Wirtschaft

Ziel erreicht – die nächste Etappe beginnt: Deutsche Telekom wird zum klimaneutralen DAX-40-Vorreiter

Die Deutsche Telekom hat als erstes DAX-40-Unternehmen konzernweit Klimaneutralität im eigenen Betrieb erreicht. Seit 2017 wurden die Treibhausgasemissionen um mehr als 94 Prozent gesenkt – durch grünen Strom, effizientere Netze, eine elektrifizierte Fahrzeugflotte und KI-gesteuerte Gebäude. Doch das ist erst der Anfang: Bis 2040 soll die gesamte Wertschöpfungskette netto-null werden.

04.03.2026

Ziel erreicht – die nächste Etappe beginnt: Deutsche Telekom wird zum klimaneutralen DAX-40-Vorreiter

Robert Metzke ist Physiker, sein Haus in den Niederlanden steht zwei Meter unter dem Meeresspiegel – und genau das macht ihn zu keinem neutralen Beobachter des Klimawandels. Als Leiter Unternehmensverantwortung bei der Deutschen Telekom steht er aber nicht für Emotion, sondern für Zahlen: Im Jahr 2025 lag die globale Durchschnittstemperatur bei 1,44 Grad über dem präindustriellen Niveau. Die letzten elf Jahre waren die wärmsten in der aufgezeichneten Geschichte der Menschheit. Mehr als 500.000 Menschen sterben jährlich in Folge von Hitzewellen, mehr als 600 Milliarden Arbeitsstunden gingen 2024 weltweit durch Extremhitze verloren – ein wirtschaftlicher Schaden von über 1.000 Milliarden Dollar. Allein in Deutschland summieren sich die Klimaschäden seit 2020 auf fast 150 Milliarden Euro.

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Für Metzke ist Klimaschutz deshalb keine moralische Frage, sondern eine strategische. „Unternehmen handeln faktenbasiert und nicht auf der Grundlage von Ideologien“, betont er. Mit einem weltweiten Strombedarf von mehr als 11.000 Gigawattstunden im Jahr 2025 zähle jedes Prozent Energieeffizienz direkt in die Kostenstruktur. Erneuerbare Energien und Batteriespeicher machen den Konzern unabhängiger von Energieimporten und Preisschwankungen. Gute ESG-Bewertungen sichern günstigere Fremdkapitalkosten. Und auch für Kunden und öffentliche Ausschreibungen sei das Thema entscheidend.

Das Ergebnis: Die Telekom hat ihre Emissionen in Scope 1 und 2 – also direkte Emissionen aus Gebäuden und Fahrzeugen sowie die indirekte Energie – seit 2017 um mehr als 94 Prozent reduziert. Die restlichen sechs Prozent werden über CO₂-Bindungsprojekte neutralisiert. Damit ist der Konzern im Eigenbetrieb bilanziell treibhausgasneutral. „Das ist ein Meilenstein, aber keine Endhaltestelle“, stellt Metzke klar. Der Blick geht bereits auf Scope 3: die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Bis 2030 sollen sie um 55 Prozent sinken, bis 2040 soll Netto-Null über alle Scopes erreicht sein. Seit Start des Klimaprogramms hat die Telekom insgesamt 28 Millionen Tonnen CO₂ eingespart – das entspricht der jährlichen CO₂-Bindung von rund 40 Prozent der deutschen Waldfläche.

Grüne Energie: Wind, Sonne und kluge Speicher

Hinter der Klimaneutralität der Telekom steckt ein komplexes Energiesystem – und eine hundertprozentige Tochtergesellschaft: Die PASM Power and Air Solution Management GmbH ist seit 20 Jahren interner Energieversorger der Deutschen Telekom in Deutschland. Sandra Panné-Blessig erklärt das Fundament: Erstens bezieht die Telekom ihren gesamten Strom aus erneuerbaren Energien – über langfristige Power Purchase Agreements (PPAs) mit Wind- und Solarparks, über elektronische Herkunftsnachweise sowie durch Eigenerzeugung an 537 Telekom-Standorten in Deutschland.

Zwei Projekte stechen heraus: Der Agri-PV-Park Tützpatz in Mecklenburg-Vorpommern – mit 150.000 Solarmodulen auf 93 Hektar Deutschlands größtes Freiflächen-Solarprojekt und gleichzeitig Landwirtschaftsfläche mit 15.000 Hühnern – und der Offshore-Windpark He Dreiht, 85 Kilometer nordwestlich von Borkum. Mit einer installierten Leistung von 100 Megawatt ist er das größte Offshore-Projekt Deutschlands; 32 der 64 Windkraftanlagen sind bereits installiert, der Strom fließt ab diesem Jahr.

