10.12.2018

05.12.2018

Klimawandel

Der Wald als Klimaschützer

Der jüngste Klimabericht hat weltweit für Aufregung gesorgt. Die Autoren rufen zu sofortigen Maßnahmen auf, um die Auswirkungen des Klimawandels so weit wie noch möglich einzudämmen. Der Klimabericht zeigt: Wir stehen an einem kritischen Punkt für die Zukunft unseres Planeten. In Kattowitz (Polen) findet gerade der diesjährige Klimagipfel statt, auf der die am Pariser Klimaabkommen beteiligten Nationen Lösungen gegen den voranschreitenden Klimawandel beschließen wollen.

Der Wald als Klimaschützer

Bereits heute leiden vor allem die schutzbedürftigsten Menschen der Welt, wie Landwirte und ärmere ländliche Bevölkerungsgruppen, unter den Folgen des Klimawandels. Laut dem jüngsten Klimabericht manifestiert er sich in Form von immer extremer werdenden Wetterereignissen wie Hurrikanen, Überschwemmungen, Dürren, Waldbränden; und er wird sich immer stärker zeigen. Die Klimaschutzziele wurden bisher nicht erreicht, sodass alternative Lösungsansätze bzw. das Ausschöpfen ungenutzter Potenziale zwingend erforderlich sind. 

Der Wald ist eine leistungsfähige und effiziente Klimaschutzmaßnahme

Rund 71 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen stammen von nur 100 Produzenten fossiler Brennstoffe. Der internationale Fokus auf die Reduzierung dieser Emissionen hat der leistungsstärksten und kosteneffizientesten Lösung bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen: dem Wald. Er kann die Auswirkungen des Klimawandels mindern. Klimasmarte Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Rekultivierung degradierter Landflächen und nachhaltige Gemeindeforstwirtschaft sind Hebel, um natürliche Kohlenstoffspeicher zu schützen und auszubauen.

Bäume nehmen bereits beim Wachstum Kohlendioxid auf und speichern es. Ein durchschnittlicher Baum kann etwa 21 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr speichern. Wälder sind demnach eine unerlässliche Klimaschutzmaßnahme und ihr Potenzial ist bisher weitgehend ungenutzt. Intakte Wälder sind in der Lage, Kohlendioxid-Äquivalente ganzer Länder wie Peru oder Kolumbien zu speichern. Hinzu kommt, dass sie Sauerstoff produzieren, Wasser filtern und einen wichtigen Lebensraum für eine große Artenvielfalt darstellen. Weltweit sind rund 1,6 Milliarden Menschen für ihren Lebensunterhalt auf Wälder angewiesen.

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Mangelnde Aufmerksamkeit für Wälder schadet Mensch und Natur

Bisher wird eher auf technische und/oder politische Lösungen gesetzt,wenn es darum geht, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren und CO2-Emissionen zu senken. Das Pariser Abkommen wurde von insgesamt 181 Nationen unterzeichnet. Es beinhaltet festgelegte Maßnahmen zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen. Jedoch reichen diese Maßnahmen und weitere bisherige Lösungsansätze nicht aus.

Natürlichen Klimalösungen kommen lediglich 2,5 Prozent der öffentlichen Klimafinanzierung zugute, obwohl sie in der Lage sind, uns unserem Klimaziel rund 37 Prozent näher zu bringen. Weltweit schreitet die Abholzung voran. Sie ist meist vom Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen getrieben, die eine nur geringe Menge an Rohstoffen hervorbringen. Trotz dem Null-Abholzungs-Bekenntnis vieler Regierungen und Unternehmen, die diese Rohstoffe für die Herstellung ihrer Produkte benötigen, müssen wir noch aktiver werden, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern.

Cajola, Guatemala landscape

Aufforstung und nachhaltige Bewirtschaftung sind notwendige Alternativen

Investitionen in Wälder müssen steigen. Politische Entscheidungsträger und Wirtschaftsführer sollten ehrgeizige Strategien und Anreize schaffen und durchsetzen – um Abholzung zu verhindern, die Wiederaufforstung degradierter Flächen zu fördern und die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. In Produktionslandschaften, in denen großflächige Baumbedeckungen schwierig sind, stellt die Agroforstwirtschaft einen attraktiven Kompromiss dar. Es wird geschätzt, dass erhöhte Investitionen in das Agroforstgebiet dazu beitragen könnten, bis zu 9,28 Gigatonnen Kohlendioxid zu binden und bis 2050 netto 709,8 Milliarden Dollar einzusparen.

In weniger entwickelten, ländlichen Gebieten – insbesondere in den Tropen – können nachhaltige Forstwirtschaftsprogramme Wege aus der Armut aufzeigen. In der Region Petén in Guatemala beispielsweise haben die von der Gemeinde verwalteten Wälder in den letzten vierzehn Jahren eine Abholzungsrate von fast null erreicht, verglichen mit 12 Prozent in nahegelegenen Schutzgebieten und Pufferzonen. Diese Gemeinschaften haben umweltfreundliche, nachhaltige Forstunternehmen aufgebaut. Das hat die Wirtschaft der Region finanziell so weit gestärkt, dass lokale Schulen und Gesundheitsdienste eingerichtet werden konnten. Der Erfolg von Forstwirtschaftsprogrammen ist besonders ausgeprägt in dieser Region, die ansonsten stark von Abholzung betroffen ist. Die Raten sind außerhalb der von der Gemeinde verwalteten Zonen zwanzigmal höher.

Handeln statt reden

Tropengebieten kommt eine besondere Bedeutung zu. Vor allem dort sind gemeindebasierte Forstprogramme nötig, um dem Problem der Abholzung zu begegnen. Die Wiederaufforstung tropischer Wälder könnte laut der Internationalen Union für Naturschutz bis zu 1,7 Gigatonnen Kohlendioxid pro Jahr absorbieren. 

Nicht erst im Rahmen des jährlichen Klimagipfels wird klar: Es ist Zeit für konkrete Maßnahmen in Sachen Klimaschutz. Konkrete Maßnahmen, die natürliche Klimaschutzlösungen fokussieren. Politik und Wirtschaft sollten genau jetzt ihre Investitionen in bewährte, natürliche Schutzmaßnahmen deutlich erhöhen und so zu Klimagewinnen beitragen. Wir brauchen nachhaltige Landwirtschaft, zertifizierte Kulturen, mehr Bäume im Boden, weitere Aufforstungsprojekte und vor allem eine nachhaltigere Forstwirtschaft. Warum? Weil wir es uns nicht leisten können, zu warten!

Quelle: UD/pm
 

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