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22.07.2014

Initiativen

Global Compact in Deutschland

Das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) ist mit über 200 Mitgliedern heute eine feste Größe in der deutschen CSR Landschaft. Mit eigenen Themenschwerpunkten sowie künftig stärkerem politischen Auftreten will das Netzwerk für seine Anliegen werben. Welche Akzente sind zu erwarten? Wie schätzen die Verantwortlichen das aktuelle politische Umfeld ein? Und wie wird intern mit wachsenden Teilnehmerzahlen und Kommunikationsproblemen mit der New Yorker Zentrale umgegangen? Wir sprachen darüber mit den Lenkungskreismitgliedern Katharina Riese, Mathias John und Klaus Milke.

Global Compact in Deutschland zoom
Arbeitstreffen des Deutschen Global Compact Netzwerkes (DGCN) in Berlin

Zunächst einmal Gratulation, Frau Riese, zur Wahl als Mitglied im DGCN-Lenkungskreis. Sie sind – anders als Mathias John und Klaus Milke – neu im Gremium.
Was hat Sie persönlich zur Kandidatur bewogen?


Katharina Riese: Nachhaltige Entwicklung kann nicht alleine durch einen Akteur erreicht werden. Meiner Meinung nach sind gemeinsame Lösungen und Kooperationen essentiell, um den Herausforderungen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung zu begegnen. Der UN Global Compact ist eine zentrale Plattform, um voneinander zu lernen, um Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Akteuren einzugehen und so gemeinsame Ziele zu erreichen. Diesen Prozess möchte ich gerne mitgestalten.

Mit weit über 200 Mitgliedern hat das Netzwerk einen ganz anderen Charakter als noch vor ein paar Jahren. Hat das Einfluss auf die Art, wie die Teilnehmer angesprochen und eingebunden werden?

Katharina Riese: Die Entwicklung des Deutschen Global Compact Netzwerks habe ich aktiv seit vier Jahren mitverfolgen können, zuvor nur als interessierte Beobachterin von außen. Aber bereits in diesen vier Jahren habe ich spannende Neuerungen wahrnehmen können. Das Angebot hat sich über die Zeit deutlich erweitert. Die Teilnehmer werden dabei meiner Einschätzung nach weiterhin ebenso persönlich und individuell betreut, wie man es gewohnt ist. Indem immer neue Mitglieder dem Netzwerk beigetreten sind, haben sich natürlich auch die Interessen und Erwartungen geändert und sind weiter gestreut. Das Deutsche Global Compact Netzwerk hat es immer gut verstanden, diese zu erkennen und in ihrer Arbeit umzusetzen.

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Der Lenkungskreis setzt traditionell Themenschwerpunkte innerhalb des Netzwerkes. Was steht 2014 an?

Klaus Milke: Der Lenkungskreis schlägt dem Deutschen Global Compact Netzwerk auch für 2014 erneut eine spannende Mischung aus bewährten Schwerpunkten und zusätzlichen wichtigen Themen vor. Wirtschaft und Menschenrechte sowie Korruptionsbekämpfung werden weiterhin im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen. Als große Herausforderungen sehen wir den Klimawandel und den „Post 2015“-Prozess bei den Vereinten Nationen, die sicher mit aufgegriffen werden müssen. Und auf der strukturell-organisatorischen Ebene wird sicherlich das Thema der Optimierung von Stakeholder-Dialogen fortgeführt, zu dem das letzte Arbeitstreffen im Oktober 2013 mit zwei Workshops einen ersten Aufschlag gemacht hat.

Katharina Riese: ...Außerdem sind kommendes Jahr verstärkt Aktivitäten zu den Themen Antikorruption, Umwelt und Klimawandel geplant. Auch hier finden natürlich die sich verändernden Rahmenbedingen und politische Entwicklungen Berücksichtigung – Stichwort Energiewende.

Herr John, seit einigen Jahren widmet sich das Deutsche Global Compact Netzwerk ausführlich dem Thema Menschenrechte. Sind Sie zufrieden?

Mathias John: Mir fällt da eine klassische Antwort ein: Im Prinzip ja, aber … Es gibt da sicher noch ein gerütteltes Volumen Luft nach oben. Aber ich bin beeindruckt, was das Deutsche Global Compact Netzwerk zu dem Thema bisher auf die Beine gestellt hat, ich denke, da sind deutsche Global Compact-Unternehmen in einer weltweiten Vorreiterrolle. Als Vertreter einer Menschenrechtsorganisation, die sich als „watchdog“ sieht, wünsche ich mir natürlich eine Verbreiterung der Basis bei der Bewusstseinsbildung und vor allem mehr Umsetzung der Menschenrechtsprinzipien im operativen Geschäft – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Compliance Assessments, Risikovorsorge und andere menschenrechtliche due diligence-Maßnahmen sind nicht in dem Maße umgesetzt, wie wir uns nach Verabschiedung der UN-Leitprinzipien erhofft hätten. Aber wir werden unsere Rolle wahrnehmen und ungeduldig weiter drängen, auch wenn uns natürlich die Hürden in den Unternehmen bewusst sind. Wichtig ist uns dabei aber auch, dass die Regierungen zu ihren Verpflichtungen stehen, und da hat gerade die Bundesregierung erheblichen Nachholbedarf!

