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27.05.2011

Biodiversität

Brasiliens Parlament schränkt Schutzregelungen für den Regenwald ein

Wochenlang wurde die Entscheidung immer wieder aufgeschoben, gestern kam dann doch der Beschluss zur Änderung von Brasiliens Forstgesetz. Er beinhaltet, dass zu Gunsten der Agrowirtschaft mehr Wald gerodet werden darf. Damit werden auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Schutzmaßnahmen außer Kraft gesetzt. Durch den Neuentwurf befürchten Forscher einen starken Anstieg der Abholzungsrate und eine weitere Verringerung der Waldschutzgebiete in Brasilien. Der WWF fordert die Präsidentin Brasiliens auf, der Reform nicht zuzustimmen.

Foto: leoffreitas/flickr.com
Foto: leoffreitas/flickr.com
„Sechzig Prozent des Amazonas stehen auf brasilianischem Boden, er hat aber Bedeutung für die ganze Welt. Deshalb fordert der WWF den Senat und den Präsidenten Brasiliens auf, der Reform nicht zuzustimmen. Die biologische Vielfalt und das Weltklima brauchen den brasilianischen Regenwald“, sagt WWF-Experte Hernan Gutierrez. Schon im Vorfeld der Abstimmung hatte die illegale Abholzung des Regenwaldes in Brasilien dramatisch zugenommen. Allein im April wurden in Brasiliens Amazonas 477,4 Quadratkilometer Regenwald gerodet, 85 Prozent davon verschwanden im Bundesstaat Mato Grosso. Im Vergleich zu März bedeutet dies einen rasanten Anstieg um 540 Prozent. Laut WWF verschwindet der Amazonas-Regenwald in Brasilien vor allem für die Agroindustrie, insbesondere für Rinderzucht und Soja-Anbau.  

Auch das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung (NeFo) warnt: Die bereits festgestellten verstärkten Abholzungen der letzten Monate seien die Vorboten für die künftige Entwicklung. Welche Auswirkungen eine weitere intensive Entwaldung für das Ökosystem Amazonasregenwald, die Bevölkerung und das Weltklima haben können, haben deutsche Biodiversitätsforschende untersucht. Satellitenbildauswertungen des Staatlichen Institutes für Weltraumforschung (Inpe) hatten bereits eine deutlich verstärkte Aktivität von meist illegalen Abholzungen festgestellt. Besonders betroffen sei der Bundesstaat Mato Grosso, wo die Waldzerstörung von August 2010 bis April 2011 um 43 Prozent gestiegen sei.

„Diese Bilder zeigen nur, was uns in den kommenden Jahren erwarten wird." sagt Dr. Christoph Knogge, der für das „Institute of Ecological Research“ (IPE) in Brasilien die Auswirkungen von Waldzerschneidung auf die Ausbreitung von Tieren untersucht hat. „Das neue Gesetz sieht auch vor, in der Vergangenheit stattgefundene illegale Rodungen im Nachhinein zu legitimieren." Bisher waren die Verantwortlichen verpflichtet, dafür einen Ausgleich zu schaffen, dies wird nun erlassen. „Man kann davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der Rodungen in der Mato Grosso sich schon in Sicherheit fühlten." sagt Knogge. Forscher in Brasilien beschweren sich, dass das neue Gesetz mit dem Argument durchgesetzt wurde, die alten Regelungen hätten nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Dabei seien die neuen Regelungen aus Forschungssicht unvernünftig und widersprächen zudem internationalen Abkommen wie zum Beispiel dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt CBD. Hier hatte die Staatengemeinschaft mit Brasilien noch letzten Herbst verstärkte Anstrengungen zum Waldschutz beschlossen.

NeFo hat Beispiele zu den untersuchten Auswirkungen durch eine verstärkte Rodung des Amazonas in einem Themenpaket zusammengestellt. Darin wird die deutsche Forschung zu den Auswirkungen von Entwaldung auf die vielfältigen Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen der Regenwälder vorgestellt. Experten machen dazu Vorschläge zu alternativen Nutzungsformen. Themen sind unter anderen Auswirkungen auf die Funktionen der Wälder als Kohlenstoff- und Wasserspeicher, die Selbsterhaltungsfunktion des Ökosystems durch Tiere sowie Kipp-Punkte, an denen zu starke Störung schlagartig zum totalen Wandel führt.
 

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