden des Tieres ist, desto höher ist die Milchproduktion. „Im Liegen steigt der Blutfluss zur Milchdrüse um bis zu 30 Prozent und ermöglicht eine erhöhte Milchsynthese“, erklärt Dr. Winfried Heimbeck, Experte für Ruminant Nutrition bei Evonik. „Verlängert man die Liegezeit einer Kuh um eine Stunde, kann sie bis zu 1,5 Kilogramm mehr Milch am Tag produzieren.“ Dafür sorgen die Kuh-Matratzen: Sie verbessern den Liegekomfort der Tiere, beugen Verletzungen an den Sprunggelenken vor und wirken wärmedämmend.

Eine ökologisch runde Sache

Eine von den Essenern in Auftrag gegebene Studie vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg ergab: Pro Tonne eingesetztem Gummimehl werden bei der Wiederverwertung alter Reifen rund 2,7 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Diese würden ansonsten bei der Verbrennung der Reifen freigesetzt. Zusätzlich fallen die Emissionen bei gummihaltigen Straßendecken von flüchtigen und schwerflüchtigen Verbindungen, beispielsweise von Kohlenwasserstoffen und Schwefelverbindungen, geringer aus. Außerdem reduziert VESTENAMER die Menge von organischen Verbindungen, die durch Regen ausgewaschen werden und so ins Grundwasser gelangen. Das Resultat: eine geringere Gesamtbelastung des Grundwassers.

Quelle: UmweltDialog
 

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