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Lebensmittel

Fischkauf: Deutsche Verbraucher fordern mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist noch immer kein Top-Kriterium, wenn sich deutsche Konsumenten für den Kauf eines Lebensmittels entscheiden. Frische, Preis, Geschmack oder etwa die Haltbarkeit spielen weiterhin eine deutlich gewichtigere Rolle. Da mag es erstaunen, dass laut einer aktuellen MSC-Studie die Sensibilität bei deutschen Verbrauchern für das Thema Nachhaltigkeit bei Fisch und Meeresfrüchten recht stark ausgeprägt ist.

16.09.2020

Fischkauf: Deutsche Verbraucher fordern mehr Nachhaltigkeit

Fast neun von zehn (88 Prozent) sagen, dass sie gern bessere Informationen und Auskünfte hätten, um sicher zu gehen, dass sie beim Einkauf nicht nachhaltig gefangenen Fisch und Meeresfrüchte meiden. So ein Ergebnis der Verbraucherumfrage von GlobeScan im Auftrag des Marine Stewardship Council (MSC).

Mehr Nachhaltigkeit in Gastronomie und Handel gefordert 

Damit nicht genug: 83 Prozent der Fischesserinnen und Fischesser hierzulande stimmen der Aussage zu, dass Restaurants Gerichte mit nicht nachhaltig gefangenem Fisch von der Speisekarte nehmen sollten. Und fast ebenso viele (81 Prozent) sind der Meinung, dass Supermärkte alle Produkte mit nicht nachhaltig gefangenem Fisch oder Meeresfrüchten aus ihrem Angebot nehmen sollten.

Dass diese Forderungen nicht allein der „sozialen Erwünschtheit“ wegen formuliert, sondern auch in die Tat umgesetzt werden, mögen folgende Umfrageergebnisse verdeutlichen: 84 Prozent der Fischesserinnen und Fischesser hierzulande kaufen gelegentlich oder so oft sie können (50 beziehungsweise 34 Prozent) Fisch und Meeresfrüchte mit einem Umweltsiegel. Konkret für den Kauf von MSC-gesiegelten Produkten lauten die Ergebnisse wie folgt: Im Detail: Gefragt, wie häufig sie denn Fisch oder Meeresfrüchte mit dem MSC-Siegel kaufen, antwortete fast ein Drittel (31 Prozent) „gelegentlich“, weitere 17 Prozent mit „jedes zweite Mal“ und immerhin 35 Prozent mit „meistens“ (total 83 Prozent).

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Sorge um die Ozeane

In der umfangreichen Umfrage (in 23 Ländern durchgeführt) wurde nicht nur die Einstellung zum nachhaltigen Fischangebot im Supermarkt oder Restaurant beleuchtet. Gefragt nach der Sorge um Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane spielen Verschmutzung (etwa durch „Meeresplastik“) und „Überfischung/Rückgang von Fischarten“ nach wie vor die größte Rolle – sie belegen mit 70 beziehungsweise 50 Prozent der Stimmabgaben die Positionen eins und zwei.
Mutmaßlich spielt die „Fridays for Future“-Bewegung mit rein, jedenfalls legen die Begriffe „Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane“ (plus acht Prozentpunkte) und auch „Meeresspiegelanstieg“ (plus fünf Prozentpunkte) zu, während „Überfischung“ (minus sechs) und „Beifang“ (minus vier Prozentpunkte) gegenüber den 2018 erhobenen Daten etwas abnehmen.

