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06.02.2018

Lieferkette

Wie kann Nachhaltigkeit im Kakaosektor erreicht werden?

Selten eint unterschiedliche Parteien ein Ziel so, wie es bei der Veranstaltung des Forum Nachhaltiger Kakao und der Weltkakaostiftung (World Cocoa Foundation, WCF) auf der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln der Fall gewesen ist. Hier diskutierten Vertreter aus der Süßwarenindustrie, dem Lebensmittelhandel, von Nicht-Regierungsorganisationen, der Bundesregierung und Produzentenorganisationen aus der Côte d’Ivoire, wie sich weitere Fortschritte erreichen lassen, um Kakaobauern und -bäuerinnen aus der Armut zu bringen und der Entwaldung in den Anbauländern Einhalt zu bieten.

Wie kann Nachhaltigkeit im Kakaosektor erreicht werden?

Anlass für die teils kontrovers, aber stets konstruktiv geführte Diskussion war die Erkenntnis, dass Zertifizierung ein wichtiges Element der Nachhaltigkeit ist, allein aber nicht ausreicht, um die komplexen Herausforderungen anzugehen. Zudem sind Schätzungen zufolge nur 22 Prozent der weltweit gehandelten Kakaomenge zertifiziert. Zu wenig, um die versprochene einkommenssteigernde Wirkung bei den Kakaobauern zu entfalten. Einigkeit herrschte unter allen Beteiligten darin, dass es vielmehr darum gehen muss, den Sektor insgesamt nachhaltig zu gestalten. „Mit 57 Prozent nachhaltigem Kakao haben wir zwar große Fortschritte erzielt, die Bauern müssen sich aber zusammenschließen und ihre Marktmacht stärken, wenn sie bessere Preise durchsetzen wollen“, betonte Dr. German Jeub, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, in seiner Eröffnungsrede. Man arbeite an einer neuen Vision für den Kakaosektor. Die Weltkakaokonferenz im April, die erstmals in Deutschland stattfindet, bietet eine Plattform, dies weiter voranzubringen.

Der Vorsitzende des Forum Nachhaltiger Kakao, Wolf Kropp-Büttner, forderte Transparenz und Austausch. „Wir müssen Klarheit haben über die richtigen Handlungsansätze und gemeinsam in dieselbe Richtung arbeiten, um die komplexen Herausforderungen zu überwinden. Eine bessere Regierungsführung vor Ort ist ein wichtiger Schlüssel. Um das zu erreichen, müssen wir Hand in Hand mit den Regierungen der Produzentenländer arbeiten.“ Der Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren beträgt bereits 45 Prozent (Stand 2016), bei den Mitgliedern des Forum Nachhaltiger Kakao sogar 57 Prozent.

Gemeinsame Verantwortung und Rechenschaftspflicht

Tim McCoy von der World Cocoa Foundation, dem Co-Veranstalter, sagte: „Eine echte Transformation braucht ein noch stärkeres gemeinsames Vorgehen und baut auf gemeinsamer Verantwortung und Rechenschaftspflicht aller Akteure auf.“ Mit CocoaAction hat die WCF 2013 eine erste gemeinschaftliche Initiative begründet, die ausschließlich von Vertretern der Süßwarenindustrie getragen wurde. Ihre Fortsetzung auf deutlich breiterer Basis findet sie in der auf der Weltklimakonferenz COP23 im November 2017 gegründeten Cocoa & Forests-Initiative. Ihr haben sich auch die Regierungen der Côte d’Ivoire und Ghanas sowie Vertreter der Konsumentenländer angeschlossen. Ziel ist, der zunehmenden Entwaldung durch den Kakaoanbau Einhalt zu bieten.

Rechenschaftspflicht für alle Akteure, die investierten Mittel nachzuweisen und transparent zu machen, ist auch laut Cathy Pieters von Mondelez International ein wichtiger erster Schritt. Mondelez hat seit 2012 ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm aufgesetzt. In CocoaLife sollen bis zum Jahr 2022 rund 313 Millionen Euro (400 Millionen US-Dollar) Euro investiert werden, um die Lebensbedingungen von 200.000 Kakaobauern und -bäuerinnen zu verbessern. „Die Herausforderungen im Kakaosektor sind zu groß und zu vielgestaltig, hier benötigt es eine echte Umgestaltung. Auf einer schwachen Wertschöpfungskette gedeiht kein profitables Geschäft“, sagte Pieters.

