Die OECD hat die Berichtspflichten in sozialen und ökologischen Sorgfaltspflichtengesetzen systematisch kartiert – und ein strukturelles Problem freigelegt: Unternehmen müssen dieselben Informationen für verschiedene Regelwerke mehrfach erheben, weil die Anforderungen zu stark voneinander abweichen. Wer Compliance-Kosten wirklich senken will, muss mehr tun als einzelne Regeln vereinfachen.
Ein Testat auf dem Nachhaltigkeitsbericht gilt vielen Unternehmen als Qualitätsbeweis. Doch eine neue wissenschaftliche Literaturübersicht zeigt: Die bloße Existenz einer externen Prüfung sagt wenig über deren Gehalt aus. Ob ein Assurance-Statement tatsächlich Glaubwürdigkeit schafft oder sie nur vortäuscht, hängt von Qualität, Klarheit und dem Vertrauen der Stakeholder ab – und diese drei Faktoren variieren erheblich.
Österreich hat mit dem Nachhaltigkeitsberichtsgesetz (NaBeG) die EU-Richtlinie zur Unternehmens-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) in nationales Recht überführt. Das Gesetz trat am 19. Februar 2026 in Kraft und ersetzt das bisherige NaDiVeG. Rund 120 heimische Konzerne müssen ihre ESG-Daten künftig nach einheitlichen europäischen Standards offenlegen, extern prüfen lassen und in den Lagebericht integrieren. Was bisher als freiwilliger Reputationsgewinn galt, wird damit zur handfesten Rechtspflicht.
AI-Systeme wie ChatGPT, Claude und Copilot werden zu unsichtbaren Gatekeepern zwischen Unternehmen und ihren Anspruchsgruppen. Sie extrahieren, gewichten und kontextualisieren Informationen — und prägen so das öffentliche Bild eines Unternehmens, oft ohne dessen Einfluss. Wer seine Strategie und Nachhaltigkeitsleistung nicht klar strukturiert und maschinenlesbar kommuniziert, verliert die Deutungshoheit über die eigene Reputation.
Die EU hat mit dem Omnibus-I-Paket über 90 Prozent der Unternehmen von der Nachhaltigkeitsberichtspflicht befreit – im Namen der Wettbewerbsfähigkeit. Doch Experten, die Europäische Zentralbank und ein Investorenblock mit 6,6 Billionen Euro verwaltetem Vermögen widersprechen: Nachhaltigkeit ist kein Kostenfaktor, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Der Rückzug könnte Europa teuer zu stehen kommen.
Die wichtigsten Rechtsgrundlagen der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung — von der CSRD über die ESRS bis zum Omnibus-Vereinfachungspaket, das den Anwendungsbereich neu zuschneidet.
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