20.11.2019
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09.09.2019

CSR-Strategie

So senken Unternehmen ihren CO2-Ausstoß

Der letzte Sommer war viel zu trocken. Landwirtschaft, aber auch Industrie litten darunter. Diesen Frühling haben wiederum Stürme und sintflutartiger Regen rund um den Globus für enorme Schäden gesorgt. Extremwetter-Ereignisse werden zur Regel.

So senken Unternehmen ihren CO2-Ausstoß

Um diese Entwicklung einzuhegen, setzt die internationale Staatengemeinschaft auf eine gemeinsame Klimapolitik. „Wir wissen, dass wir im Laufe des Jahrhunderts eine Dekarbonisierung brauchen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer 2015 zum Abschluss des G7-Gipfels.

In Berlin drückt man dafür mittlerweile aufs Tempo. Allen voran Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) verlangt, dass alle ihren Beitrag leisten und verlässliche Pfade einschlagen sollen. Das Pflichtenheft für die Wirtschaft trägt den Titel „Dekarbonisierung im Industriesektor“ und kursiert seit einigen Monaten. Darin ist nachzulesen: „Das Förderprogramm soll ein wesentlicher Baustein sein, um das Ziel einer weitgehenden Treibhausgasneutralität bis 2050 in emissionsintensiven Industriebranchen mit treibhausrelevanten Energie- und Prozessemissionen zu erreichen. Für das 2030-Ziel werden erste Beiträge erwartet.“ Wie kann dieser Beitrag konkret aussehen? Was heißt das für Unternehmen ganz konkret?

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  1. Wenn die Politik die selbstgesteckten Ziele des Pariser Klimaabkommens ernst nimmt, dann muss rigoroser CO2 eingespart werden. Von allen. Die staatlichen Auflagen werden in diese Richtung gehen.

  2. Klare Zielvorgaben verlangen Nachprüfbarbeit. Angaben über den Emissionsausstoß werden auf Dauer verbindlicher sein, als es heute noch der Fall ist. In diese Richtung drängt etwa die „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“ (TCFD) unter Leitung von Michael Bloomberg.

  3. Bereits mittelständische Unternehmen tun daher gut daran, sich darauf einzustellen, weil spätestens der Einkauf der Großunternehmen hier in naher Zukunft belastbare Kennzahlen abfragen wird.

Mit Klimamanagement anfangen

Die Einführung eines betrieblichen Klimamanagements ist eine sinnvolle Ergänzung zu bestehendem Umwelt-, Energie- und/oder Nachhaltigkeitsmanagement. Vieles wird an diesen Stellen oft bereits erfasst, neu sind dann eher die Maßnahmen, die sich ergeben. 

Etablierte Methodenstandards wie etwa das GHG Protocol oder ISO 14064 bieten Orientierung bei der Berechnung und Berichterstattung eines Corporate Carbon Footprints, beantworten aber nicht alle Fragen. Unternehmen sollten deshalb intern festlegen, was das Klimamanagement erreichen will. Ein Ziel kann etwa die Identifikation von Emissions-Hotspots im eigenen Unternehmen oder entlang der
Wertschöpfungskette sein, oder auch Möglichkeiten der effektiven Emissions- und Kostenreduktion.

Zudem sollte von Anfang an Klarheit herrschen bei Fragen des Zeithorizonts (Geht es um kurzfristige oder langfristige Ziele?), der Systemgrenzen (Welche Standorte und Emissionsquellen sollen einbezogen werden?) sowie des Ambitionsniveaus (Wie viele THG-Emissionen sollen eingespart werden?). Auch gesetzgeberische Entwicklungen und Erwartungen seitens der Stakeholder sollten vorab mitgedacht werden. Eine ganz praktische Alltagsproblematik ist auch die Erhebung der Daten. Hier sollten frühzeitig Mitwirkende eingebunden werden.

Was ist der Corporate Carbon Footprint? 

Der Carbon Footprint beschreibt die Gesamtmenge an Treibhausgasemissionen, die direkt und indirekt von einer Person, einer Organisation, einem Event oder einem Produkt ausgehen. Der Corporate Carbon Footprint (CCF) betrachtet die Emissionen eines Unternehmens in t CO2e pro Jahr.

