Wirtschaft

Gebrauchte IT neu gedacht: Was kann Refurbished?

Ausrangierte IT-Geräte landen oft ungenutzt in Schubladen oder Kellern. Refurbished-Anbieter bringen Laptops, Smartphones, Tablets und Co. professionell wieder in den Umlauf – mit geprüfter Technik, sicheren Löschprozessen und Garantie. Doch worauf kommt es bei Qualität, Nachhaltigkeit und Anbieterwahl an?

26.01.2026

Gebrauchte IT neu gedacht: Was kann Refurbished?

Der Jahresanfang ist für viele eine Zeit des Aufräumens. Kleiderschränke werden ausgemistet, Keller entrümpelt, alte Dinge aussortiert. Auch IT-Geräte geraten dabei in den Blick: ausrangierte Laptops, ungenutzte Smartphones, Tablets aus früheren Nutzungszyklen. Was mit diesen Geräten geschehen soll, ist jedoch oft weniger klar. Wegwerfen erscheint angesichts funktionierender Technik kaum sinnvoll, der private Weiterverkauf wirft Fragen auf. Denn Verkäufer stehen vor der Aufgabe, den technischen Zustand, etwa Akkuzustand oder Softwarestand, ihrer Geräte realistisch einzuschätzen und persönliche Daten vor einem Verkauf zuverlässig zu entfernen. Käufer wiederum sind auf die Angaben der Verkäufer angewiesen. Gerade bei höherpreisiger IT erschwert das auf beiden Seiten verlässliche Entscheidungen. Hinzu kommt, dass Privatverkäufer die gesetzliche Gewährleistung in der Regel ausschließen.

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Refurbished statt Privat(ver)kauf

Eine andere Möglichkeit, ungenutzte Geräte wieder in den Umlauf zu bringen, ist der Markt für refurbished IT. Hier übernehmen professionelle Anbieter, wie zum Beispiel afb social & green IT, die Prüfung, Reinigung, technische Wiederaufbereitung sowie die erneute Vermarktung. Im Gegensatz zum Privatverkauf werden die Daten zudem sicher gelöscht, und das refurbished Produkt unterliegt der gesetzlichen Gewährleistung (mindestens zwölf Monate). Verkäufer erhalten für ihre ausrangierten Geräte in der Regel noch einen marktgerechten Preis, während Käufer geprüfte, technisch einwandfreie Geräte günstiger erwerben können.

Refurbished Plus? Was es mit Remanufacturing auf sich hat, lesen Sie im UmweltDialog-Beitrag „As Good as New: Porsche bereitet defekte Fahrzeugteile wieder auf“.

Aus ökologischer Sicht gewinnt refurbished IT vor allem vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung an Bedeutung. Der steigende Bedarf an IT-Hardware geht mit einem hohen Ressourcenverbrauch, erheblichen Treibhausgasemissionen und wachsendem Elektroschrott einher, heißt es von Greenpeace. Hinzu kommt der Einsatz kritischer Rohstoffe wie seltener Erden und anderer Metalle, deren Verfügbarkeit begrenzt ist. Die Wiederverwendung von IT-Geräten kann diese Auswirkungen reduzieren. Beispielsweise lassen sich laut einer aktuellen Studie von Fraunhofer UMSICHT und Interzero je nach Gerätetyp und Art der Weiternutzung (Reuse oder Refurbishment) zwischen 18 Prozent bei Desktop-PCs und 37 Prozent bei Smartphones der Treibhausgasemissionen einsparen.

Ist refurbished so gut wie neu?

Refurbished IT ist günstiger und schont die Umwelt. Doch wie steht es um die Qualität im Vergleich zu Neugeräten? Professionelle Refurbishment-Anbieter reinigen die Geräte sorgfältig und sorgen dafür, dass sie technisch einwandfrei funktionieren. Vor allem verschleißanfällige Komponenten wie Festplatten, Netzteile, Lüfter oder Akkus werden einzeln geprüft und bei Bedarf durch hochwertige Ersatzteile ersetzt, informiert beispielsweise der IT-Refurbisher afb – social & green IT.

Wie der Refurbishment-Prozess bei AfB funktioniert, erfahren Sie im UmweltDialog-Beitrag „Vom Keller in den Kreislauf: Wie Refurbishment IT nachhaltiger macht“.

Darüber hinaus werden refurbished Geräte in der Regel mit einem aktuellen, lizenzierten Betriebssystem ausgeliefert und erhalten – abhängig von Hersteller und Modell – weiterhin Sicherheits- und Funktionsupdates. Wie lange diese verfügbar sind, kann jedoch deutlich variieren und ist insbesondere bei älteren Smartphones ein begrenzender Faktor für die langfristige Nutzung. Allerdings gilt seit Ende Juni 2025 die Ökodesign-Verordnung der Europäischen Union: Hersteller müssen für Smartphones und Tablets mindestens fünf Jahre lang kostenlose Betriebssystem- und Sicherheitsupdates bereitstellen – gerechnet ab dem Zeitpunkt, an dem ein Modell aus dem Verkauf genommen wird. Zudem sind zentrale Ersatzteile wie Akkus oder Displays für mindestens sieben Jahre verfügbar zu halten.

Technisch einwandfrei, aber zerkratzt?

Um den optischen Zustand der refurbished Geräte zu beschreiben, nutzen Anbieter sogenannte Grading-Systeme. Einheitliche gesetzliche Vorgaben gibt es dafür bislang nicht. Stattdessen arbeiten Refurbisher mit eigenen Kategorien, die sichtbare Gebrauchsspuren wie Kratzer oder Abnutzung erfassen. Die Einstufungen reichen in der Regel von nahezu neuwertig bis deutlich gebraucht, während die technische Funktionsfähigkeit davon unabhängig gewährleistet sein soll. Die verschiedenen Grading-Systeme erschweren den Vergleich; Transparenz seitens der Anbieter ist hier daher ein wichtiges Kriterium.

