Glossar — ESG, CSRD, EmpCo & Nachhaltigkeitsbegriffe · UmweltDialog

Glossar

Die Sprache der
Nachhaltigkeitsregulierung. Erklärt.

Über 65 Begriffe aus ESG-Reporting, EU-Regulatorik, Klima- und Lieferketten-Recht, kompakt erklärt von der UmweltDialog-Redaktion. Jeder Eintrag mit Stand-Anzeige (Status der Regelung), Themen-Tag und Verlinkung zu vertiefenden Artikeln.

65 Begriffe
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Themen-Tags & Status-Anzeige
Regulator.EU- und nationales Recht ReportingBerichterstattung & Standards KlimaKlimaschutz & Emissionen Lieferk.Lieferketten-Sorgfalt FinanzSustainable Finance Org.Institutionen & Initiativen KonzeptGrundbegriffe & Methoden NeuNeu seit 2024
A2 Begriffe

Abfallmanagement

Systematischer Umgang mit betrieblichen Abfällen mit dem Ziel, Aufkommen zu reduzieren, Wertstoffe zurückzugewinnen und Entsorgungskosten zu senken. Im ESG-Reporting Teil von ESRS E5 (Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft). Wesentliche Hebel: Vermeidung, Trennung, stoffliche Verwertung vor energetischer Nutzung.

Arbeitssicherheit

Schutz von Beschäftigten vor arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken. In Deutschland geregelt durch Arbeitsschutzgesetz und Berufsgenossenschaften (gesetzliche Unfallversicherung). Im ESG-Kontext Teil der „S"-Dimension und in ESRS S1 (Eigene Belegschaft) berichtspflichtig: Unfallquote, Verletzungsschwere, Präventionsmaßnahmen.

B2 Begriffe

BAFA

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

Bundesbehörde mit Sitz in Eschborn, die in Nachhaltigkeitsfragen vor allem für die Durchsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) zuständig ist. Prüft die Berichte verpflichteter Unternehmen und kann Bußgelder verhängen. Veröffentlicht Praxis-Handreichungen zur risikobasierten Sorgfalt.

Biodiversität

Vielfalt von Arten, Genen und Ökosystemen. Wirtschaftliche Relevanz steigt durch EU Nature Restoration Law (2024 in Kraft), ESRS-Standard E4 (Biologische Vielfalt und Ökosysteme) und die TNFD-Empfehlungen für naturbezogene Finanzrisiken. Biodiversitätsverluste werden zunehmend als finanzielles Risiko erfasst.

C11 Begriffe
Übergang bis 2025

CBAM

Carbon Border Adjustment Mechanism

EU-CO₂-Grenzausgleichsmechanismus, der einen Klimaschutz-Preis auf Importe aus Nicht-EU-Ländern erhebt — für Eisen, Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Strom und Wasserstoff. Ziel: Verhinderung von Carbon Leakage. Übergangsphase: seit Oktober 2023; volle Anwendung ab 1. Januar 2026 mit Zertifikat-Pflicht. Betrifft alle EU-Importeure dieser Waren.

CDP

Carbon Disclosure Project

Britische gemeinnützige Organisation (gegr. 2000), die Unternehmen weltweit zur Offenlegung ihrer Klima-, Wald- und Wasserdaten auffordert. Die jährliche CDP-Fragebogen-Bewertung (A bis D−) ist ein wichtiger ESG-Rating-Anker und Voraussetzung für viele Investoren-Anforderungen. Über 23.000 Unternehmen berichteten 2024.

CO₂-Fußabdruck

Bilanz aller Treibhausgas-Emissionen eines Produkts, einer Organisation oder einer Aktivität, ausgedrückt in CO₂-Äquivalenten (CO₂eq). Berechnet nach GHG Protocol oder ISO 14064/14067. Unterschieden nach Scope 1 (direkt), Scope 2 (Energie eingekauft) und Scope 3 (Lieferkette und Nutzung). Achtung: EmpCo verbietet ab 2026 ungeprüfte „klimaneutral"-Aussagen.

CO₂-Kompensation

Ausgleich von Emissionen durch Investitionen in Klimaschutzprojekte (Aufforstung, erneuerbare Energien). Wichtige Einschränkung: Vermeidung und Reduktion sind Kompensation immer vorzuziehen. Seit dem BGH-Urteil zu „klimaneutral" (2024) und der EmpCo-Richtlinie ab September 2026 dürfen Kompensations-basierte „klimaneutral"-Claims nur noch mit klaren Belegen geführt werden.

