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CSR-Strategie

„Wir haben erstmalig ein unternehmensweites Klimaziel“

Tchibo will dazu beitragen, das 1,5-Grad-Klimaziel zu erreichen. Schon 2007 hat das Handelsunternehmen das erste Klimaschutzprogramm formuliert. Jetzt wurde die Klimabilanzierung komplett überarbeitet. Welche Schwerpunkte die Hamburger künftig setzen, erläutert Johanna von Stechow, Head of Environmental Protection bei Tchibo, im Interview mit UmweltDialog.

19.06.2020

„Wir haben erstmalig ein unternehmensweites Klimaziel“
Johanna von Stechow, Head of Environmental Protection bei Tchibo

UmweltDialog: Tchibo hat bereits 2007 ein erstes Klimaschutzprogramm vorgelegt, 2015 dann die Klimaschutz Roadmap 2020. Was haben Sie seitdem erreicht? Wie haben sich die Schwerpunkte seitdem verändert?

Johanna von Stechow: Zunächst lag unser Fokus auf der Logistik. Mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg hatten wir in 2006 das Projekt LOTOS (Logistics Towards Sustainability) initiiert. Ziele waren die Implementierung und Weiterentwicklung einer guten CO2-Bilanzierungspraxis und die absolute und relative Reduktion von CO2-Emissionen in der Logistik um 30 Prozent bis 2015.

Diese Ziele haben wir bereits in 2014 erreicht – und sind dafür erfreulicherweise mit dem Nachhaltigkeitspreis Logistik ausgezeichnet worden. Schnell sind wir weitere Maßnahmen angegangen. So beziehen wir seit 2008 für alle deutschen Standorte 100 Prozent Grünstrom. 

In unseren Lieferketten haben wir 2010 und 2011 die Initiativen „coffee and climate“ und CPI2 mitbegründet. Damit ermöglichen wir Kaffeefarmern, sich an den Klimawandel besser anzupassen und geben unseren Textillieferanten die Möglichkeit, ihre Energieeffizienz zu steigern. Seit 2013 sind unsere Röstereien in Berlin und Hamburg nach dem ISO-50001-Standard zertifiziert und optimieren kontinuierlich ihre Energieverbräuche und damit die CO2-Emissionen.

Kurzum: Wir wollen bis 2030 über 50 Prozent unserer direkten Emissionen einsparen!

Im vergangenen Jahr haben wir die seit 2007 jährlich aktualisierte Klimabilanz vollständig überarbeitet und für 2017 und 2018 nach dem anerkanntenGreenhouse Gas Protocol aufgebaut. Wesentliche Veränderungen sind der Einbezug ausländischer Standorte und die Bilanzierung von Emissionen aus vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen, dem sogenannten Scope 3. Auf dieser aktualisierten Datenbasis haben wir uns ein Klimaziel im Einklang mit den 1,5-Grad-Celsius-Anforderungen der Science Based Target Initiative gesetzt. 

Kurzum: Wir wollen bis 2030 über 50 Prozent unserer direkten Emissionen einsparen!

Wie ist die Formulierung des Klimaschutzprogramms in die Unternehmensstruktur integriert? Werden externe Expertinnen und Experten zurate gezogen?

von Stechow: Der Fachbereich Corporate Responsibility (Unternehmensverantwortung) koordiniert die Bilanzierung und Zielsetzung, die jeweiligen Fachbereiche sind verantwortlich für die Umsetzung der Maßnahmen und individuellen Ziele. Dabei arbeiten wir gemeinsam mit Stakeholdern, externen Beratern und Sektor-Initiativen an der Verbesserung von Methoden und der Umsetzung von Projekten. Beispiele für Kooperationen sind die Clean Cargo Working Group sowie die UNFCCC Fashion Industry Charter for Climate Action.

