22.04.2019

11.04.2019

Textilien

Der Kreis ist das Ziel

Die Textilindustrie gilt als einer der umweltschädlichsten Wirtschaftssektoren. Wie kann er in Europa nachhaltiger gestaltet werden? Die Studie „Circular Economy in the Textile Sector“ des Berliner Thinktanks adelphi und der GIZ beschreibt, wie die Prozessstufen der Textilproduktion und -verarbeitung in eine Kreislaufwirtschaft umgewandelt werden können.

Der Kreis ist das Ziel

„Nur neun Prozent der globalen Stoffströme verlaufen in Kreisläufen – Tendenz sinkend“, erklärt Morton Hemkhaus, Experte für nachhaltige Textilien bei der Berliner Denkfabrik adelphi. „Mit Kreislauf ist mehr als die Entsorgung der Produkte gemeint“, so Hemkhaus. Vielmehr sollten die Produkte von Beginn an so gestaltet sein, dass sie langlebig sind, keine giftigen Stoffe enthalten und nach der Nutzung weiterverarbeitet werden können.

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„Kreislaufwirtschaft im Textilsektor steckt in den Kinderschuhen“

Morton Hemkhaus ist einer der Autoren der Studie „Circular Economy in the Textile Sector“, die Ende März in Berlin veröffentlicht wurde. Das Team untersuchte die Optionen zur Etablierung von geschlossenen Faserkreisläufen in der Bekleidungs- und Modebranche. Sie liefert eine Analyse der Faserkreisläufe in Europa und Deutschland, beschreibt die größten Treiber und Hemmnisse und bewertet ausgewählte Technologien zur Wiederverwertung.

„Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft im Textilsektor steckt in Europa und Deutschland in den Kinderschuhen“, sagt Morton Hemkhaus. Eine Vielzahl sozioökonomischer, ökologischer und rechtlicher Hürden müssen noch überwunden werden, um entsprechende Lösungen in großem Umfang einzuführen. Dem stehen zahlreiche Lösungsansätze und innovative Recyclingtechnologien gegenüber, die die Situation verbessern können. „Aber keine von ihnen hat bislang die nötige Marktreife erreicht. Für eine erfolgreiche Vermarktung sind weitere finanzielle und technische Anstrengungen erforderlich“, so Hemkhaus.

Chemisches Recycling als nachhaltige Alternative

Beispielsweise werden bislang gebrauchte Textilien bei der mechanischen Wiederverwertung zerstückelt. Das führt zu einer verminderten Qualität der Materialien, so dass Frischfasern vor der Wiederverwertung hinzugefügt werden müssen – bei Baumwolle sind es etwa 50 Prozent. „Die Qualität und stoffliche Zusammensetzung der Textilien ist von maßgeblicher Bedeutung, um Fasern wirtschaftlich recyceln zu können“, erklärt Morton Hemkhaus von adelphi. Technologien für chemisches Recycling, die ohne neue Fasern auskommen, gibt es bereits. Allerdings sind sie aufgrund ihres Energieverbrauchs noch nicht auf dem Markt einsetzbar.

Die Autoren interviewten mehr als 20 Expertinnen und Experten und werteten die Ergebnisse eines internationalen Fachsymposiums aus, welches während des „Cradle to Cradle (C2C)“-Kongresses 2018 stattfand. Im Anschluss an die Analyse entwickeln die Autoren Handlungsoptionen für die Bundesregierung, um die Kreislaufwirtschaft in Deutschland zu etablieren. Die Studie wurde im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erstellt und durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

Weitere Informationen zur Publikation erhalten Sie hier.

Quelle: UD/pm
 

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