Wie die Nachhaltigkeit in den Meeren gestärkt werden könnte

In der alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Umfrage werden Verbraucherinnen und Verbraucher auch nach den möglichen Perspektiven für mehr Nachhaltigkeit in den Ozeanen und für Fisch gefragt. Unveränderte Nummer-eins-Antwort bei den Deutschen: „Wir müssen die Fischbestände schützen, damit auch noch unsere Kinder und Enkel in den Genuss von Fisch kommen.“

Diese weiteren Statements erhielten die höchsten Zustimmungswerte: 

  • 2. „Die Menschen sollten sich darauf einstellen, einen anderen Fisch zu essen, sollte diese Art nachhaltiger sein.“
  • 3. „Ich möchte wissen, dass der Fisch, den ich kaufe, zu einer vertrauensvollen Herkunft zurückverfolgt werden kann.“
  • 4. „Ich würde gern mehr von Unternehmen bezüglich Nachhaltigkeit von Fisch und Meeresfrüchten hören.“
  • 5. „Um die Meere zu bewahren, dürfen wir nur Fisch und Meerestiere aus nachhaltiger Herkunft konsumieren.“ (Alle Werte sind seit 2018 leicht zurückgegangen, bis auf Punkt 4)

Vertrauen in den MSC und sein Siegel wächst

Seit gut 20 Jahren ist das blaue MSC-Siegel (erkennbar an stilisiertem Fisch und „Check“-Haken) auf dem deutschen Markt, und die Wiedererkennung erfreulich hoch: 70 Prozent der Deutschen kennen das MSC-Siegel, das sind fünf Prozentpunkte mehr als bei der letzten Erhebung vor zwei Jahren. 

Doch Kennen und Wiedererkennen ist das eine – wie sieht es mit dem Vertrauen aus? Unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die das MSC-Siegel kennen, ist das Vertrauen in die Umweltorganisation MSC sehr groß – und es wächst: 74 Prozent geben hohe Vertrauenswerte ab, ein Zuwachs von vier Prozentpunkten gegenüber 2016. Weitere 15 Prozent gaben einen mittleren Vertrauenswert an (lediglich elf Prozent haben wenig bis kein Vertrauen in den MSC).

Gefragt, ob sie MSC-zertifizierte Produkte Freunden und Bekannten weiterempfehlen würden, stimmte mehr als die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbrauchern zu: 56 Prozent (drei Prozentpunkte mehr als 2018) meinten, dass sie mit hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Empfehlung aussprechen würde.

Garnelen liegen auf einer Auslage.

Deutsche ändern ihr Einkaufsverhalten

In Deutschland gaben der repräsentativen Studie des MSC zufolge im Schnitt sechs von zehn Befragten an, ihr Einkaufsverhalten von Fisch und Meeresfrüchten in den vergangenen zwölf Monaten geändert zu haben – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Altersgruppen: Während bei den 18 bis 24-Jährigen mehr als 80 Prozent aussagten, die Art ihres Fischkonsums im vergangenen Jahr bewusst geändert zu haben, waren es bei den über 55-Jährigen „nur“ – oder auch: immerhin! – knapp 50 Prozent. 

Generationsübergreifend haben sich die Befragten dabei am häufigsten bei der Wahl ihrer Fischprodukte umorientiert: Ein Viertel gab an, in den letzten Monaten gezielter zu Produkten gegriffen zu haben, die als nachhaltig und umweltfreundlich gekennzeichnet waren, zum Beispiel durch das blaue MSC-Siegel. Jeweils zwölf Prozent haben ihren Fischhändler oder Supermarkt gewechselt, um Zugriff auf ein nachhaltigeres Fisch-Sortiment zu haben, oder sind auf andere, mutmaßlich weniger überfischte Fischarten umgestiegen.

Über die Studie

Die Umfrage wurde im Auftrag des MSC vom renommierten Meinungsforschungsinstitut GlobeScan durchgeführt. Die Befragungen fanden zwischen Januar und März 2020 statt. Befragt wurden 20.876 Verbraucherinnen und Verbraucher, in deren Haushalt in den vergangenen zwei Monaten mindestens einmal Fisch oder Meeresfrüchte gegessen wurden. Die Befragung stützt sich auf repräsentative nationale Online Panels und repräsentative Stichprobengrößen. Die Umfrage wurde in 23 Ländern durchgeführt. In Deutschland wurden 1.312 Fischesserinnen und Fischesser befragt.

Quelle: UD/pm
 

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