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Biodiversität

Waldbrände: Naturnahe Mischwälder gegen die Klimakrise

Waldschützer fordern Finanzhilfen zum Tag des Baumes 2020: Naturnahe Mischwälder sind der beste Waldschutz gegen die Folgen der Klimakrise wie Brände aufgrund von Dürre. Zum Tag des Baumes am 25. April fordern Waldexperten daher, Finanzhilfen der Bundesregierung auch auf die Wälder auszuweiten.

24.04.2020

Waldbrände: Naturnahe Mischwälder gegen die Klimakrise

Zunehmende Brände oder Dürren verursachen immense Kosten und gefährden Existenzen

Naturnahe Mischwälder sind der beste Waldschutz gegen die Folgen der Klimakrise wie Brände aufgrund von Dürre. Sie speichern mehr Wasser und bleiben gerade an Hitzetagen deutlich kühler als Fichten- oder Kiefernplantagen, so Waldexpertinnen und -experten von Greenpeace, der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der Naturwald Akademie und Wohllebens Waldakademie (siehe auch unten) . Der dritte Dürrefrühling in Folge heizt derzeit die Waldkrise an. Zum Tag des Baumes am 25. April 2020 fordern sie daher, Finanzhilfen der Bundesregierung auch auf die Wälder auszuweiten. „Zunehmende Brände oder Dürren verursachen immense Kosten und gefährden Existenzen”, sagt Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace. „Die Klimakrise ist auch eine Waldkrise. Finanzhilfen müssen dem Schutz von Klima, Artenvielfalt und Gemeinwohl dienen.“

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Ausgleichszahlungen an Forstbetriebe für echte Wälder

Als Maßnahmen sollten die Bundesländer bestehende naturnahe Wälder und Moore besser schützen und Renaturierung fördern, sind sich die Expertinnen und Experten einig. Flächen, die Bränden, Dürren und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind, müssen weitgehend sich selbst überlassen werden. Greenpeace schlug bereits im vergangenen Jahr vor, wie mindestens die von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zugesicherten 800 Millionen Euro verteilt werden sollten. „Die Forstwirtschaft hat auch im dritten Dürrejahr noch nicht die notwendigen Rückschlüsse gezogen“, sagt Dr. Torsten Welle, wissenschaftlicher Leiter der Naturwald Akademie. „Es ist sehr simpel. Lassen wir den Wald wachsen und nutzen weniger Brennholz, verringern wir das CO2 in der Atmosphäre. Das sollte finanziell so attraktiv sein, dass Waldbesitzende das Holz im Wald stehen lassen, statt es zu nutzen.“ Der Wald würde derzeit nur durch den Holzverkauf in Wert gesetzt, so Tobias Wohlleben, Geschäftsführer von Wohllebens Waldakademie. Doch der ökonomische Anreiz müsse angesichts des Klimawandels auf CO2-Speicherung gesetzt werden – und zwar in Biomasse im Wald und nicht als Holzrauch in der Luft.

Wie sich geschädigte Flächen – mit und ohne menschliche Eingriffe – wieder erholen, untersucht ab dem kommenden Monat das Projekt „Pyrophob“ der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde mit Partnern. Dabei geht es vor allem darum, Empfehlungen für den Umgang mit diesen Flächen zu entwickeln und das Waldbrandrisiko zu verringern. Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Förderaufrufs „Waldbrände – Herausforderungen bei der Vermeidung und Bewältigung angehen“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Projektleiter Professor Pierre Ibisch: „Wir müssen vor allem Wälder wachsen lassen, die möglichst robust gegen die Klimakrise und wenig feueranfällig sind. Der Wald der Zukunft speichert möglichst viel Wasser in Boden, Bäumen und Totholz und kühlt sich selbst.“

Ein Baum mit grünen Blättern im See

Anmerkunge zum Kühleffekt von Wald

Im Falle des Kölner Beckens um den Hambacher Forst in Nordrheinwestfalen konnte gezeigt werden, dass der durchschnittliche Unterschied der Oberflächentemperatur (Sommer, mittags/ Nachmittag) zwischen den heißesten und den kühlsten Punkten (letztere in einem Waldgebiet) über 20 Grad Celsius betrug (Blumröder et al. 2019, Ibisch et al. 2019). Ausgedehnte, dichte und biomassereiche Wälder schaffen sich nicht nur ein die eigene Stabilität förderndes Mikroklima (Norris et al. 2011), sondern kühlen zudem ganze Landschaften in substanzieller Weise. Zwischen Großstädten wie Berlin und größeren Waldgebieten kann der Unterschied der Tagesoberflächentemperatur im Sommer über zwölf Grad Celsius betragen; zwischen aufgelichteten Kiefernforsten und alten, biomassereichen Buchenwäldern wurden an heißen Tagen Unterschiede der durchschnittlichen Maximaltemperaturen von bis circa acht Grad Celsius beobachtet (Ibisch et al. 2018 , Ibisch & Blumröder 2018 ; intl. Publikationen in Vorbereitung).

Weiterführende Literatur

Blumröder, J.S., P.L. Ibisch & S. Kriewald (2019): Hambacher Forst in der Krise (II). Temperaturmessungen zur Beurteilung der mikroklimatischen Situation des Waldes und des Randbereichs. Greenpeace, Hamburg, 19 S.

Ibisch, P.L. & J.S. Blumröder (2018): Ökosysteme unter Druck: eine stark beanspruchte Landschaft muss sich im Klimawandel behaupten. In: Ibisch, P.L., J. Kloiber & M.T. Hoffmann (Hrsg.): Barnim-Atlas. Lebensraum im Wandel. Eine Ökosystembasierte Betrachtung des Barnims zum Wohle der Menschen. Ehm-Welk-Verlag, Schwedt 63-64.

Ibisch, P.L., Blumröder, J.S. & S. Kriewald (2019): Hambacher Forst in der Krise. Studie zur Beurteilung der mikro- und mesoklimatischen Situation sowie Randeffekten. Greenpeace, Hamburg, 23 S.

Norris, C., Hobson, P. & Ibisch. P.L. (2011): Microclimate and vegetation function as indicators of forest thermodynamic efficiency. Journal of Applied Ecology 49: 562–570.

Quelle: UD/fo
 

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