Was sind die zentralen neuen Punkte des aktualisierten Klimaschutzprogramms?

von Stechow: Wir haben erstmalig ein unternehmensweites Klimaziel, zu dem alle Fachbereiche einen Beitrag leisten: 50 Prozent Einsparung unserer direkten CO2-Emissionen, 15 Prozent bei den indirekten Emissionen in den Lieferketten – bis 2030. Mit der Science Based Target Initiative haben wir uns ein extern überprüftes Ziel gegeben. Hier inkludieren wir vor- und nachgelagerte Lieferketten. Die Umsetzung erfolgt durch Umstellung auf Grünstrom an allen ausländischen Standorten, eine mittelfristige Umstellung der Produkte auf nachhaltige Rohmaterialen sowie die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen und dem Einsatz von Erneuerbaren Energien bei Lieferanten.

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Was war der Anlass dafür, dass Sie die Ziele des Klimaschutzprogramms angepasst haben?

von Stechow: Wir wollten die verschiedenen Klimaschutzmaßnahmen unter einem Programm zusammenführen und so eine Steuerung für das Gesamtunternehmen ermöglichen. Und natürlich auch zur gesellschaftlichen Diskussion und den damit gestiegenen Erwartungen an Unternehmen einen Beitrag zu leisten.

Sie haben vor zwei Jahren angekündigt, 20 Millionen Euro in neue, energieeffizientere Technologien für Ihre Kaffeeröstereien zu investieren. Sind die Maßnahmen bereits umgesetzt? Um wieviel sollen die CO2-Emissionen beim Kaffeerösten dann sinken?

von Stechow: Wir investieren in vier hocheffiziente Kaffeeröster am Standort Hamburg. Einer davon ist mittlerweile im Betrieb, zwei weitere befinden sich derzeit im Bau. Der vierte wird nächstes Jahr an den Start gehen. Mit den neuen Röstern sparen wir pro Jahr tausend Tonnen CO2 ein.

Als Handelsunternehmen hat Tchibo es mit einer Fülle von Lieferanten zu tun. Wie gewährleisten Sie, dass es auch in der Lieferkette zu deutlichen CO2-Einsparungen kommt?

von Stechow: Hier haben wir wirklich eine große Aufgabe vor uns, da wir nicht von eigenen Standorten und Fabriken reden. So optimieren wir zum einen den Einsatz von Materialen, zum Beispiel durch Bio-Baumwolle oder recyceltes Polyester. Zum anderen wollen wir – gemeinsam mit anderen Unternehmen – die Lieferanten in die Lage versetzen, deutliche CO2-Einsparungen zu erreichen. Im Textilsektor sind wir der UNFCCC Fashion Industry Charter for Climate Action beigetreten, im Rahmen dieser Initiative arbeiten über 100 Marken und Händler daran, die Textilindustrie bis 2050 klimaneutral aufzustellen.

86 Prozent Ihrer Kleidungsangebote bestehen bereits aus Bio-Baumwolle. Sie gehören damit bereits zu den größten Bio-Baumwollanbietern weltweit. Wie können Ihre Textilangebote trotzdem noch klimafreundlicher werden?

von Stechow: Im Bereich der Kunstfasern sehen wir noch Potenzial für Verbesserungen, aber auch durch den Einsatz von Erneuerbaren Energien in der Produktion kann noch einiges erreicht werden.

Welche CO2-Reduktionsziele verfolgen Sie bei Ihrem Fuhrpark? Sie planen ja beispielsweise die Umstellung auf Elektromobilität und bieten Ihren Mitarbeitern Anreize zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

von Stechow: Bei der E-Mobilität sind wir auf Verbesserungen von Rahmenbedingen angewiesen. Im Außendienst haben wir über 300 Fahrzeuge im Einsatz. Hier brauchen wir mehr E-Kombis mit ausreichender Reichweite und natürlich mehr Ladestationen. In den nächsten zehn Jahren soll die Hälfte unseres Fuhrparks aus E-Fahrzeugen bestehen. Stimmen die Rahmenbedingen, können es auch gerne auch mehr sein!
Unsere Anreize für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs durch Bezuschussung der Abokarten oder der Nutzung der ersten Klasse bei längeren Bahnfahrten werden wir natürlich beibehalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Johanna von Stechow verantwortet bei Tchibo im Bereich Unternehmensverantwortung die Umweltthemen. Als Mutter von drei Söhnen hat sie ohnehin ein großes Interesse daran, das Klimaziel von 1,5 Grad zu erreichen.

Quelle: UmweltDialog
 

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