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Öko-Schuhe: Was macht einen nachhaltigen Schuh aus?

Es ist allgemein bekannt, dass die Lederproduktion meist nicht wirklich nachhaltig geschieht und/oder moralisch vertretbar ist. Doch warum genau das so ist und was Chrom III und Chrom VI-Salze damit zu tun haben, erklären wir hier. Außerdem zeigen wir Ihnen, was einen nachhaltigen Schuh ausmacht und worauf Sie in Zukunft beim Einkauf achten sollten.

26.06.2020

Öko-Schuhe: Was macht einen nachhaltigen Schuh aus?

von Haflinger

Missstände in der Schuhindustrie

In der heutigen Industrie ist vor allem eines wichtig: billig produzieren und dadurch möglichst billig verkaufen. Konsumentinnen und Konsumenten sind an niedrige Preise gewöhnt und nur selten bereit, mehr zu zahlen. Aufgrund des hier geltenden Arbeitsrechts und den damit zusammenhängenden Mindestlöhnen wird die Produktion daher oft ausgelagert.

Zu den beliebtesten Billiglohnländern der Textilindustrie zählen vor allem asiatische Länder. Dabei fand die Schuhproduktion im Jahr 2015 zu 39 Prozent in Vietnam, 27 Prozent in China und 23 Prozent in Indonesien statt. Aus Europa kamen lediglich drei Prozent der Schuhe, aus Amerika ein Prozent.

Mit der Auslagerung werden die dort herrschenden miserablen Arbeitsbedingungen unterstützt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter bekommen niedrige Löhne und müssen unbezahlte Überstunden leisten, während sie sich in einem Arbeitsumfeld ohne nötige Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen befinden.

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Dabei wäre bei der Gerbung mit Schwermetallen ein Schutz mehr als nötig. Das verwendete Chrom III kann nämlich bei unsachgemäßer Gerbung zu Chrom VI oxidieren, das nicht nur hochgiftig, sondern ebenfalls krebserregend ist.
Darüber hinaus ist die Auslagerung ebenso in Bezug auf den Tierschutz mehr als bedenklich. Traditionell gesehen ist Leder ein „Abfallprodukt“ der Schlachtindustrie und kann somit mehr oder weniger als nachhaltige Verwertung angesehen werden. Allerdings hat sich die Lage durch die hohe Nachfrage zu billigen Preisen verändert. Leder wird vermehrt nicht mehr nur als Nebenprodukt weiterverwertet. Dazu kommt, dass die Tiere sehr häufig in erbärmlichen Bedingungen gehalten werden.

Einige NGOs wie Global2000 haben sich in der Vergangenheit mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Im Rahmen des Europäischen Jahres für Entwicklung 2015 starteten sie eine Kampagne mit dem Titel „Change Your Shoes“.

Was sind nachhaltige Schuhe?

Bei nachhaltigen Schuhen wird besonders auf das verwendete Material geachtet. So kommt kein chemisch gegerbtes Leder zum Einsatz. Die Auswahl an Alternativen ist breit: Die Palette reicht von pflanzlich gegerbtem Leder über Bio-Baumwolle und Naturkautschuk bis hin zu Recycling-Kunstleder und Canvas.

Für einen natürlichen Gerbungsvorgang wird zu pflanzlichen Gerbstoffen gegriffen. Dazu gehören etwa Eichenrinde, Rhabarberwurzeln, Mimosa-Rinde, Quebrachoholz oder Tara-Schoten. Dadurch werden weder giftige Stoffe eingesetzt noch freigesetzt. Ebenso wenig befinden sich anschließend Giftstoffe im Endprodukt.

Das „Problem“ an dieser Methode und Grund dafür, dass immer noch ein großer Teil des Leders, nämlich 80 bis 90 Prozent, mit Einsatz von gesundheitsschädlichen Stoffen gegerbt wird, ist die längere Dauer sowie der benötigte Aufwand dieses Produktionsprozesses. Denn dieser hat einen kostenintensiveren Vorgang und somit ein teureres Endprodukt zur Folge.