Corporate Citizenship

Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen in der Zivilgesellschaft — über das eigentliche Geschäft hinaus. Umfasst Spenden, Stiftungstätigkeit, Corporate Volunteering und Sponsoring. Wird im CSR-Konzept als „freiwilliges Engagement" beschrieben, hat sich aber teilweise zur strategischen Stakeholder-Bindung weiterentwickelt.

Corporate Governance

Regeln, Prozesse und Strukturen, die das Verhältnis zwischen Unternehmensführung, Aufsichtsorganen, Eigentümern und Stakeholdern steuern. Im ESG-Kontext die „G"-Dimension — abgebildet in ESRS G1 (Unternehmensführung). In Deutschland ergänzt durch den Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), zuletzt 2022 aktualisiert.

Welle 2 aktiv

CSRD

Corporate Sustainability Reporting Directive

EU-Richtlinie 2022/2464 zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Verpflichtet große und börsennotierte Unternehmen in der EU zur Veröffentlichung umfassender Nachhaltigkeitsberichte nach ESRS-Standards. Welle 1: 2024 (große Unternehmen mit ≥500 Beschäftigten, NFRD-Vorgänger). Welle 2: 2025. Durch das EU-Omnibus-Paket (2025) wurde der Anwendungsbereich erheblich reduziert.

Umsetzung

CSDDD

Corporate Sustainability Due Diligence Directive

EU-Richtlinie zur Sorgfaltspflicht in der Wertschöpfungskette für Menschenrechte und Umwelt. Verabschiedet 2024, durch Omnibus 2025 erheblich modifiziert (höhere Schwellenwerte, verzögerte Anwendung). Verpflichtet große Unternehmen, Risiken in ihrer Lieferkette zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu treffen. Erste Wirkung: 26. Juni 2027.

CSR (Corporate Social Responsibility)

Konzept der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung — freiwillige Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ethischer Belange. Heute weitgehend durch den Begriff ESG abgelöst, der quantifizierbare und regulierbare Dimensionen stärker betont. CSR-Berichte (NFRD) wurden 2024 durch CSRD-Berichterstattung ersetzt.

Corporate Volunteering

Förderung des ehrenamtlichen Engagements von Beschäftigten durch das Unternehmen — etwa durch bezahlte Freistellung („Social Days"), Kompetenz-Vermittlung an gemeinnützige Organisationen oder Matching-Programme. Element des Corporate Citizenship.

Circular Economy / Kreislaufwirtschaft

Wirtschaftsmodell, das Materialkreisläufe schließt — durch Wiederverwendung, Reparatur, Aufarbeitung und Recycling. EU-Aktionsplan Kreislaufwirtschaft (2020) zielt auf höhere Rohstoffeffizienz; gleichzeitig in ESRS E5 berichtspflichtig. Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) erweitert Anforderungen ab 2026.

D2 Begriffe

Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)

2011 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung beschlossener Berichtsrahmen für deutsche Unternehmen. 20 Kriterien zu Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft. Seit der CSRD-Einführung wird der DNK weiterentwickelt — 2024 als CSRD-kompatibler „DNK 4.0" überarbeitet, der auch VSME-Anforderungen unterstützt.

Doppelte Materialität

Kernkonzept der CSRD: Ein Thema ist nicht nur dann berichtspflichtig, wenn es das Unternehmen finanziell betrifft (Outside-In / „Financial Materiality"), sondern auch, wenn das Unternehmen das Thema beeinflusst (Inside-Out / „Impact Materiality"). Beide Perspektiven gleichberechtigt zu prüfen unterscheidet ESRS deutlich vom älteren Materialitätsbegriff (z. B. nach GRI). Die Materialitätsanalyse ist Pflicht-Vorstufe jedes CSRD-Berichts.

E9 Begriffe
Anwend. ab 09/2026

EmpCo-Richtlinie

Empowering Consumers for the Green Transition Directive

EU-Richtlinie 2024/825, die unbelegte Umweltaussagen („grüne Behauptungen") in der Werbung verbietet. Ab dem 27. September 2026 sind allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich", „nachhaltig" oder „klimaneutral" nur noch zulässig, wenn sie durch nachprüfbare Daten gestützt werden. Ergänzt wird sie durch die geplante Green Claims Directive.

