EU Reporting

Wie die Telekom ihre Gebäude und Fahrzeuge klimafit macht – und warum der schwierigste Teil noch kommt

Scope 1 klingt technisch, ist aber greifbar: Heizung, Firmenwagen, Bürolicht. Die Deutsche Telekom hat diese direkten Emissionen in fünf Jahren halbiert – mit KI-gesteuerter Gebäudetechnik, Wärmepumpen und einer konsequenten Elektrifizierung der Flotte. Doch der nächste Schritt, die gesamte Lieferkette, ist ungleich komplexer.

11.03.2026

Wie die Telekom ihre Gebäude und Fahrzeuge klimafit macht – und warum der schwierigste Teil noch kommt

Es sind die Scope-1-Emissionen, die oft unterschätzt werden – jene aus dem direkten Betrieb von Gebäuden und Fahrzeugen. Tiana Trumpa ist als Klimaexpertin bei der Deutschen Telekom für genau diesen Bereich verantwortlich und kann eine beeindruckende Bilanz vorweisen: In den letzten fünf Jahren wurden die CO₂-Emissionen aus Gebäuden um rund 50 Prozent reduziert, bei der Fahrzeugflotte um circa 30 Prozent.

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Bei den Gebäuden greifen drei Hebel ineinander: Flächenoptimierung durch flexible Büronutzung, energetische Sanierung durch den schrittweisen Austausch von Ölheizungen gegen Wärmepumpen, sowie intelligente Gebäudesteuerung durch KI und Sensorik. Letzteres wurde in Bonn, Hannover, Mannheim und – mit drei Pilotprojekten – in Athen erprobt: „Wir können bisher über 20 Prozent CO₂ einsparen, einfach durch intelligentere Steuerung“, berichtet Trumpa. Das Konzept lässt sich auch in Mietobjekten ohne bauliche Eingriffe umsetzen – ein enormer Skalierungsvorteil.

Bei der Flotte läuft die Elektrifizierung auf Hochtouren: Konzernweit sind bereits 40 Prozent der rund 8.800 Geschäftsfahrzeuge elektrisch – 3.500 von ihnen. Alle Neubestellungen bei T-Systems sind weltweit seit 2022 elektrisch, in Deutschland seit 2023. Die Geschäftsfahrzeugflotte soll bis Ende 2027 vollständig elektrifiziert sein. Bei der deutlich größeren Serviceflotte – rund 20.000 Fahrzeuge weltweit – beträgt der Elektroanteil derzeit zehn Prozent, die Transformation ist gestartet. „Das ist ein bisschen schwieriger, weil wir auch auf die Abläufe der Techniker schauen müssen“, erklärt Trumpa.

Kreislaufwirtschaft: Wenn Altmaterialien wieder wertvoll werden

Kreislaufwirtschaft ist komplizierter als CO₂-Bilanzierung – das räumt Alexander Freudenberg offen ein. „Im Gegensatz zur Dekarbonisierung haben wir keine einheitliche Währung. Wir zählen Stücke, wir zählen Gewichte.“ Um Fortschritte dennoch steuerbar zu machen, hat die Telekom den Telco Circularity Score (TCS) entwickelt – eine eigene Metrik, die alle Stufen der EU-Abfallhierarchie abdeckt: von der Entsorgung über Rücknahme, Aufbereitung und Wiedereinsatz bis zur Vermeidung. Der Fokus liegt auf Netzkomponenten und Endgeräten.

Konkrete Beispiele: Bei der Glasfaserverlegung werden jährlich rund 13.000 Tonnen Speednet-Rohre verbaut. Die neue Version besteht aus Recyclingmaterial und spart acht Prozent Rohmaterialien. Ausgebaute, aber noch funktionsfähige Mobilfunkkomponenten – sogenannte Baseband Boards – werden nicht entsorgt, sondern über den neu geschaffenen „Telekom Equipment Exchange“ zu Gebrauchtpreisen an die zehn europäischen Konzerngesellschaften verkauft. „Die größte Herausforderung war nicht Transport, sondern die Bilanzbuchhaltung“, so Freudenberg – auch das ist inzwischen gelöst.

Bei den Endgeräten zeigt sich der Fortschritt über drei Produktgenerationen: Die Verpackungen sind kleiner und mit Sojatinte bedruckt, Plastikfolien sind abgeschafft, Gehäuse bestehen aus Recyclingkunststoff. Der neue MagentaTV-Empfänger verzichtet auf eine eingebaute Festplatte – das macht das Gerät kleiner und spart 50 Prozent Energiebedarf im Betrieb. Beim hauseigenen Smartphone konnte von der ersten zur zweiten Generation der Goldanteil in den Leiterplatinen um über 50 Prozent gesenkt werden. Und ein Ausblick auf dem Mobile World Congress deutet an, wohin die Reise noch führt: Der „New Circuit Router“ nutzt die Leiterplatine eines alten Fairphones und kombiniert sie mit einem modernen WLAN-Modul in einem 3D-gedruckten Gehäuse – ein vollständig funktionsfähiger DSL-Router aus Altmaterial.

Meilenstein und Aufbruch zugleich

Die Arbeit geht weiter. Scope 3, also die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Chipproduktion bis zum Router beim Kunden –, ist die eigentliche Herausforderung. Ein einzelnes Telekommunikationsgerät kann Komponenten von über 100 Zulieferern enthalten. Die Koordination dieser Lieferkette erfordert, wie Metzke es nennt, „nicht nur Technik, sondern Beziehung, Koordination und Systemarbeit“. Transparenz, gemeinsame Datenstandards und mutige Pioniere seien nötig – also genau das, was die Telekom in den vergangenen Jahren bei Scope 1 und 2 bewiesen hat.

Deutsche Telekom Nachhaltigkeitsmanager
 
 

Lesen Sie im ersten Teil des Artikels, wie die Telekom mit eigenen Wind‑ und Solarparks, großflächigen Batteriespeichern sowie KI‑gesteuerten Netz‑ und Gebäudetechnologien die noch offenen Scope‑3‑Emissionen konsequent reduziert – und welche Meilensteine das Unternehmen bis 2040 auf dem Weg zur Netto‑Null‑Wertschöpfungskette plant.

Quelle: UmweltDialog
 

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