Zertifizierungen bringen Fortschritte

Karin Kreider von der ISEAL Alliance hob die vielfältigen positiven Wirkungen hervor, die sich über Zertifizierung erreichen lassen. „Wir brauchen Innovationen, um bei den Zertifizierungssystemen Fortschritte zu machen und um den Herausforderungen einer sich äußerst schnell verändernden Umwelt zu begegnen. Dabei müssen wir über aktuelle Grenzen hinausdenken, sowohl geografisch als auch bei rechtlicher Zuständigkeit“, sagte Kreider. Als Beispiel nannte sie das Bündnis „Global Living Wage Coalition“, eine gemeinsame Initiative von sechs Standardsystemen, darunter die Rainforest Alliance und Fairtrade. Langfristiges Ziel der Koalition für existenzsichernde Löhne ist es, Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und den Löhnen zu erreichen. Dies bezieht sich auf Arbeiter auf Farmen, in Fabriken und bei allen an der Lieferkette beteiligten Betrieben.

Aminata Bamba, eine Vertreterin der Kooperative ECOOKIM, in der 13.000 Bauern und Bäuerinnen in Côte d’Ivoire organisiert sind, führte aus, es sei wichtig, den Bauern und Bäuerinnen Unternehmergeist zu vermitteln. „Mit zusätzlichen Einkommensquellen, etwa durch den Anbau weiterer Nahrungsmittel, sinkt die Abhängigkeit von Kakao, und Krisen, wie zum Beispiel die aktuelle Kakaopreiskrise, können besser bewältigt werden“, erklärte sie. Mit kleinen Anbauflächen von nur zwei Hektar sei es schwierig, einen guten Lebensstandard zu erreichen. Noura Hanna von der Rainforest Alliance sieht ihre Organisation durch den Zusammenschluss von Rainforest Alliance und UTZ stärker aufgestellt. „Durch unser Zusammengehen können wir Veränderungen größeren Schub verleihen. Kein System, kein Akteur kann auf sich gestellt die verbleibenden Herausforderungen lösen.“ Partnerschaften mit den Regierungen sowohl der Produzenten als auch von Konsumentenländern böten wichtige über Zertifizierung hinausgehende Möglichkeiten. „Die Zusammenarbeit mit Regierungen und mit Plattformen wie dem Forum Nachhaltiger Kakao und der Weltkakaostiftung sind wichtige Instrumente, um die Stimme der Bauern und Bäuerinnen hörbar zu machen und den Kakaosektor nachhaltiger zu gestalten – auch mit größerem Nachdruck”, sagte Hanna.

Existenzen der Kakaobauern müssen gesichert werden

Am Ende der Lieferkette steht der Verbraucher. Rachel Munns von Tesco, einer britischen Lebensmittelhandelskette, sagte, Tesco arbeite mit etlichen Partnern zusammen, um nachhaltige und zugleich erschwingliche Kakaoprodukte anzubieten. „Eine unabhängige Zertifizierung stärkt das Vertrauen, das wir in unsere Lieferanten und unsere Kunden in uns setzen. Wir spielen außerdem eine gewichtige Rolle, wenn es darum geht, Herausforderungen im Kakaosektor über Zertifizierung hinaus anzugehen. Das tun wir gemeinsam mit unseren Partnern.“ Tesco hat sich verpflichtet, dass der gesamte Kakao in den Eigenmarken von Tesco bis Ende 2018 aus nachhaltiger Erzeugung stammt.

Eine weitere wichtige Frage warf Antonie Fountain vom VOICE Netzwerk auf. „Die alleinigen Risikoträger der hohen Preisschwankungen im Kakao sind die Bauern und Bäuerinnen, und sie haben zudem die schwächste Verhandlungsposition“, sagte er. „Reichen freiwillige Standards wirklich aus, oder brauchen wir mehr Gesetzgebung?“, lautete aufgrund dessen seine Frage. Der Markt könne es nicht allein regeln. Angesichts des stark gefallenen Kakaopreises und der Frage nach existenzsichernden Einkommen müsse der gesamte Lebensmittelsektor verändert werden, sagte Fountain.

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„Ich bin beeindruckt von der Bereitschaft und dem ehrlichen Interesse aller Beteiligten, den Rednern wie auch den weiteren Teilnehmern, einen fairen und nachhaltigen Sektor zu gestalten“, fasste Heike Henn vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Diskussion zusammen. Das neue Grüne Innovationszentrum Kakao in der Côte d’Ivoire wird mit den wichtigen Akteuren wie WCF, der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft, den Regierungen vor Ort und mit den Bauernorganisationen zusammenarbeiten, um einen nachhaltigen Kakaosektor zu gestalten Das Entwicklungsministerium arbeite dafür, dass sich der Agrarsektor in den Entwicklungsländern insgesamt verändere. „Helfen Sie uns, für alle Menschen in allen Ländern Wohlstand sicherzustellen“, schloss Henn.

Das Forum Nachhaltiger Kakao und die World Cocoa Foundation stehen in engem Austausch, mit der Absicht ihre Kräfte zu bündeln und sich gegenseitig in ihrem Engagement zu unterstützen. Innerhalb Europas hat das Forum Nachhaltiger Kakao im Januar 2018 eine engere Zusammenarbeit mit der neu gegründeten Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao verkündet und ein Memorandum of Understanding unterzeichnet.

Quelle: UD/pm
 

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