Emissionen (Scope 1, 2, 3)

Treibhausgas-Ausstoß, im GHG Protocol in drei Scopes unterteilt: Scope 1 — direkte Emissionen aus eigenen Quellen (Fahrzeuge, Heizung). Scope 2 — indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie. Scope 3 — alle anderen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Lieferanten, Produktnutzung, Entsorgung). Scope 3 macht bei den meisten Unternehmen 70–90 % der Gesamtemissionen aus und ist nach ESRS E1 berichtspflichtig.

Aktiv

Emissionshandel (EU ETS)

EU-Instrument zur Reduktion von Treibhausgasen. Energieintensive Industrien und Stromerzeuger müssen für jede ausgestoßene Tonne CO₂ ein Zertifikat erwerben. Seit 2024 erweitert auf den Seeverkehr; ab 2027 startet EU ETS 2 für Wärme und Straßenverkehr (Brennstoffe). Der CO₂-Preis liegt 2025 bei rund 70–90 €/t.

ESG (Environmental, Social, Governance)

Drei Dimensionen unternehmerischer Nachhaltigkeit: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung. Ursprünglich aus dem Investment-Bereich (UN PRI, 2006) — heute der dominierende Sammelbegriff für regulatorische, finanzielle und unternehmerische Nachhaltigkeitsfragen. ESG ist messbarer und quantifizierbarer als der ältere CSR-Begriff. In den USA seit 2023 politisch umstritten („Anti-ESG"-Bewegung).

Set 1 aktiv

ESRS

European Sustainability Reporting Standards

Vom EFRAG entwickelte Berichtsstandards, die die CSRD operationalisieren. Set 1 (sektorübergreifend) ist seit 2024 in Kraft — 12 Standards zu Querschnittsthemen (ESRS 1+2), Klima (E1), Verschmutzung (E2), Wasser (E3), Biodiversität (E4), Kreislaufwirtschaft (E5), Belegschaft (S1), Lieferkette (S2), Gemeinden (S3), Verbraucher (S4), Governance (G1). Set 2 (sektorspezifisch) war für 2026 vorgesehen, durch Omnibus pausiert.

Aktiv

EU-Taxonomie

Klassifizierungssystem (VO 2020/852), das festlegt, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als „ökologisch nachhaltig" gelten. Sechs Umweltziele: Klimaschutz, Klimaanpassung, Wasser, Kreislaufwirtschaft, Verschmutzung, Biodiversität. Unternehmen mit CSRD-Pflicht müssen den Taxonomie-Anteil ihres Umsatzes, ihrer CapEx und OpEx angeben. Praktische Herausforderung: hohe Datentiefe, viele Aktivitäten noch nicht spezifiziert.

Anwend. ab 2025/26

EUDR

EU Deforestation Regulation

EU-Verordnung 2023/1115 gegen entwaldungsbedingte Produkte. Verpflichtet Importeure und Exporteure von Rindern, Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja, Holz und Kautschuk zum Nachweis, dass die Produkte nicht zur Entwaldung beigetragen haben (Stichtag 31.12.2020). Geokoordinaten der Anbau-Flächen sind verpflichtend. Anwendung: 30. Juni 2025 für Großunternehmen, 30. Juni 2026 für KMU.

EFRAG

European Financial Reporting Advisory Group

Private gemeinnützige Organisation in Brüssel, die die ESRS-Standards für die EU-Kommission entwickelt. Veröffentlicht regelmäßig Praxis-Guidance, FAQs und Anwendungshilfen. EFRAGs Konsultationen sind das wichtigste Forum zur Mitwirkung an der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung.

ESG-Rating

Bewertung der Nachhaltigkeitsperformance eines Unternehmens durch spezialisierte Anbieter — MSCI ESG, Sustainalytics, ISS ESG, S&P Global, Moody's ESG. Ratings variieren stark zwischen Anbietern, weil Methodik, Datenquellen und Gewichtung unterschiedlich sind. EU-ESG-Rating-Verordnung 2024/3005 regelt erstmals Transparenz und Aufsicht der Anbieter; Anwendung ab 2026.

F1 Begriff

Fair Trade

Handelsprinzip, das Produzenten in Schwellen- und Entwicklungsländern faire Preise, Vorfinanzierung und langfristige Handelsbeziehungen zusichert. Wichtigste Standards: Fairtrade International (FLO), GEPA, Rainforest Alliance. Im Lebensmittel- und Textilsektor verbreitet. Achtung: Im EmpCo-Kontext werden auch Fair-Trade-Claims auf Belegbarkeit geprüft.

