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Verteilungsgerechtigkeit

2,8 Millionen Kinder in Deutschland sind arm

Mehr als ein Fünftel aller Kinder in Deutschland ist von Armut betroffen. Das hat eine neue Analyse der Bertelsmann Stiftung ergeben. Im bundesweiten Durchschnitt gab es demnach keine grundlegende Verbesserung der Situation. Die Corona-Krise droht das Problem der Kinderarmut zu verschärfen.

23.07.2020

Mit der Anwendung eines kombinierten Messansatzes ermittelte die Bertelsmann Stiftung, dass in Deutschland 21,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren von Armut bedroht sind. Oft dauert diese Situation viele Jahre an. Die Untersuchung berücksichtigte sowohl die Armutsgefährdungsquote als auch die Zahl der Kinder im Grundsicherungsbezug. Die Kinder- und Jugendarmut bleibt nach Einschätzung der Stiftung trotz der vor der Corona-Krise jahrelang guten wirtschaftlichen Entwicklung ein ungelöstes strukturelles Problem in Deutschland. Damit verbunden seien erhebliche Folgen für das Aufwachsen, das Wohlbefinden, die Bildung und die Zukunftschancen der Kinder.

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Bundesweit beziehen 13,8 Prozent der Kinder Grundsicherung (SGB II/Hartz IV). Die regionalen Unterschiede sind deutlich. Demnach haben sich etwa in Ostdeutschland Verbesserungen eingestellt. Waren dort 2014 noch 22,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Grundsicherungsbezug, waren es 2019 nur noch 16,9 Prozent. In Westdeutschland stagniert die SGB II-Quote von Kindern hingegen bei 13 Prozent. Auf Kreisebene leben in einigen Kreisen und Städten bis zu 40 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug, in anderen sind es nur zwei Prozent. Insbesondere in den Bereichen Mobilität, Freizeit und soziale Teilhabe sind Familien im SGB II-Bezug teils erheblich unterversorgt. Das zeigt ein aktuelles Factsheet der Bertelsmann Stiftung zu Kinderarmut in Deutschland, das unter anderem auf aktuellen Auswertungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) basiert.

Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2020

Die Studie „Materielle Unterversorgung von Kindern“ hat 36 Seiten und wurde verfasst von Dr. Torsten Lietzmann und Dr. Claudia Wenzig. Das komplette Dokument können Sie sich als PDF-Datei von der Internetseite der Bertelsmann Stiftung herunterladen.

Corona-Krise verschärft die Situation armer Kinder

Die Eltern der benachteiligten Kinder und Jugendlichen trifft die Corona-Krise besonders hart: Sie arbeiten häufiger in Teilzeit oder als Minijobber und gehören deswegen zu der Gruppe, die als erste ihre Jobs verlieren oder nur vergleichsweise wenig beziehungsweise gar kein Kurzarbeitergeld erhalten.

Laut Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, drohen viele arme Kinder „durchs Raster zu fallen“. Zahlreiche außerhäusliche Unterstützungsangebote staatlicher oder zivilgesellschaftlicher Natur konnten während des Corona-Lockdowns nicht fortgesetzt werden – mit Folgen für die bedürftigsten Kinder und Jugendlichen. Auch beim Homeschooling sind Kinder aus armen Verhältnissen benachteiligt, verfügen sie doch seltener über die notwendige technische Ausstattung und haben zum Teil auch keine Rückzugsräume zum ungestörten Lernen. 

24 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug haben keinen internetfähigen PC im Haushalt, 13 Prozent keinen ruhigen Platz zum Lernen. Fast die Hälfte der Kinder wohnt in einer Wohnung, in der nicht ausreichend Zimmer zur Verfügung stehen. Insgesamt kritisiert Dräger die zu geringen Anstrengungen der Politik, um Kinderarmut zu reduzieren: „Die Politik tut zu wenig, um Kindern Armut zu ersparen. Gerade die Corona-Krise droht die Situation noch zu verschärfen. Die Politik muss jetzt handeln!“

Mit einem Teilhabegeld Kinderarmut verhindern

Dräger sorgt sich, dass in der Krise nicht genug gegen Kinderarmut unternommen wird: „Die Vermeidung von Kinderarmut muss gerade in der Corona-Krise politische Priorität bekommen.“ Er fordert deshalb neue sozial- und familienpolitische Konzepte. Notwendig sei eine transparente und teilhabesichernde finanzielle Leistung für Kinder und Jugendliche, die Armut vermeidet. Vorschläge für ein Teilhabegeld oder eine Grundsicherung für Kinder lägen auf dem Tisch. Dazu gehörten laut Dräger auch Strukturen für eine konsequente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Denn auch hier habe die Corona-Krise gezeigt, wie die Wünsche und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen von der Politik nicht richtig erfasst und sie auf ihre Rolle als Schülerinnen und Schüler reduziert würden.

Die Bertelsmann Stiftung will sich in den kommenden Monaten intensiv mit der Perspektive von Kindern und Jugendlichen auf das Thema auseinandersetzen und startet eine Initiative #StopptKinderarmut in den sozialen Medien.

Quelle: UD/pm
 

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