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Le Monde diplomatique: Cola, Reis & Heuschrecken

Rund eine Milliarde Menschen auf der Welt haben nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang zu ausreichend Nahrung. Diese Menschen haben keine Aussicht auf ein gesundes geschweige denn besonders langes Leben. Wo die Ursachen für die globalen Hungerprobleme liegen, untersuchen die Autoren der neusten, halbjährlich erscheinenden Publikation der „Edition - Le Monde diplomatique“. Der Tenor der Ausgabe wird im Editorial von Herausgeber Jost Maurin dabei treffend zusammengefasst: „Das Problem, dass zwar genug Lebensmittel für alle Menschen produziert werden, dass diese aber nicht gerecht verteilt sind, wird durch das Agrobusiness nicht gelöst, sondern eher verstärkt.“

04.01.2012

Foto: Ed Wohlfahrt/flickr.com
Foto: Ed Wohlfahrt/flickr.com
Die mehr als 20 Experten und Autoren der Publikation berichten darüber, dass Nahrung und geeignete Anbauflächen längst zu weltweit gefragten Investitionsobjekten geworden sind. Große Agrarkonzerne zerstören die Lebensgrundlage von Kleinbauern, Investoren profitieren von Kursschwankungen auf Lebensmittel und die steigende Nachfrage nach Kraftstoffen auf der Basis nachwachsender Rohstoffe hat diesen Trend in den letzten Jahren weiter verstärkt. Der Hunger in den ärmsten Ländern der Welt wird so zu einer von den Industrienationen tolerierten Katastrophe, die durch einseitige Handelsgesetzgebung und die steigenden Bedürfnisse der Gesellschaften in Schwellenländern täglich verschärft wird. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, wenn der schweizer Soziologe in seinem Beitrag „Afrikas Hunger ist die Schuld des Westens“ schreibt: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“

Anhand zahlreicher Beispiele zeigen die Autoren dabei, wie verheerend die Auswirkungen der EU-Agrapolitik für die Lebensgrundlage von Bauern in Entwicklungsländern sind, wieso Discountgemüse und Tiefkühlshrimps Umwelt und sozialen Zusammenhalt zerstören können, und dass die Gentechnik Probleme nicht nur nicht löst, sondern zum Teil für weitere Verschlechterungen verantwortlich ist. „Am Hungerproblem, auf das Lobbyisten so gerne verweisen, geht die Gentechnik bislang vorbei“, konstatiert der freie Journalist Toralf Staud in seiner Bestandsaufnahme über den Beitrag von Monsanto, BASF, Syngenta, Bayer, Dow und Dupont/Pioneer zur Sicherstellung der Welternährung.

Vor dem Hintergrund solcher Artikel erscheint das Heft auf den ersten Blick auch folgerichtig wie eine lange Anklageschrift gegen die Gesellschaft und Wirtschaft der entwickelten Länder - dabei ist es der Umsicht der Herausgeber zu verdanken, dass auch die nicht vom Menschen gemachten Ursachen von Hunger beleuchtet werden und bereits bestehende Alternativen zur bisherigen Versorgungswirtschaft thematisiert werden. Somit gelingt es ihnen zwar nicht, dem anklagenden Grundton ihrer Publikation die Schärfe zu nehmen, wohl aber einen umfassenden Überblick über eine der schlimmsten und wohl auch überflüssigsten Katastrophen der Menschheit zu geben - den Hunger.


Jost Maurin, Barbara Bauer, Niels Kadritzke  (Hrsg.)
Edition Le Monde diplomatique 10. Cola, Reis und Heuschrecken: Welternährung im 21. Jahrhundert
112 Seiten, Taz Verlag, 2011
Preis: € 8,50
ISBN-13: 978-3937683317
Quelle: UD
 
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