G4 Begriffe

GHG Protocol

Greenhouse Gas Protocol

Weltweit dominierender Standard zur Bilanzierung von Treibhausgas-Emissionen. Entwickelt vom World Resources Institute (WRI) und World Business Council for Sustainable Development (WBCSD). Definiert die Scope-1/2/3-Logik und ist Grundlage für CDP, SBTi, ESRS E1 und nahezu alle anderen Klima-Reporting-Frameworks.

GRI

Global Reporting Initiative

Niederländische Stiftung mit Sitz in Amsterdam, die seit 1997 weltweit anerkannte Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt. Aktuell: GRI Standards 2021 (Universal Standards + Topic Standards + Sector Standards). GRI ist weiterhin parallel zu ESRS nutzbar und in vielen außereuropäischen Märkten Standard.

Greenhushing

Gegenphänomen zum Greenwashing: Unternehmen kommunizieren weniger über ihre Nachhaltigkeitsleistungen, aus Sorge vor rechtlichen Risiken (EmpCo, BGH-Urteile) oder politischen Anfeindungen (Anti-ESG-Bewegung). Studien 2024 zeigen, dass über 80 % der befragten Unternehmen erwägen, ESG-Aussagen einzuschränken. Problematisch, weil Nachhaltigkeits-Vorbilder unsichtbar werden.

Greenwashing

Irreführende Kommunikation von Nachhaltigkeitsleistungen — vage Aussagen, übertriebene Behauptungen, fehlende Belege. EmpCo-Richtlinie ab September 2026 und das BGH-Urteil zu „klimaneutral" (2024) machen Greenwashing zunehmend rechtlich angreifbar. Wettbewerbsrechtliche Abmahnungen durch DUH und Verbraucherschutzverbände nehmen zu.

I2 Begriffe

IFRS S1 / S2 (ISSB-Standards)

Globale Nachhaltigkeitsberichts-Standards des International Sustainability Standards Board (ISSB), einer Tochter der IFRS Foundation. IFRS S1 regelt allgemeine Nachhaltigkeits-Offenlegungen, IFRS S2 klimabezogene Offenlegungen. Adoptiert von vielen Ländern außerhalb der EU (UK, Japan, Brasilien). Interoperabilität mit ESRS wird angestrebt — aber nicht vollständig erreicht.

ILO

International Labour Organization

UN-Sonderorganisation mit Sitz in Genf, zuständig für internationale Arbeits- und Sozialstandards. Die ILO-Kernarbeitsnormen (Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit, Nichtdiskriminierung) sind zentrale Referenz in LkSG, CSDDD und anderen Sorgfaltspflichten-Gesetzen.

K2 Begriffe

Klimaneutralität

Zustand, in dem Treibhausgas-Emissionen durch Reduktion und Kompensation auf netto null gebracht werden. BGH-Urteil 2024: Unternehmen dürfen sich nur dann als „klimaneutral" bezeichnen, wenn sie konkret und nachvollziehbar erklären, wie diese Aussage zustande kommt — Reduktions- und Kompensationsanteile transparent ausweisen. EmpCo verschärft ab September 2026.

Klimarisiko

Finanzielle und operative Risiken aus dem Klimawandel — unterschieden in physische Risiken (Hitzeschäden, Überschwemmungen, Ernteausfälle) und transitorische Risiken (Regulierung, Marktveränderungen, technologische Disruption). Berichtspflichtig nach ESRS E1, TCFD und IFRS S2. Banken und Versicherer müssen Klimarisiken zunehmend in Kreditentscheidungen einrechnen.

L1 Begriff
Aktiv

LkSG

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

Deutsches Gesetz seit 1. Januar 2023, das große Unternehmen (ab 2024: ≥1.000 Beschäftigte) zur Sorgfaltsprüfung in der Lieferkette verpflichtet. Konkrete Pflichten: Risikoanalyse, Präventionsmaßnahmen, Beschwerdesystem, Berichtspflicht. Durchsetzung durch das BAFA. Wird durch die EU-CSDDD ab 2027 schrittweise harmonisiert.

M1 Begriff

Materialitätsanalyse

Strukturierte Prüfung, welche Nachhaltigkeitsthemen für ein Unternehmen wesentlich sind — sowohl mit Blick auf finanzielle Auswirkungen als auch auf Auswirkungen der Geschäftstätigkeit (siehe Doppelte Materialität). Pflichtvorstufe jedes CSRD-Berichts. Methoden variieren stark; EFRAG hat 2024 erste Praxis-Guidance veröffentlicht.