Bei BackMarket zum Beispiel erhält man Geräte in den Zuständen „Gut“, „Sehr gut“, „Hervorragend“ und „Premium“. Das Unternehmen erklärt die Zustandsbeschreibungen detailliert auf der Website, inklusive Fotobeispielen. Afb – social & green IT bietet Geräte sogar aus sechs Zustands-Kategorien an. Diese reichen von „neu“ und „OVP geöffnet“ über „wie neu“, „sehr gut“ und „gut“ bis zur Kategorie „fair“. Der Refurbisher beschreibt die konkreten Gebrauchsspuren am Gehäuse oder Unterschiede in der Displayqualität ebenfalls transparent und ordnet die Anzahl und Art der Pixelfehler entsprechend den Normen der ISO 9241-307 ein. Auf der Website finden sich außerdem Beispielbilder.

Nicht nur ungenutzte IT-Geräte eignen sich fürs Refurbishment. Wie Tchibo alte Kaffeevollautomaten wiederaufbereitet lesen Sie im UmweltDialog-Interview: „Frischer Kaffee, erneuerte Maschine: So funktioniert Tchibo Refurbished“.

Worin unterscheiden sich die Anbieter noch?

Neben den unterschiedlichen Grading-Systemen für den optischen Zustand können auch Zertifizierungen, IT-Auswahl, Kundenbewertungen (zum Beispiel über Trustpilot) und Preisniveau wichtige Kriterien bei der Wahl des Anbieters sein. Back Market etwa arbeitet als Marktplatz mit professionellen Refurbishment-Partnern. Die Plattform legt übergeordnete Qualitätsstandards fest und überprüft die Angebote, während Prüfung, Datenlöschung und technische Aufbereitung bei den jeweiligen Partnern liegen. 

Rebuy und asgoodasnew verfolgen ein integriertes Recommerce-Modell: Den gesamten Prozess – vom Ankauf über die technische Aufbereitung bis zum Verkauf der Geräte übernehmen die Unternehmen jeweils selbst. Unterschiede zeigen sich unter anderem bei den Garantiezeiten: Rebuy gewährt auf refurbished Geräte bis zu drei Jahre Garantie, asgoodasnew bietet bis zu 30 Monate.

AfB: Nachhaltige IT mit sozialem Aspekt

AfB – social & green IT hebt sich innerhalb des Refurbished-Marktes vor allem durch seine Zertifizierungen und seinen sozialen Ansatz ab. Das Unternehmen ist nach ISO/IEC 27001 für Informationssicherheitsmanagement zertifiziert und weist standardisierte, dokumentierte Prozesse zur zertifizierten Datenlöschung nach anerkannten Verfahren aus. Zugleich ist AfB als gemeinnütziges IT-Unternehmen organisiert: Rund die Hälfte der Beschäftigten sind Menschen mit Behinderungen.

Der soziale Anspruch ist dabei kein begleitendes Projekt, sondern integraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen dauerhaft in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie arbeiten in allen Unternehmensbereichen – von Technik und Logistik bis hin zu Verwaltung und Kundenservice. Im Unterschied zu ausgelagerten Inklusionsmaßnahmen entstehen diese Arbeitsplätze unmittelbar im Kerngeschäft des Refurbishments. Der soziale Mehrwert ist damit strukturell verankert und lässt sich für Unternehmen, die beispielsweise ihre ausgedienten Geräte an AfB verkaufen, auch im Rahmen von ESG- und Nachhaltigkeitsstrategien berücksichtigen.

Überblick einiger Anbieter

Anbieter Optische Zustände Garantie Zertifikate / Standards Nachhaltiges Engagement
AfB – social & green IT Neu, OVP geöffnet, wie neu, sehr gut, gut, fair 12 Monate ISO 9001 (Qualitätsmanagement), ISO 14001 (Umweltmanagement), ISO/IEC 27001 (Informationssicherheit), Entsorgungsfachbetrieb, Microsoft Authorized Refurbisher Gemeinnütziges Modell, Inklusion im Kerngeschäft, Umweltpartnerschaften
asgoodasnew Neu, wie neu, sehr gut, gut Bis zu 30 Monate Interne Qualitätsstandards, Datenlöschung mittel zertifizierter Software IT-Remarketing
Back Market Premium, hervorragend, sehr gut, gut Mindestens 12 Monate Plattformeigene Qualitäts- und Partnerstandards, B Corp-Zertifizierung Zertifizierte B– Corp, IT-Remarketing
ESM Computer A+/A/B Bis 36 Monate Interne Qualitätskontrollen IT-Remarketing
preiswerte-IT.de A/B 12 Monate (gebraucht), 24 Monate (Neuware) ISO 27001 (Informationssicherheit) IT-Remarketing
Rebuy Wie neu, sehr gut, gut, stark genutzt 36 Monate Interne Qualitätsstandards CO₂-Kompensation, zu 94% grüne Energie
refurbed Exzellent, sehr gut, gut Mindestens 12 Monate ISO 14040/44 ( Ökobilanzrechenmodell Baumpflanzungen, CO₂-Kompensation, Elektroschrottrecycling
your next IT Neu; Refurbished „wie neu“, „sehr gut“, „gut“, „akzeptabel“, „gebraucht“; defekt 12 Monate (gebraucht), 24 Monate (Neuware) Interne Qualitätsstandards, Microsoft Authorized Refurbisher Zusammenarbeit mit zertifiziertem Rohstoffverwerter, Photovoltaikanlage und grüne Energie
Quelle: UmweltDialog
 

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