Messen und berechnen

„Das Greenhouse Gas Protocol (Treibhausgas-Protokoll) ist ein weltweit gültiges Instrument zur Berichterstattung über Treibhausgasemissionen. Entwickelt wurden die Standards vom World Resource Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD). Unternehmen nutzen die Standards für das Management ihrer Treibhausgasemissionen“, schreibt Josephin Lehnert im CleanEnergy-Blog. Gemäß Greenhouse-Gas-Protokoll werden die Emissionsquellen eines Unternehmens in drei Kategorien unterschieden.

  • Scope 1: Darunter versteht man direkte Emissionen aus eigenen Verbrennungsprozessen. Dazu zählen stationäre oder mobile Anlagen, chemische Prozesse sowie eigene Ernergieerzeugung. Emissionsquellen sind etwa Erdgasheizung, eigene Kraftwerke auf dem Gelände oder Verbrennungsanlagen, Firmenwagen, Gabelstapler, Kühlgeräte et cetera.

  • Scope 2: Darunter versteht man indirekte Emissionen aus dem Bezug von leitungsgebundener Energie. Dazu zählen zum Beispiel der eingekaufte Strom, Dampf, Heizung, Kühlung.

  • Scope 3: Das sind Emissionen aus den vor- und nachgelagerten unternehmerischen Aktivitäten. Dazu zählen unter anderem eingekaufte Güter und Dienstleistungen, deren Transport und Verteilung, Pendeln der Arbeitnehmer, Geschäftsreisen, Nutzung der verkauften Produkte und der Umgang an deren Lebenszyklusende.
Emissionen

Scope 1 und Scope 2 sind Emissionen, die unmittelbar vom Unternehmen verursacht werden. Scope 3 wiederum lässt sich über die Vertragsgestaltung mit Lieferanten steuern. Letzteres ist insofern wichtig, als dass ein Großteil der Emissionen eben in dieser Scope 3-Ebene stattfindet. Nach Berechnungen des Deutschen Global Compact Netzwerkes aus 2017 fallen 87 Prozent aller Emissionen in der Automobilbranche erst nach Auslieferung der Fahrzeuge an. Nämlich bei der Nutzung der Fahrzeuge durch uns Verbraucher. In der IT-Branche beträgt der Wert 78 Prozent, bei Immobilien immerhin noch 70 Prozent. Nur in der Energiewirtschaft ist der größte Klimaschaden bereits bei der Erzeugung verursacht. Hier beträgt der Scope 3-Anteil nur 18 Prozent.

Schritt eins im Unternehmen ist daher das strukturierte Sammeln von Aktivitätsdaten
zu den Emissionsquellen. Bei Scope 1 heißt das zum Beispiel: Wie viel und welche Art von Brennstoff (sei es Öl, Erd- oder Biogas, Plastik oder Restmüll) wird in den Anlagen
verbrannt? Wie viele Liter Kraftstoff hat die eigene Fahrzeugflotte im letzten Jahr verbraucht? Bei Scope 2 wird der gekaufte Strom-, Kühlungs- und Wärmeverbrauch erfasst. Mit Scope 3 tun sich die meisten Unternehmen schwer. Hier gibt es auch kaum Verpflichtungen, so dass die meisten Betriebe Rosinenpicken betreiben und meist jene Werte erfassen, die leicht zugänglich sind: Geschäftsreisen etwa oder bestenfalls noch Teilangaben zu Logistik.

Schritt zwei ist die Auswahl geeigneter Kennzahlen. Je nach Komplexität des Unternehmens empfiehlt es sich, Einzelkennzahlen (zum Beispiel pro Standort) zu wählen und/oder aggregierte Kennzahlen für das Gesamtunternehmen. Zudem sollte das Unternehmen sich überlegen, ob es Sinn macht, absolute Kennzahlen (z.B. Kilowattstunden/Jahr) auszuweisen oder besser intensitätsbezogene Kennzahlen. Dann
werden die CO2-Angaben zum Beispiel pro Produkteinheit, pro Quadratmeter, pro Mitarbeiter, pro Euro Umsatz oder Euro Gewinn ausgegeben. Je nach Geschäftsmodell sind solche intensitätsbezogenen Kennzahlen sinnvoll: Bei Immobilien ist die Quadratmeter- Angabe griffig. Firmen mit hohen Beschäftigtenzahlen wiederum, zum Beispiel Logistiker, nutzen gern die Angaben/Mitarbeiter, um ihre hohen CO2-Gesamtwerte kleinzurechnen.

