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22.06.2015

Finanzen

Wohnungsbau nachhaltig refinanzieren

Mitte Mai wurde die Münchener Hypothekenbank eG erneut für den weltweit ersten nachhaltigen Hypothekenpfandbrief (ESG Pfandbrief) ausgezeichnet, den sie im Herbst 2014 emittiert hatte. Auf den „Covered Bond Report Awards for Excellence 2015“ setzte sie sich in der Kategorie „Innovation“ durch. Die Jury würdigte mit der Auszeichnung die Vorreiterrolle der MünchenerHyp bei der Entwicklung eines Marktes für nachhaltige gedeckte Schuldverschreibungen. Mit den Emissions-Erlösen der Anleihe werden bereits gewährte Darlehen an 200 genossenschaftliche Wohnungsbaugesellschaften in Deutschland refinanziert.

Wohnungsbau nachhaltig refinanzieren zoom

Nachhaltige Geldanlagen liegen im Trend. So hat sich alleine in Deutschland das Marktvolumen von fünf Milliarden Euro im Jahr 2004 auf knapp 128 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gesteigert, wie Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) berichtet. Der Begriff der nachhaltigen Geldanlagen bezieht sich dabei auf alle Investments und Anlageprozesse, die in ihrer Finanzanalyse nicht nur die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit berücksichtigen, sondern auch den Einfluss von ESG (Umwelt, Soziales und Governance)-Faktoren bewerten.

Dabei schließt die Anlagepolitik nachhaltiger Investments von vornherein bestimmte Branchen, Unternehmen und Staaten aus dem Analgenuniversum aus, die die ESG-Kriterien nicht erfüllen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen. Zu den ausgeschlossenen Sektoren gehören etwa die Tabak-, Waffen- oder Alkoholbranche, oder Unternehmen, die Tierversuche durchführen, ökologisch bedenkliche Produkte anbieten oder beispielsweise Kinderarbeit in ihrer Lieferkette nicht ausschließen können.

ESG Pfandbrief

Nachhaltige Geldanlagen beinhalten auch „grüne“ und „soziale“ Unternehmensanleihen, durch deren Erlöse Firmen umweltbezogene oder soziale Projekte finanzieren: „In Deutschland gehört die Münchener Hypothekenbank mir ihrem ESG Pfandbrief zu den Pionieren bei der Emission dieser zweckgebundenen Anleihen“, erklärt die Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research. Diese hat die Emission des ESG Pfandbriefs als unabhängiger Gutachter begleitet („Second Party Opinion“), indem sie die Bank bei der Konzeption der Anleihe unterstützt und die entsprechende Verwendung der Mittel überprüft hat. Der nachhaltige Mehrwert der Anleihe ist damit garantiert und entspricht den hohen Qualitätsanforderungen nachhaltigkeitsbezogener Investoren.

Als erster Pfandbrief weltweit, dessen Deckungswerte nach ökologischen, sozialen und politisch-gesellschaftlichen Kriterien zusammengesetzt sind, war sein Emissionsvolumen von 300 Millionen Euro um das 1,6-fache überzeichnet. Die größte Nachfrage kam dabei aus Deutschland: „Wir freuen uns über die ausgesprochen positive Resonanz, die unsere Debütemission gefunden hat“, sagt Dr. Louis Hagen, Vorstandssprecher der MünchenerHyp. „Zugleich zeigt sie, welche große Bedeutung Nachhaltigkeit für die Investoren bereits heute am Kapitalmarkt besitzt.“ Demzufolge werde auch dieses Jahr der Markt für nachhaltige Wertpapiere weiter wachsen.

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Die steigende Nachfrage war aber nicht der einzige Grund, warum die MünchenerHyp den ESG Pfandbrief eingeführt hat: „Als genossenschaftlich organisierte Hypothekenbank sehen wir es als unsere Pflicht an, nachhaltige Geldanleihen für den Wohnungsmarkt anzubieten, die einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten“, sagt Dr. Patrick Wellas, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei der MünchenerHyp.