N3 Begriffe

Nachhaltigkeit

Handlungsprinzip der Generationengerechtigkeit: Bedürfnisse der Gegenwart so befriedigen, dass die Möglichkeiten künftiger Generationen nicht eingeschränkt werden (Brundtland-Definition, 1987). Operationalisiert über die drei Dimensionen ökologisch, sozial, ökonomisch. Im Wirtschafts-Kontext heute weitgehend durch das messbarere ESG-Konzept abgelöst.

Net Zero

Strenger Klimaziel-Begriff: Netto-Null-Emissionen, bei denen Restemissionen nur durch permanente Senken (z. B. CCS, Aufforstung) ausgeglichen werden. Wissenschaftlich abgegrenzt vom unschärferen Begriff „klimaneutral", der oft auch temporäre Kompensationen einschließt. Die Science Based Targets initiative (SBTi) hat 2021 den ersten globalen Net-Zero-Standard veröffentlicht.

NFRD (historisch)

Non-Financial Reporting Directive

Vorgänger der CSRD: EU-Richtlinie 2014/95, die ab 2017 große kapitalmarktorientierte Unternehmen zur nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtete. Seit 2024 durch CSRD abgelöst. Heute historisch — relevant nur noch für Vergleichbarkeit alter Berichte.

O1 Begriff
Aktiv seit 2025

Omnibus / EU-Omnibus-Paket

Sammelbegriff für das im Februar 2025 von der EU-Kommission vorgelegte „Vereinfachungs-Paket", das mehrere zentrale Nachhaltigkeits-Richtlinien gleichzeitig modifiziert: CSRD, CSDDD, EU-Taxonomie, CBAM. Effekt: Anwendungsbereiche reduziert (Schwellenwerte erhöht), Anwendungsdaten verschoben, manche Anforderungen gestrichen. Trilogergebnis ab November 2026 erwartet. Schätzung: 85 % weniger CSRD-pflichtige Unternehmen.

P2 Begriffe

Pariser Klimaabkommen

Völkerrechtlicher Vertrag von 2015, dem 195 Länder beigetreten sind. Ziel: globale Erderwärmung „deutlich unter 2 °C, möglichst auf 1,5 °C" begrenzen. Operationalisiert durch nationale Klimabeiträge (NDCs). Referenz für nahezu alle Unternehmens-Klimaziele — z. B. die SBTi-Methodik.

UN PRI

Principles for Responsible Investment

Initiative der Vereinten Nationen (gegr. 2006), die institutionelle Investoren zur Integration von ESG-Kriterien in Anlageentscheidungen verpflichtet. Sechs Prinzipien, über 5.000 Unterzeichner mit zusammen mehr als 120 Billionen US-Dollar Vermögen. Hat den Begriff „ESG" in der Finanzwelt etabliert.

S5 Begriffe

SBTi

Science Based Targets initiative

Globale Initiative von CDP, UN Global Compact, WRI und WWF, die Unternehmen bei der Festlegung wissenschaftsbasierter Klimaziele im Einklang mit dem Pariser Abkommen unterstützt. Über 7.000 Unternehmen haben ihre Ziele validieren lassen (Stand 2025). Der Net-Zero-Standard der SBTi ist die wichtigste Referenz für glaubwürdige Klimaneutralitäts-Versprechen.

SDGs

Sustainable Development Goals

17 globale Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, 2015 verabschiedet, mit 2030 als Zieljahr. Reichen von Armutsbekämpfung über Bildung und Gleichberechtigung bis zu Klimaschutz und Frieden. Im Unternehmens-Kontext oft als „Mapping"-Rahmen für CSR-/Nachhaltigkeitsaktivitäten verwendet — kritisch, weil SDG-Mapping ohne Wirkungsmessung leicht in Greenwashing kippt.

SFDR

Sustainable Finance Disclosure Regulation

EU-Verordnung 2019/2088, die Finanzmarktteilnehmer zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen verpflichtet. Klassifiziert Finanzprodukte in Artikel 6 (allgemein), Artikel 8 (ökologisch/sozial werbend) und Artikel 9 (Nachhaltigkeit als Ziel). Die Verordnung wird derzeit überarbeitet — Kommissions-Vorschlag wird 2026 erwartet.

Stakeholder

Anspruchsgruppen eines Unternehmens — alle, die von dessen Handeln betroffen sind oder darauf Einfluss nehmen können: Beschäftigte, Kunden, Lieferanten, Investoren, Behörden, Anwohner, NGOs. Stakeholder-Dialog ist nach CSRD eine Voraussetzung der Materialitätsanalyse.