Schritt drei ist schließlich die Berechnung der THG-Emissionen nach folgender Formel:


Verbrauchte Materialmenge (zum Beispiel in Kilogramm (kg) oder Liter (l)) x GHG Emissionsfaktor (zum Beispiel 3,14 kg CO2e/l bei Diesel-Treibstoff) = GHG Emissionen in kg CO2e.

Den Multiplikationsfaktor der jeweiligen GHG-Emissionen einzelner Prozesse oder Warengruppen können Unternehmen aus einschlägigen Datenbanken ableiten. Das britische Umweltministerium DEFRA veröffentlicht jährlich aktualisierte Emissionsfaktoren für eine Vielzahl unternehmensrelevanter Prozesse. Auch die
Deutsche Emissionshandelsstelle gibt eine Liste von Emissionsfaktoren für Standardbrennstoffe heraus. Konkretere Tipps liefern außerdem die jeweiligen
Branchenverbände.

Ziele setzen

Immer mehr Unternehmen orientieren ihre Klimastrategie an den Vorgaben der Science Based Target Initative (SBTi). Die wird unter anderem von der Umweltstiftung WWF getragen und wirbt bei Unternehmen dafür, sich wissenschaftsbasierte Reduktionsziele zu setzen. Sie sollen im Einklang mit den Ergebnissen des Paris-Abkommens stehen und helfen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu beschränken. Neue Technologien und Praktiken zum Beispiel zeigen, dass Unternehmen die Umweltauswirkungen von der Wirtschaftstätigkeit entkoppeln können. Unternehmen können anschließend ihre jeweilige Klimaperformance bei der Initiative prüfen lassen. Stehen sie in Einklang mit dem Paris-Abkommen, werden sie von ihr als wissenschaftlich fundiert anerkannt.

Welche Methode sollte ein Unternehmen bei der Festlegung eines wissenschaftlich fundierten Ziels wählen? Die Science Based Target Initative empfiehlt hier den sogenannten „Sectoral Decarbonisation Approach“ (SDA), um seine Ziele für die Scopes 1 und 2 festzulegen. Unternehmen sollten sich dabei nicht bloß an das Ziel halten, das am einfachsten zu erreichen ist. Vielmehr empfiehlt die SDA-Methode Unternehmen, die ambitioniertesten Dekarbonisierungsszenarien einzusetzen, die zu den frühesten und massivsten Reduzierungen führen. Das Unternehmen sollte dafür mehrere mögliche Pfade durchleuchten und das Ziel wählen, das die eigene Marktführerschaft am besten demonstriert. Die Methodenauswahl kann auch durch praktische Überlegungen beeinflusst werden, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Inputdaten für das Basisjahr und das Zieljahr.

Sind absolute oder relative Klimaziele besser?

Absolute Ziele – also beispielsweise eine feste Vorgabe wie
Senkung von 20 Prozent CO2 im Unternehmen bis 2020 – haben den Vorteil, dass sie leicht zu kommunizieren und zu verstehen sind. Andererseits kann das dazu führen, dass man an den falschen Ecken CO2 einspart, zu sehr auf schnelle Erfolge setzt und spätestens bei Unternehmenswachtum oder Unternehmensveränderungen anfängt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Relative Ziele orientieren sich meist an intensitätsbezogenen Kennzahlen. Der Vorteil liegt somit in Flexibilität in Bezug auf Wachstumserwartungen oder veränderte Systemgrenzen. Aber Obacht: Ein relatives Ziel führt allerdings nicht zwangsläufig zu absoluten THG-Emissionsminderungen. Selbst wenn ein Produkt CO2-ärmer als der Vorgänger ist, dafür aber mehr verkauft werden, hat das Weltklima nichts gewonnen.

Einschränkend heißt es dazu bei SBTi: „Unternehmen, die ökonomische Methoden zur Festlegung von Intensitätszielen verwenden möchten, können dies tun, beachten Sie aber, dass Intensitätsziele nur dann als wissenschaftlich fundiert gelten würden, wenn sie zu absoluten Reduktionen im Einklang mit der Klimawissenschaft führen oder mit einem anerkannten Sektorpfad oder einer von der Science Based Targets-Initiative genehmigten Methode (zum Beispiel dem Sectoral Decarbonization Approach) modelliert werden.“