Riese

Katharine Riese, Mitglied im Lenkungskreis des DGCN.

Milke

Klaus Milke, Mitglied im Lenkungskreis des DGCN.

John

Mathias John, Mitglied im Lenkungskreis des DGCN.


Neu eingeführt wird das Modell der Themenpatenschaft. Können Sie uns das näher erläutern?

Katharina Riese: Die Aktivitäten des Deutschen Global Compact Netzwerks konzentrieren sich – wie erläutert – jährlich auf Schwerpunktthemen. Zu diesen Themen werden beispielsweise Coachings für Unternehmen angeboten, es erfolgen Veröffentlichungen oder es gibt Fachvorträge. Für die geplanten Aktivitäten in einem Schwerpunktbereich steht jeweils ein Lenkungskreismitglied als sogenannter Themenpate zur Verfügung. Die Themenpaten stehen auf dem jeweiligen Gebiet als Experten unterstützend zur Verfügung.

Für die Vereinten Nationen sind der Post-2015 Prozess und ein über Kyoto hinaus gehendes globales Klimaregime von zentraler Bedeutung. Wie positionieren sich DGCN und Lenkungskreis hier?

Klaus Milke: Man kann davon ausgehen, dass alle am Global Compact beteiligten Unternehmen und Organisationen an globalen Nachhaltigkeitszielen und international verbindlichen Klimaschutzregelungen als Level Playing Field interessiert sind. Auf dem Weg dahin gibt es allerdings große Unterschiede. Insofern sind gemeinsame Positionierungen nicht einfach.

Katharina Riese: Die Unterstützung des Post-2015-Prozesses und die Stärkung des Beitrags von Unternehmen für eine nachhaltige Entwicklung sind prioritäre Aufgaben des UN Global Compact für die kommenden Jahre. Im Deutschen Global Compact Netzwerk sind bereits erste Initiativen gestartet worden, die wir in Zukunft noch vertiefen und konkretisieren wollen. Der Lenkungskreis wird diesen Prozess aktiv mitgestalten.

Herr Milke, der jüngste Klimagipfel in Warschau war enttäuschend. Was kann das DGCN machen, um Klimaschutz den nötigen Raum zu geben?

Klaus Milke: Es ist klar, dass auch die Wirtschaft gebraucht wird, um die Dynamik für eine Roadmap in Richtung des entscheidenden Klimagipfels in Paris 2015 zu entfachen. Pro-aktives Handeln – wie z.B. die deutsche Energiewende – ist dazu eine wichtige Unterstützung. Das deutsche Netzwerk wird darum vor allem die Energiewende als positives Projekt von deutschen Unternehmen in den Vordergrund rücken.

International scheitern derzeit fast alle Abkommen am fehlenden Willen zur multilateralen Zusammenarbeit. Wie stellt sich die Situation aus Ihrer Sicht auf nationaler Ebene in Deutschland dar?

Katharina Riese: In der Tiefe habe ich sicher besonders im Rahmen der Arbeit des Deutschen Global Compact Netzwerks einen Einblick in die Situation. Hier nehme ich einen starken Willen zu einer multilateralen Zusammenarbeit war. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in vergangenen und aktuellen Projekten wider. Veranstaltungen mit anderen UN Global Compact Ländernetzwerken sind keine Seltenheit. Darüber hinaus begrenzen sich auch einzelne Projekte wie aktuell bspw. die „Allianz für Integrität“ nicht auf Ländergrenzen.

Das DGCN hat gerade erst sein Profil modifiziert, um künftig auch an politischen Diskussionen aktiv teilnehmen zu können. Heißt dass, das wir das DGCN künftig stärker in der (partei-)politischen Arena erleben werden?

Katharina Riese: Das heißt es meines Erachtens nicht, denn das DGCN versteht sich als Multistakeholder-Forum. Unternehmen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und auch Politik tauschen sich aus, um gemeinsam Ziele zu erreichen. Um gemeinsame Positionen kommunizieren zu können, hat sich das Deutsche Global Compact Netzwerk ein klares Profil gegeben. Darin heißt es, dass das DGCN diejenigen politischen Diskussionen begleiten kann, die für die Umsetzung und Förderung der 10 Prinzipien relevant sind. Ob und in welcher Form dann tatsächlich Positionen formuliert werden, hängt vom konkreten Diskussionsgegenstand und der Meinungsbildung in Lenkungskreis und Netzwerk ab.