Zudem geht es neben einer ökologischen Produktion um die Sicherstellung fairer Arbeitsbedingungen und kurzer Transportwege vom Produktionsort zum Kunden. Auf diese Weise sollen die Schuhe auch nach der Produktion keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Was das Design betrifft, hat sich in den letzten Jahren viel getan. Mittlerweile gibt es nachhaltige Schuhe für alle. Egal, ob Sommer oder Winter, Herren, Damen oder Kinder – für jede und jeden ist für die jeweilige Jahreszeit etwas dabei. Es gibt sowohl hochwertige Ledersandalen als auch nachhaltige Sneakers und sogar umweltfreundliche Winterstiefel für die ganz kalten Tage.

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Kennzeichnung nachhaltiger Schuhe

Damit Sie die Nachhaltigkeit der neuen Schuhe im Geschäft einfach erkennen können, gibt es verschiedene Siegel, die sich auf den Schuhen beziehungsweise der Verpackung befinden. Zu den bekanntesten Kennzeichnungen zählen unter anderem Fairtrade, der blaue Engel, Made in Green und Oeko-Tex 100.

Was diese Siegel miteinander gemein haben, sind die folgenden Punkte:

  • Bei der Produktion werden vorwiegend natürliche Materialien verwendet.
  • Auf giftige Stoffe, wie beispielweise Chrom-III-Salze bei der Ledergerbung, wird verzichtet.
  • Die Schuhe sind recyclebar und biologisch abbaubar, bestehen teilweise aus recycelten Materialien oder sind vegan – also ohne Einsatz von Leder.
  • Die Hersteller setzen auf Handarbeit statt Massenproduktion und beziehen die Rohstoffe möglichst aus der Region.
  • Zusätzlich werden soziale Projekte unterstützt und die produzierenden Unternehmen setzen sich für faire Arbeitsbedingungen ein.

Die strengste Form der Zertifizierung ist die sogenannte IVN-Zertifizierung, der einzige Standard für nachhaltige Lederwaren in Europa. IVN steht hierbei für den Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft. Um diese Kennzeichnung zu bekommen, muss der gesamte Prozess, von den Rohstoffen bis zu den verwendeten Farbstoffen, die Einhaltung strenger Kriterien erfüllen:

  • Es dürfen nur Tierhäute verwendet werden, die als Nebenprodukt der Fleischgewinnung anfallen.
  • Die Rohstoffe, wie Naturfasern, müssen aus biologischem Anbau stammen.
  • Die Verwendung von synthetischen Fasern, mit Ausnahme von Abschlüssen oder Elastikteilen, ist untersagt.
  • Alle Knöpfe, Schnallen und Ähnliches müssen aus organischem Material oder Metall bestehen, ausgenommen sind aber Reißverschlüsse.
  • Betriebe, die sich mit IVN zertifizieren, müssen dafür Sorge tragen, dass ihr Abwasser gründlich gereinigt wird und werden jährlich ohne Vorankündigung kontrolliert.
  • Die Gerbung mit Einsatz von Chrom ist strengstens verboten!
  • Die verwendeten Farbstoffe müssen schwermetallfrei und möglichst pflanzlich sein.
  • Bei der Produktion müssen ebenso strenge Sozialstandards gemäß den Richtlinien der Internationalen Organisation für Arbeit (ILO) eingehalten werden.

 
 
Daumen hoch

Fazit: Zertifikate helfen beim ethisch korrekten Schuhkauf

Beim Kauf von Schuhen gilt es einiges zu beachten. Denn auch hier sollte auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Damit Sie keine Gefahr laufen, Praktiken zu unterstützen, die Sie nicht unterstützen möchten, können Sie sich mithilfe der oben beschriebenen Kennzeichnungen zu den gewünschten Produkten informieren. So wissen Sie auf einen Blick, wie der Schuh produziert wurde und was dahintersteckt.

Quelle: UD
 

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