Ist die Science Based Target Initative (SBTi) die einzige Methode? Nein, zahlreiche weitere Methoden sind am Markt. Auf diese soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. imug, das Hannoveraner Beratungsunternehmen, schreibt: „In den letzten Jahren haben sich verschiedene Initiativen verstärkt damit auseinander- gesetzt, wie die Klimaziele von Unternehmen mit den politischen Vorgaben in Einklang gebracht werden können. Zu den als „wissenschaftsbasiert“ bezeichneten Ansätzen zählen beispielsweise „The 3 % Solution“, „Corporate Finance Approach to Climate- Stabilizing Targets“, „Context-Based Carbon Metrics“, „Greenhouse Gas Emissions per Unit of Value Added“, „British Telecommunications Climate Stabilization Intensity Targets“ sowie die „Mars Methode“.“

Maßnahmen ergreifen 

Was man messen kann, kann man auch steuern. Dieser bekannte Satz von Peter Drucker gilt natürlich auch beim Klimamanagement. Firmen können dazu ganz konkrete Maßnahmen ergreifen. In der Lieferkette kann Scope 3 etwa durch entsprechende Einkaufsrichtlinien, Reiserichtlinien, die Auswahl alternativer Verpackungsmaterialien, Training und Qualifikation der Lieferanten gesteuert werden.

Das Unternehmen selbst kann nachhaltige Produkte und Geschäftsmodelle sowie entsprechende Produktrücknahme- und Entsorgungskonzepte entwickeln. Zudem kann es in Scope 1 Maßnahmen in den Bereichen Energieeffizienz und Flotteneffizienz ergreifen oder einfach anfallendes CO2 durch Kompensation ausgleichen.

Der interessanteste und häufigste Hebel ist jedoch der Bereich Scope 2: Hier kann über entsprechende Verträge bei Versorgern relativ einfach und konkret Klimaschutz betrieben werden.

Strom ist nicht gleich Strom

Seit der Deregulierung des europäischen Strommarktes gibt es eine Vielzahl an Stromanbietern und Stromprodukten. Jedes davon hat einen eigenen CO2-Fußabdruck,
weshalb sich ein genauer Blick in die Vertrags-Modalitäten lohnt. Wenn wir noch einmal zurückkehren zur erwähnten Berechnung der THG-Emissionen, so gibt es bei Strom zwei Faktoren, die zur Auswahl stehen:

a) Länderspezifische Emissionsfaktoren (location-based method)

Dieser basiert auf dem jeweiligen nationalen bzw. regionalen Strommix. Dieser Mix wird berechnet nach Energieträgern, die im jeweiligen Land verbraucht werden. Viel Kohle und Öl bedeuten viel CO2, viele erneuerbare Energien wenig CO2. Der Vorteil der Nutzung dieser landesweiten Angaben ist die bessere Vergleichbarkeit bei mehreren Standorten innerhalb eines Unternehmens oder der Vergleich mit Wettbewerbern. Allerdings lassen sich diese Werte in keiner Weise durch das Unternehmen steuern oder verbessern.


b) Anbieterspezifische Emissionsfaktoren (market-based method)

Hierbei werden die jeweiligen CO2-Angaben des Anbieters berechnet. Diese ergeben sich aus dem spezifischen Energiemix. Ökostrom beispielsweise ist naturgemäß CO2-ärmer. Daher kann ein Unternehmen durch den gezielten Anbieterwechsel und entsprechende Vertragsgestaltung seinen CO2-Verbrauch selbst steuern. Wichtig ist dabei allerdings, dass der Kunde auch die Nachweise und Zertifikate vom Stromhändler erhält. Ohne diesen Nachweis gilt die grüne Berechnung nicht, und es wird dann automatisch der Landes - bzw. Residualmix zu Grunde gelegt. Grünstrom ist also gut für´s Klima, anderseits verschleiern solche Stromverträge durchaus den dahinterliegende Energieverbrauch. Beispiel: Wenn man zwei Lampen anschaltet und beide mit Grünstrom betrieben werden, so liegt der Verbrauch zwar bei 0 gr CO2 , aber dennoch ist der Stromverbrauch doppelt so hoch wie bei einer Lampe. Effizienzmaßnahmen können also durch Ökostrom ausgebremst werden.

