Politik

Nachhaltigkeit im Fußball: Mehr als eine langfristige Jugendausbildung

Wie keine andere Sportart steht der Fußball in Deutschland für große Emotionen und die Begeisterung von Millionen Menschen. Bei der Bewertung dieses Phänomens wird oftmals übersehen, dass sich die meisten Vereine der 1. Bundesliga in den letzten Jahren zu international operierenden Wirtschaftsunternehmen gewandelt haben. Wie in der restlichen Wirtschaft gewinnt das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) daher auch im Fußball an Bedeutung. Das Engagement der Vereine geht dabei weit über die übliche Beschäftigung mit Themen, wie etwa dem Kampf gegen Rassismus oder die Ausbildung von Jugendlichen hinaus, der Fußball selbst wird zum Multiplikator gesellschaftlicher Verantwortung.

16.03.2011

Foto: funky1opti/flickr.com
Foto: funky1opti/flickr.com
Noch ist nicht abzusehen, in welchen Dimensionen Nachhaltigkeit im Fußball verwirklicht wird. Während der VFL Wolfsburg zum 1. Juli 2010 einen eigenen CSR-Bereich eingerichtet hat und der Hamburger SV 2009 eine eigene CSR-Studie vorlegte, befinden sich andere Vereine noch in der Planungsphase oder haben noch kein konkretes Angebot. Viele Bundesligisten können bei ihren Programmen aber auf eine lange Tradition als Partner ihrer jeweiligen Heimatregion zurückblicken. Welche Bedeutung der Fußball bei der Förderung von Nachhaltigkeit dabei einnehmen kann, verdeutlicht Dr. Theo Zwanziger, Präsident Deutscher Fußball Bund (DFB), auf der Homepage des DFB: „Der Fußball kann wie kein anderer ‚Botschafter‘ in unserer Gesellschaft Werte vermitteln. Die riesige Begeisterung für unseren Sport versetzt uns darüber hinaus in die Lage, karitative und humanitäre Maßnahmen auf finanziell hohem Niveau zu unterstützen. Die kommerzielle Seite des Profifußballs und unsere Gemeinnützigkeit sind kein Widerspruch.“

Vision „Green Stadium“

Fußballstadien sind oftmals beeindruckende Belege des Leistungsvermögens moderner Architektur. Sie sollen Emotionalität für die Besucher sicherstellen und gleichzeitig größtmögliche Funktionalität gewährleisten. Zusätzlich zu diesen beiden Säulen entdecken immer mehr Vereine die wirtschaftlichen und ökologischen Chancen, die mit einem ressourcensparenden Stadionmanagement verbunden sind. Beispiel Hamburg: Mit der Übernahme der Stadionpartnerschaft durch das Energieunternehmen Imtech initiierte der Hamburger SV eine anspruchsvolle Energievision. Ab der Saison 2010/2011 soll der Energiebedarf des Stadionareals schrittweise um 50 Prozent gesenkt werden. Zum Erreichen dieses Ziels analysiert Imtech momentan das Stadion sowie das umliegende Gelände, wobei die Rasenheizung dabei ebenso im Blick ist, wie die Effizienzsteigerung der Wärme-, Kälte-, Luft- und Klimatechnik sowie eine moderne Gebäudeautomatisierung.

Auch der VFL Wolfsburg hat die Einsparpotenziale beim Energie- und Ressourcenmanagement der Volkswagen-Arena erkannt. Bereits vor einigen Jahren haben die Verantwortlichen des Vereins ein Umweltmanagementsystem für das Stadion entwickelt und umgesetzt. Im Zuge der Frauenfußball-WM 2011 soll das Programm erstmals vom Öko-Institut überprüft und zertifiziert werden. Diese Entwicklung ist Teil des Programms „Green Goal 2011“, mit dem das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft sowie der Bundesligist die negativen Auswirkungen der WM auf die Umwelt am Standort Wolfsburg nach Möglichkeit vermeiden oder durch Investitionen in Klimaschutzprojekte ausgleichen wollen. Im Endeffekt sollen die Maßnahmen dafür sorgen, die Weltmeisterschaft „klimafair“ zu gestalten und gleichzeitig den Fußballstandort Wolfsburg auch zukünftig nachhaltig aufzustellen.

Bildung als gemeinsame Verantwortung

Traditionell steht jedoch vor allem das soziale Engagement der Vereine im Blickpunkt. Gerade für Kinder und Jugendliche sind Fußballprofis oftmals mehr als gut verdienende Sportler - sie sind Helden und Vorbilder. Diesen Umstand nutzt der Bundesligist 1. FSV Mainz 05 für sein Programm „05er-Klassenzimmer“. Mit ihm sollen Heranwachsende früh für Themen wie Fairplay und Umwelt, Sucht- und Gewaltprävention oder Gesundheit und Ausgrenzung sensibilisiert werden. Zusammen mit 20 Partnerschulen hat der Verein sechs Basismodule entwickelt, die die Schulen zweimal im Jahr anfragen können. Spieler und Verantwortliche des Vereins sowie externe Experten besuchen dabei die Schulen und „unterrichten“ Schüler über die verschiedenen Möglichkeiten, gesellschaftliche Verantwortung zu erkennen und wahrzunehmen. Durch die Schaffung einer festen Stelle durch Mainz 05 steht den Schulen zudem ganzjährig ein Ansprechpartner zur Verfügung.

Auch Werder Bremen nutzt die Popularität des Fußballs und von Fußballern, um weltweit Bildung zu fördern und benachteiligten Jugendlichen zu einem besseren Start ins Leben zu verhelfen. Mit seinem Programm „100% Werder WorldWide“ unterstütz der Verein Schulen und Organisationen in über 15 Ländern. Das Angebot reicht dabei von der Vermittlung von Praktikumsplätzen oder der Schulung ausländischer Lehrer in Deutschland über die Unterstützung von Schulen mit Sportartikeln bis hin zur aktiven Teilnahme des Werder-Kaders an Förderevents zugunsten einzelner Projekte. Mit Wynton Rufer konnte 2009 zudem ein bekannter ehemaliger Werderprofi als Schirmherr der Initiative vorgestellt werden. Weitere Projekte dieser Art finden sich bei vielen Fußballvereinen Deutschlands.

Seite an Seite mit dem DFB

Neben solchen zahlreichen Initiativen der Vereine will sich auch der Deutsche Fußball Bund in Zukunft verstärkt seiner gesellschaftlichen Verantwortung widmen. Dass man dabei kein Neuland betrete, aber gerade im Bereich der Koordination noch Nachholbedarf habe, erklärte Zwanziger anlässlich einer Pressekonferenz zur konstituierenden Sitzung der „Nachhaltigkeitskommission" im Januar 2011: „Die vielen gemeinnützigen und gesellschaftspolitischen Bereiche, in denen Fußball seit Jahren fest verankert ist, haben auf den ersten Blick nicht unbedingt viel gemeinsam. Eine verstärkte Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Bereichen sowie der kritische Blick der externen Berater auf das Tun des Verbandes sind sinnvoll, da all diese Bereiche den werteorientieren Fußball ausmachen, für die der Deutsche Fußball-Bund steht und auch in Zukunft nachhaltig stehen will." Ziel der Kommission ist es, bis zum DFB-Bundestag 2013 „sinnvolle Maßnahmen im Geiste der Nachhaltigkeit und des werteorientierten Fußballs in Deutschland“ zu entwickeln und auf den Weg zu bringen, so DFB-Vizepräsident Karl Rothmund.
Quelle: UD
 
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