Geldanlage

US-Versicherungskonzerne aus Nachhaltigkeitssicht nicht zum Investment geeignet

Bei der aktuellen Branchenanalyse der Nachhaltigkeitsrating-Agentur oekom research hat es kein amerikanischer Versicherungskonzern auf die Empfehlungsliste geschafft. Zu wenig Transparenz, zu einseitig das Engagement, lautet das Fazit der Analysten. Die Münchener Experten bewerteten die weltweit bedeutendsten 43 Versicherungskonzerne nach einer Vielzahl ökologischer und sozialer Kriterien.

13.03.2007

Am besten schnitten die Unternehmen Storebrand (NO), Friends Provident (UK) und Legal & General Group (UK) ab. Sie erreichten die Note B- auf einer Bewertungsskala von A+ bis D-. Als beste deutsche Titel schnitten die Allianz (Platz 6) und die Münchener Rück (Platz 9) ab, beide mit der Note C. Insgesamt belegen vor allem europäische und japanische Versicherungskonzerne die oberen Plätze im Ranking des Münchener Analystenhauses.

"Es ist schon bemerkenswert, dass es keines der US-Unternehmen auf unsere Empfehlungsliste geschafft hat", kommentiert Senior Analyst Dietrich Wild mit Blick auf die Tatsache, dass ein Viertel der bewerteten Konzerne US-Titel sind. "Nachhaltigkeit scheint sich in diesen Häusern noch immer weitgehend auf Spenden und Sponsoring zu beschränken. Tatsache ist, dass diese Unternehmen nicht einmal ein Minimum an Engagement und Transparenz zeigen", erklärt Wild und weist auf die Konsequenzen hin: "Die wachsende Zahl an Kapitalanlegern, die Umwelt- und Sozialaspekte bei der Investmententscheidung mit einbeziehen, werden diese Titel weiterhin nicht in ihrem Investmentuniversum berücksichtigen."

Die Branchenvorreiter überzeugten vor allem durch ihre hohen Mitarbeiterstandards im Bereich Work-Life-Balance, Mitbestimmung und Chancengleichheit. Storebrand erreichte in all diesen Unterkategorien die beste Bewertung. Dass die Branche in sozialen Belangen insgesamt einige gute Ansätze zeigt, schlägt sich in der Durchschnittsnote C nieder. Im Umweltbereich dagegen fanden die Analysten nur selten überzeugende Aktivitäten. "Ein verwunderliches Phänomen. Ist der Versicherungssektor durch den Klimawandel und die daraus resultierenden Naturkatastrophen doch besonders betroffen und müsste für dieses Thema sensibilisiert sein", so Wild. "In der Regel erheben die Unternehmen noch nicht einmal systematisch ihre eigenen Ressourcenverbräuche", erklärt der Analyst und verweist auf die Durchschnittsnote D+ für den Untersuchungsbereich Ökoeffizienz. Als positives Beispiel fällt die Legal & General Group auf, die bereits seit mehreren Jahren auf kontinuierliche Energieeinsparungen setzt. Ein Zeichen setzen wollen künftig auch die Swiss Re und die Allianz Gruppe: Beide verfolgen ein umfangreiches Maßnahmenpaket, um ihren Energieverbrauch konsequent zu reduzieren. Verbleibende Emissionen, die durch Strom, Heizung und Dienstreisen entstehen, können mit dem Kauf von Kohlendioxid-Zertifikaten ausgleichen werden.

Insgesamt gewinnt das Thema Klimawandel auch bei der Kapitalanlage an Bedeutung. Versicherungen sind als institutionelle Anleger gewichtige Akteure auf den Finanzmärkten. Jedoch erst wenige achten beim Investment ihrer Eigenanlagen bereits darauf, ob Wertpapieremittenten Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen oder nicht. Bei den Fondsprodukten zur Vermögensverwaltung der Kunden dagegen fanden die Analysten bereits mehrere gute Ansätze für nachhaltige Investments. Die Bestnote vergaben die Münchener an das Unternehmen Friends Provident.

Wenig innovativ hingegen zeigt sich die Branche nach wie vor bei der umweltorientierten Produktentwicklung im Sachversicherungsgeschäft. Eine Ausnahme bildet die Sompo Japan Insurance, beispielsweise mit Rabatten für emissionsarme Fahrzeuge. Zudem deckt Sompo, wie auch die Allianz Group mit ihrem "Ökopaket", zusätzliche Kosten ab, die entstehen, wenn nach einem Schadensfall umweltfreundliche Alternativen zum versicherten Gegenstand beschafft werden können.

Verglichen mit anderen Branchen beobachten die Analysten bei den Versicherern wenig Dynamik. Selbst das Ranking innerhalb des Sektors ist im Vergleich zur letzten Branchenstudie weitgehend stabil geblieben: annähernd dieselben Vorreiter, ein deutlicher Abstand zu einem breiten Mittelfeld und eine große Anzahl an Unternehmen - meist US-amerikanische - die keinerlei Nachhaltigkeitsbemühungen zeigen. Einer der wenigen augenfälligen Aufsteiger ist die französische AXA Gruppe, der ein Sprung von der Note D+ auf ein C gelungen ist.

Wie die Versicherer ihre Hebelfunktion in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung aktiv einsetzen können und davon selbst profitieren, resümiert Dietrich Wild folgendermaßen: "Die Versicherungsbranche ist globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel besonders ausgesetzt. Wenn sie es schafft, die Wirtschaftsprozesse so zu steuern, dass Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft an Bedeutung gewinnt, senkt sie auf diese Weise ihre eigenen Risiken. Maßnahmen, um die Investitionsentscheidungen der Kunden entsprechend zu lenken wären beispielsweise Haftungsausschlüsse oder Anreize in der Prämiengestaltung." Als weiteren Aspekt führt Wild die Hebelfunktion der Eigenkapitalanlage an. Ein gezielter Kapitalfluss in ökologisch und sozial wirtschaftende Unternehmen würde einen bedeutenden Impuls am Finanzmarkt in Richtung nachhaltige Entwicklung auslösen.
Quelle: UD
 
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