Machen wir eine fiktive Berechnung, um den Verbrauch nach Landesmix- beziehungsweise Anbieter-spezifischem Wert zu berechnen: Nehmen wir an, eine Firma hat Produktionsstandorte in Deutschland, den USA, China und Belgien. Der Verbrauch ist der Einfachheit überall gleich. Nach location based method würde der Stromverbrauch mit der Landeskennzahl multipliziert. Dieser ist in China hoch (hoher Kohleanteil) und in Belgien niedrig (hoher Atomstromanteil). Bei der market-based method lässt sich der Verbrauch fast überall positiv steuern. Ausnahme China: Hier gibt es keinen freien Strommarkt und damit keine Alternative zum Landesmix. Liegen allerdings keine Zertifikate vor, dann wird auf den Residualmix zurückgegriffen, und der ist in Belgien deutlich schlechter als der Landesmix. In unserem u.g. fiktiven Beispiel lassen sich also 38 Prozent CO2 nur durch entsprechendes Stromvertrags-Management einsparen. Das ist ein echter Beitrag zum Klimaschutz.

a) location-based method

Land Verbrauch Emissionsfaktor CO2-Ausstoß
Deutschland 10.000 MWh 528 gr CO2/kWh 5.280 t
USA 10.000 MWh 561 gr CO2/kWh 5.610 t
China 10.000 MWh 749 gr CO2/kWh 7.490 t
Belgien 10.000 MWh 187 gr CO2/kWh 1.870 t
Summe 40.000 MWh
20.250 t

b) market-based method

Land Verbrauch Emissionsfaktor CO2-Ausstoß
Deutschland 10.000 MWh 0 gr CO2/kWh* 0 t
USA 10.000 MWh 0 gr CO2/kWh* 0 t
China 10.000 MWh 749 gr CO2/kWh 7.490 t
Belgien 10.000 MWh 500 gr CO2/kWh** 5.000 t
Summe 40.000 MWh
12.490 t

* PPA mit RECS Zertifikat
** fehlender Nachweis, daher Residualmix (RE-DIS II Belgien 2013)

Was ist der Residualmix eines Landes? 

Der Residualmix ist der um den Handel mit Herkunftsnachweisen bereinigte Strommix eines Landes. Zwischen dem im Land produzierten und im
Land verbrauchten Strom kann nämlich ein gewaltiger Unterscheid liegen, wie das Beispiel Norwegen zeigt: Norwegen produziert zu 98 Prozent umweltfreundlichen Strom aus Wasserkraft. Grüner geht es nicht, sollte man meinen. Tatsächlich sind die Norweger aber auch gute Kaufleute und exportieren einen Großteil dieses Grünstroms ins europäische Ausland. Dort herrscht große Nachfrage nach nachhaltigem Strom, und die Preise sind entsprechend hoch. Zum Ausgleich kauft Norwegen günstig Strom auf dem europäischen Markt zu, um die eigene Versorgung sicherzustellen. Das Ergebnis ist schockierend: Aus einem 98 Prozent Sauberland wird eine echte Dreckschleuder: Norweger konsumieren zu 54 Prozent Strom, der aus fossiler Verbrennung gewonnen wurde, zu 33 Prozent aus Kernenergie und nur zu 13 Prozent aus erneuerbaren Energien. Diesen Verbrauchsmix nennt man auch Residualmix.

Wie die Klimabilanz ausfällt, hängt aber auch schon von der Auswahl der Datenquelle ab. So sind die Angaben des Umweltbundesamtes UBA zum nationalen regionalen
Strommix traditionell strenger als die der Internationalen Energieagentur IEA. Demnach betrug etwa der deutsche Strommix in 2007 bei der UBA 608 g CO2 / kWh
und bei der IEA nur 504 g CO2 / kWh. Dank der Energiewende sanken die Angaben in den letzten Jahren dann kontinuierlich in beiden Berechnungsmodellen: Auf 544 g CO2 / kWh laut UBA und 461 g CO2 / kWh laut IEA. Aufgrund der durchgehend günstigeren Zahlen der IEA wird bei den allermeisten Unternehmen in der Bilanzierung stets der IEA Referenzwert genutzt. So fällt der Carbon Footprint um 15 Prozent besser aus als nach UBAAngaben.

Wer sich die eigene Performance übrigens rückwirkend schön rechnen will, der berechnet alte CO2-Werte nach UBA und wechselt dann zu den IEA-Zahlen. Zwischen 2007 und 2010 lassen sich so 25 Prozent Emissionen mit bloßem buchhalterischem Trick auf dem Papier einsparen.

Dieser Artikel ist im Original im Magazin "UmweltDialog" zum Thema "Dekarbonisierung" erschienen.

UmweltDialog Die Greta-Frage Heft 11
Quelle: UmweltDialog
 

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