Zweitens setzt die Telekom auf Batteriegroßspeicher (Battery Energy Storage Systems, BESS) – mit einem aktuellen Ausbauziel von 21 Megawatt in 2026 und 100 bis 150 Megawatt bis 2030. „Keine Energiewende ohne Batteriegroßspeicher“, betont Panné-Blessig. Die Anlagen in Hannover, Münster, Bamberg und München dienen nicht nur der eigenen Versorgungssicherheit, sondern stabilisieren auch das öffentliche Netz – ein Beitrag zur Systemverantwortung. Drittens investiert die Telekom in Infrastruktureffizienz: Am Berliner Netzknoten Pallasseum werden 500 Wohnungen mit Rechenzentrumsabwärme beheizt – 65 Prozent des gesamten Wärmebedarfs. Im Datacenter Biere heizt Abwärme seit 2014 Bürogebäude, bei einem PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von 1,28. Die Industrial AI Cloud München erreicht sogar 1,2 – durch Flusswasserkühlung.

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Effiziente Netze: Mehr Daten, weniger Strom

Wer Netzausbau und Klimaziele gleichzeitig verantworten will, braucht ein gutes Argument: Thomas Kosian hat es. Der Datenverbrauch im Mobilfunk stieg 2025 um 30 Prozent, im Festnetz um 10 Prozent – und trotzdem ist es der Telekom gelungen, ihre Energieeffizienz pro übertragenem Terabyte seit 2021 deutlich zu steigern. Die Energieintensität sank von 102 auf 56 kWh pro Terabyte, obwohl das Unternehmen gleichzeitig das 5G-Netz weiter ausbaut und bis 2027 eine Million neue Glasfaserkunden gewinnen will. „Noch besser als grünen Strom einkaufen ist es, Strom gar nicht erst zu verbrauchen“, lautet Kosians Credo.

Die Maßnahmen sind pragmatisch und konkret: Stand-by-Funktionen für Optical Line Terminals im Glasfasernetz sparten 2025 zehn Prozent des Plattformstromverbrauchs. Der „Cell Sleep“-Modus im Mobilfunk – der Antennen bei niedrigem Bedarf abschaltet und bei Bedarf, etwa in Fußballstadien, automatisch zuschaltet – brachte sechs Prozent Einsparung. Die Abschaltung des 3G-Netzes 2021 machte nicht nur die Frequenzen frei, sondern ermöglichte sofort eine Einsparung von vier Prozent. Und der laufende Router-Tausch im Kernnetz bringt bei viermal höherer Kapazität zwanzig Prozent weniger Energieverbrauch je Gerät. Beim Glasfaserausbau setzt die Telekom zudem auf Mindertiefe-Verlegung: weniger Aushub, nur halb so viel Oberfläche muss wiederhergestellt werden.

Das Fundament für all das legte das interne Projekt PLASMA (2018–2023), das Mindset und Maßnahmen verknüpfte und 274 Gigawattstunden Einsparung pro Jahr realisierte – vergleichbar mit dem Jahresverbrauch der Stadt Kassel. Der nächste Schritt heißt MeeC – „Most energy-efficient Core“ – und wurde auf dem Mobile World Congress 2026 präsentiert: ein KI-gestütztes autonomes Netz, das nach dem Prinzip „Zero Bits, zero Watt“ funktioniert.

Künstliche Intelligenz: Grün von Anfang an

Künstliche Intelligenz ist Energiefresser und Effizienzwerkzeug zugleich – je nachdem, wie man sie einsetzt. Denis Martin, der bei der Deutschen Telekom für KI-Strategie verantwortlich zeichnet, bringt es auf den Punkt: „Grüne KI ist wichtig, weil sie die Effizienz von Prozessen steigert und gleichzeitig Energie- und Wasserverbrauch sowie die Kosten bei richtiger Anwendung senkt.“ Und: Die richtige Anwendung ist der entscheidende Faktor.

2025 hat die Telekom neun „Green AI Principles“ entwickelt, die als konzernweite Richtschnur gelten: grüner Strom für alle KI-Systeme, Mehrfachnutzung von Hardware und Modellen, dynamische Skalierung nach Bedarf, optimierte und spezialisierte KI-Modelle statt universeller Großmodelle, grünes Coden sowie eine Ende-zu-Ende-Verantwortung entlang der Lieferkette. Die souveräne KI-Fabrik in München – das europäische GPU-Zentrum des Konzerns mit 10.000 Prozessoren – wird von Tag eins ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben. Entwickler können in der internen CI/CD-Umgebung Magenta bereits den Energiefußabdruck ihres Codes messen und per KI optimieren lassen.

Parallel dazu wird KI auch direkt für Energieeinsparungen im Netz eingesetzt: Der „RAN Guardian Agent“ steuert das Mobilfunknetz nach Auslastung und ermöglicht – ohne zusätzliche Hardware – eine bessere Netzabdeckung. Und Green Hardware-Komponenten im Pilotbetrieb ermöglichen eine Absenkung des Stromverbrauchs im Betrieb von bis zu 99 Prozent gegenüber herkömmlicher Hardware. Das Prinzip lautet: minimaler Aufwand, maximaler Nutzen.

Lesen Sie in der kommenden Woche im zweiten Teil des Artikels, wie die Telekom mit KI‑Steuerung, Wärmepumpen und einer elektrifizierten Flotte die direkten Emissionen halbiert – und warum die eigentliche Hürde die komplexe Dekarbonisierung der gesamten Lieferkette (Scope 3) ist.

Quelle: UmweltDialog
 

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