Produktion

Säurebatterien aus Ghana umweltgerecht verwertet

Der erste Container mit ausgedienten Blei-Säurebatterien aus Afrika ist in Deutschland angelandet. Die Batterien wurden in einer weltweit einzigartigen Kooperation in Ghana gesammelt und in Deutschland umweltgerecht verwertet. Fachleute haben die Batteriesäure neutralisiert und das Blei mit sehr hoher Recyclingquote zurückgewonnen.

24.03.2014

Der Export fand im Rahmen des BMBF-Projektes „Globale Kreislaufführung strategischer Metalle: Best-of-two-Worlds Ansatz (Bo2W)“ statt, welches die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa zum Recycling von Batterien, Altfahrzeugen und Elektronikschrott nachhaltig verbessern soll. Die Batterien wurden vom ghanaischen Recyclingunternehmen City Waste Recycling Ltd. eingesammelt, nach internationalen Standards verpackt und verschifft. Die Verwertung übernimmt Johnson Controls, ein weltweit führenden Hersteller und Recycler von Blei-Säurebatterien.

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Sammlung in Afrika – Recycling in Europa

Johann-Friedrich Dempwolff, Geschäftsführer Johnson Controls Power Solutions EMEA, bestätigt, dass die versendeten Batterien den Vorgaben von Johnson Controls entsprechen: „In unserem Werk in Deutschland können wir bis zu 99 Prozent einer Altbatterie recyceln. Teil dieses Prozesses ist es sicherzustellen, dass die Batterien vollständig verschifft werden und die Säure nicht vorher in Ghana umweltschädlich in den Boden abgelassen wurde, so wie es bisher oft der Fall war“.

Mit dieser ersten Erfolgsmeldung setzen die Partner ein starkes Startsignal, dass in Afrika anfallende Blei-Säurebatterien einer ressourceneffizienten Verwertung zugeführt werden können. Jürgen Meinel, Geschäftsführer von City Waste Recycling Ltd.: „Wir sind sehr froh, dass wir mit dieser ersten Lieferung von gut 20 Tonnen beweisen konnten, dass eine umweltfreundliche Recyclingalternative für Ghana realisierbar ist. Aufgrund fehlender Alternativen vor Ort ist der Export nach Deutschland die beste Lösung und es sollen in den nächsten Jahren noch viele weitere Container mit Bleibatterien folgen. Deren Aufkommen wächst stark in Ghana“

Verwertung von Blei-Säurebatterien – ein Kernproblem in Afrika

Das unsachgemäße Recycling von Blei-Säurebatterien stellt ein wesentliches Umwelt- und Gesundheitsproblem in Ghana und ganz Afrika dar: Das Ablassen der Batteriesäure in die Umwelt, das Umschmelzen des Bleis an offenen Feuern oder in Recyclinganlagen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen, sind in Afrika gängige Praxis und Alternativen bislang kaum entwickelt.

John Pwamang, Direktor der Abteilung Chemikalienmanagement in der ghanaischen Umweltbehörde EPA kennt die Probleme seit langem und fügt hinzu: „Ghana entwickelt derzeit einen rechtlichen Rahmen für eine saubere Entsorgung von Altbatterien und E-Schrott und ist auch am Aufbau einer Recyclingindustrie interessiert. Internationale Kooperation zu Blei-Säurebatterien ist dabei höchst willkommen.“

Dafür arbeiten westafrikanische Unternehmen eng mit europäischen zusammen. Aufgrund fehlender umweltfreundlicher Recyclingkapazitäten hat der Partner in Ghana ausgedienten Starterbatterien von PKW und LKW gesammelt, ordnungsgemäß verpackt und per Container über See- und Landweg zur Anlage von Johnson Controls in Krautscheid verschickt. Dank modernster Recyclingtechnologie können dort Schadstoffemissionen vermieden und nahezu 100 Prozent des Bleis zurückgewonnen werden.

Umweltfreundliches Recycling ist Pflicht

Für Andreas Manhart, zuständig beim Öko-Institut für die Projektaktivitäten in Ghana ist „diese erste umweltgerecht verpackte, transportierte und recycelte Charge an Blei-Säurebatterien ein wichtiger Beweis, dass der „Best-of-Two World“ Ansatz in der Praxis realisiert werden kann. Der bestehende informelle Sektor in Ghana kann in die Sammlung als wirtschaftlicher Partner eingebunden werden; die Menschen werden dabei nicht wie bisher durch die Batteriesäure und das Blei selbst gefährdet“.

Projektleiter Matthias Buchert (Öko-Institut) betont, dass „durch die konstruktive Zusammenarbeit mit der EPA in Ghana, dieser erste Erfolg erzielt wurde. Sie hat alle Partner bei Exportgenehmigungen gut unterstützt und unsaubere Praktiken wie den Seetransport bereits geöffneter Blei-Säurebatterien unterbunden.“ Herr Pwamang (EPA) bestätigt diesen jüngsten regulatorischen Schritt und fügt an, dass „Ghana in Zukunft keinen Handel mit Altbatterien mehr genehmigen wird, der nicht höchsten internationalen Umweltstandards genügt. Damit soll sichergestellt werden, dass seriös und sauber arbeitende Unternehmen im Wettbewerb nicht gegen skrupellose Geschäftemacher unterliegen.“

Informationen zum Projekt „Best oft wo Worlds“

Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie werden neue Recyclingstrukturen in Ghana und Ägypten aufgebaut und in Pilotvorhaben erprobt. Das Projekt soll lokale Wertschöpfung erzeugen, die Pilotvorhaben internationalen Sozial-, Gesundheits-und Sicherheitsstandards entsprechen sowie Arbeitsplätze vor Ort schaffen. Komponenten, die nicht effizient und umweltfreundlich in der Region verwertet werden können, werden zu spezialisierten High-Tech-Raffinerien in Europa exportiert. Entsprechend werden beide Länder besser mit den Recyclingstrukturen der Industrieländer verbunden. Das Projekt adressiert ausschließlich lokal anfallende Schrotte und grenzt sich damit deutlich vom illegalen Handel mit Giftmüll und Elektroschrott ab.

Die Projektpartner: Wissenschaft und Industrie

Das Konsortium, bestehend aus dem Öko-Institut, Johnson Controls, weiteren Industrieunternehmen sowie kompetenten Partnern in Ägypten und Ghana arbeitet an der lokalen Umsetzung. Diese Kooperation bündelt die Stärken aller Beteiligten: führende Kompetenz im Bereich Metallrecycling und -verarbeitung, Umweltforschung, Projektmanagement sowie eine starke lokale Präsenz. Das Projekt läuft von Juni 2012 bis Mai 2015 und wird vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des r3-Programms gefördert.

Quelle: UD/fo
 

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