Supply Chain Management

Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Im ESG-Kontext eng verbunden mit Lieferkettensorgfalt (LkSG, CSDDD) und Scope-3-Emissionen. Wichtige Werkzeuge: Lieferanten-Audits, Verhaltenskodizes, ESG-Datenanforderungen, Beschwerdesysteme.

T3 Begriffe

TCFD

Task Force on Climate-related Financial Disclosures

2015 vom Financial Stability Board eingesetzte Arbeitsgruppe, die Empfehlungen für klimabezogene Finanzoffenlegungen entwickelte. Vier Säulen: Governance, Strategie, Risikomanagement, Kennzahlen & Ziele. 2024 in den ISSB-Standard IFRS S2 überführt. TCFD-Logik prägt auch ESRS E1.

TNFD

Task Force on Nature-related Financial Disclosures

Analog zur TCFD entwickelte Initiative für naturbezogene Risiken. Empfehlungen veröffentlicht im September 2023. Ziel: Unternehmen sollen Risiken aus Biodiversitätsverlust, Ökosystemzerstörung und Naturkapital-Abbau finanziell sichtbar machen. Beeinflusst ESRS E4.

Treibhauseffekt

Erwärmung der Erdatmosphäre durch Gase, die langwellige Wärmestrahlung absorbieren. Natürlicher Treibhauseffekt hält die Durchschnittstemperatur bei +15 °C statt −18 °C; anthropogener Treibhauseffekt verstärkt diese Erwärmung durch zusätzliche Emissionen (CO₂, Methan, Distickstoffmonoxid, F-Gase). Hauptursache des Klimawandels.

U2 Begriffe

UN Global Compact

UNGC

Initiative der Vereinten Nationen (gegr. 2000) für verantwortungsvolle Unternehmensführung. Mitglieder verpflichten sich auf 10 Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Korruptionsbekämpfung. Über 1.000 deutsche Mitgliedsunternehmen, weltweit über 20.000. Jährlicher Communication on Progress (CoP) ist Pflicht.

UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte

UN Guiding Principles on Business and Human Rights (UNGPs)

2011 vom UN-Menschenrechtsrat angenommenes Rahmenwerk (Ruggie-Prinzipien). Drei Säulen: Schutz (Staaten), Achtung (Unternehmen), Zugang zu Wiedergutmachung (Betroffene). Grundlage für nahezu alle modernen Sorgfaltspflichten-Gesetze (LkSG, CSDDD) und Standards (OECD-Leitsätze).

V2 Begriffe

Verhaltenskodex / Code of Conduct

Selbstverpflichtende Regeln für ethisches Verhalten innerhalb eines Unternehmens und gegenüber Geschäftspartnern. Im LkSG-/CSDDD-Kontext: Verbindlich an Lieferanten weiterzugeben, mit Audit- und Sanktionsmechanismen. Ohne wirksame Durchsetzung als rein deklaratorisches Dokument wertlos.

Freiwillig

VSME

Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs

Freiwilliger ESRS-„Light"-Standard für nicht-CSRD-pflichtige KMU. Vereinfachte Berichtsstruktur mit Basis-Modul (Pflicht, sofern berichtet wird) und umfangreicheren Zusatz-Modulen. Ziel: KMU bei Banken-, Kunden- und Investoren-Anfragen entlasten. Im Omnibus-Paket 2025 zentral als Ersatz für die wegfallende CSRD-Pflicht vieler KMU genannt.

W2 Begriffe

Wertschöpfungskette

Alle Aktivitäten von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Distribution bis zur Entsorgung. Umfassender als „Lieferkette", weil auch nachgelagerte Stufen (Vertrieb, Produktnutzung, End-of-Life) eingeschlossen sind. ESRS- und CSDDD-relevant.

Whistleblowing / Hinweisgebersystem

Meldung von Missständen, Rechtsverstößen oder ethischem Fehlverhalten durch Beschäftigte oder Externe. EU-Whistleblower-Richtlinie (2019) verpflichtet Unternehmen ab 50 Beschäftigten zu vertraulichen Meldekanälen — in Deutschland umgesetzt durch das Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) 2023.

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Dieses Glossar wird redaktionell gepflegt. Wenn Ihnen ein Begriff fehlt oder Sie einen Eintrag präziser formulieren würden, schreiben Sie uns: redaktion@umweltdialog.de.

Vorschläge, die wir übernehmen, werden mit Namensnennung im Eintrag dokumentiert (falls gewünscht).

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