Klaus Milke:
Keine Parteipolitik, aber doch Orientierung auch für die anderen Netzwerkteilnehmer und die Politik erscheinen uns angebracht. Der Global Compact soll ja nichts Statisches sein, sondern eine Lernbewegung nach vorne darstellen. Da müssen wir ausloten, inwieweit Konsens in bestimmten Einzelfragen zu finden ist.

Mathias John: Diese Entscheidung ist nur konsequent: Wir wissen alle, dass das Deutsche Netzwerk ein wichtiger Akteur im gesellschaftlichen Diskurs um Unternehmensverantwortung ist. In unserem nun schon lange Jahre geführten Dialogprozess haben wir nach meiner Wahrnehmung zu zentralen Themen der Unternehmensverantwortung durchaus wichtige gemeinsame fortschrittliche und zukunftsweisende Standpunkte entwickelt – diese sollten wir dann zur gegebenen Zeit auch in die Waagschale werfen!

Die von der New Yorker Zentrale angekündigten Zwangsbeiträge sind jetzt doch wieder vom Tisch. Dennoch hat die Kommunikation viele Teilnehmer verstört. Gibt es hier künftig klarere Absprachen, wie die Kommunikation erfolgt?


Katharina Riese: Das ist auch die Wahrnehmung im Lenkungskreis gewesen und wurde uns auch von Teilnehmern gespiegelt. Im Nachgang wurde über die Geschäftsstelle des Deutschen Global Compact Netzwerks mit der New Yorker Zentrale vereinbart, dass die Kommunikation künftig stärker über die Geschäftsstelle in Deutschland läuft.

Mathias John:
Nach meiner Wahrnehmung hat hier erneut eine zur Unzeit losgetretene und unglücklich kommunizierte Finanzierungsfrage völlig überflüssige Irritationen ausgelöst. Natürlich muss der Global Compact finanziert werden, und natürlich sollten alle Teilnehmer großes Interesse an einem auskömmlichen Budget haben, schließlich wird auch ein nicht unbeträchtlicher Mehrwert generiert. Das sollte aber in einem auf Partnerschaft ausgelegten Netzwerk nicht „per ordre de mufti“ oktroyiert werden – leider konnte das aber so empfunden werden.

Die erste Dekade des Global Compact war geprägt von der Etablierung der Initiative innerhalb der UN und innerhalb der CSR-Landschaft. Das ist erreicht. Jetzt gilt es, eine künftige Roadmap vorzulegen. Was wären aus Ihrer Sicht sinnvolle Anlaufstellen, lohnende Zwischenstopps und wichtige Orientierungspunkte auf dieser Reise?


Klaus Milke: Ein interessanter Punkt ist sicherlich, dass die Teilnehmer am Global Compact sich gegenseitig sehr viel mehr anspornen, noch besser zu werden. Dazu könnte es auch nützlich sein, darüber nachzudenken, wie man mit denen in den eigenen Reihen eigentlich umgeht, die zwar jährlich wohlklingende „Fortschrittsberichte“ abgeben, die aber ganz offensichtlich gegen ein oder mehrere Prinzipien des Global Compact verstoßen.

Mathias John: Sinnvoll wäre sicher auch einmal die Evaluation bisheriger Projekte, damit wir aus den Ergebnissen lernen können. Und der Global Compact sollte ruhig den Ehrgeiz zeigen, mehr mitzugestalten – beispielsweise bei der Umsetzung der UN-Leitprinzipien.

Katharina Riese: Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Wir haben insbesondere in Deutschland über das Ländernetzwerk eine sehr etablierte Plattform, um die zukünftigen Herausforderungen anzugehen. Rahmenbedingungen sind sicherlich politische, aber auch die Ergebnisse des Post-2015-Prozesses. Sie werden sicherlich zu einem Großteil die Richtung bzw. die Orientierung bilden. Die Einbindung der Wirtschaft in diesen Prozess unterstreicht das nur und zeigt auch, dass die Wirtschaft einen wichtigen Anteil an der Erreichung nachhaltiger Entwicklung leisten kann und muss. Im UN Global Compact sind die besten Voraussetzungen hierfür gegeben. Denn hier finden sich die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure zusammen, um gemeinsame Herausforderungen und Ziele auch gemeinsam anzugehen. Ich freue mich sehr, diesen Weg aktiv mitgestalten zu können.

Wir wünschen Ihnen alles Gute für die anstehenden Aufgaben und bedanken uns herzlich für das Gespräch!

Quelle

Der Beitrag erschien im Original im Jahrbuch Global Compact Deutschland 2013

Quelle: UD
 

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