Nachhaltigkeitsperformance: Soziale Aspekte

Die MünchenerHyp hat sich bei der Konzeption und dem Emissions-Prozess des Pfandbriefs an den Green Bond Principles orientiert. Diese freiwilligen Leitlinien sollen dazu beitragen, sowohl die Integrität des schnell wachsenden Marktes für nachhaltige Anleihen als auch die Transparenz für Investoren zu gewährleisten. Dementsprechend entwerfen die Prinzipien Verfahrensweisen für die Projektauswahl, Allokation, Verwaltung und Berichterstattung über die Verwendung der Emissions-Erlöse und die Projektumsetzung.

Aus Nachhaltigkeitssicht liegt der Schwerpunkt dieser Anleihe auf sozialen Aspekten, weil die refinanzierten Darlehen den genossenschaftlichen Wohnungsbau fördern. Wohnungsbaugenossenschaften haben in ihren Satzungen verankert, ihren Mitgliedern sichere und sozial verträgliche Wohnungen bereitzustellen. Wohnungsspekulationen und Profitorientierung sind ausgeschlossen. Berechnet auf Basis der Werte der zehn Wohnungsbaugenossenschaften mit den höchsten MüchenerHyp-Finanzierungsvolumina sind die genossenschaftlichen Durchschnittsmieten mit 5,32 €/m² im Vergleich zu den durchschnittlichen Mietspiegeln der jeweiligen Regionen mit 6,73 €/m² deutlich niedriger.

Zudem gewähren Wohnungsbaugenossenschaften dauerhaftes Wohnrecht und schaffen demokratische Strukturen. So haben alle Mitglieder unabhängig der erworbenen Anzahl der Mitgliedsanteile nur eine Stimme. Dementsprechend kann keines der Mitglieder dominieren und beispielsweise eine renditeorientierte Wohnungspolitik durchsetzen.

Nachhaltigkeitsperformance: Ökonomie und Ökologie

Die MünchenerHyp ist Partner der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Ihre Kerngeschäftsfelder sind private und gewerbliche Immobilienfinanzierungen. Als Emittentin von Hypotheken- und Öffentlichen Pfandbriefen verfolgt sie eine langfristige, risikoarme Geschäftspolitik: „Pfandbriefe sind besonders sichere und hochliquide Refinanzierungsinstrumente. Es ist noch nie ein deutscher Pfandbrief ausgefallen“, erklärt Wellas. Auch die Refinanzierung der Wohnungsbaugenossenschaften über den ESG Pfandbrief ist für die Investoren ein risikoarmes Geschäft. So besitzen alle geförderten Organisationen eine hohe Eigenkapitalquote und die Leerstandquote der Wohnungen liegt mit 1,15 Prozent deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 3,3 Prozent.

Ihrem Selbstverständnis nach ökologisch verantwortlich zu handeln, investieren die Wohnungsgenossenschaften in Instandhaltung, Modernisierungen und Sanierungen der Gebäude. Dabei spielen energetische Maßnahmen wie Heizungsanpassungen, Fassadendämmung, Nutzung regenerativer Energiequellen wie Solarthermie oder Photovoltaik eine entscheidende Rolle. Knapp 14 Prozent des Finanzierungsvolumens des Pfandbriefs entfällt auf KfW-Kredite, durch die der Großteil dieser Maßnahmen finanziert wird. Bei Neubauten wird von Beginn an auf Umwelt- und Klimaschutz geachtet, indem etwa zur Energiegewinnung Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Koppelung installiert werden.

Der ESG-Pfandbrief hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Für die Zukunft plant die MünchenerHyp weitere Finanzierungen von Wohnungsbaugenossenschaften in Höhe von 50 bis 100 Millionen Euro pro Jahr mittels dieser Anleihen. Dabei sollen ökologische Kriterien wie hohe Energiestandards eine noch stärkere Berücksichtigung finden, sodass letztlich geringere Energieverbräuche finanzschwächere Mieter weiter entlasten.

Quelle: UmweltDialog
 

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