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Donnerstag, 14.Dezember 2017

15.05.2009

Leuchtpol - Initiative zu Energie für Kinder. Ein Gespräch mit Annette Dieckmann (ANU) und Christoph Dänzer-Vanotti (E.ON)

Unser ökologischer Fußabdruck ist deutlich zu groß. Doch der schonende Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten will gelernt sein. Am Besten schon im frühkindlichen Alter. Darauf setzt auch das Projekt Leuchtpol, das bundesweit bis 2012 jeden zehnten Kindergarten bei der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung unterstützen wird. UmweltDialog sprach exklusiv darüber mit den beiden Initiatoren: Annette Dieckmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU), sowie Christoph Dänzer-Vanotti, Personalvorstand bei E.ON und dort auch für das Thema CSR verantwortlich.

Start von Leuchtpol, Fotos (3): Britta Hüning/Leuchtpol
Start von Leuchtpol, Fotos (3): Britta Hüning/Leuchtpol

Umweltdialog (UD): Sie haben bei der Projektvorstellung betont, dass Bildung schon im frühen Kindesalter ansetzen muss, um einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu lernen.

Annette Dieckmann: Leuchtpol zielt darauf, dass Kinder sich dem Thema Energie mit der ihnen eigenen Neugierde und Begeisterung nähern. Beim Spielen und Forschen entdecken die Drei- bis Sechsjährigen beispielsweise, wo Energie in ihrer Lebenswelt vorkommt, und die Aufgabe der ErzieherInnen ist, sie dabei zu begleiten und zu unterstützen.

Als „Energiedetektive“ bringen sie gemeinsam die Alltagsphänomene wie Wärme, Licht, Strom oder Bewegung bewusst mit Energie in Verbindung und entwickeln eigene Erklärungsmodelle für naturwissenschaftliche Phänomene. Projekte wie „ein Tag ohne Strom“ oder gemeinsames Philosophieren regen darüber hinaus an, eigene Vorstellungen über den Wert von Energie und natürlichen Ressourcen zu entwickeln und sich unterschiedliche Möglichkeiten zum Umgang mit Energie und natürlichen Ressourcen bewusst zu machen. Energie ist somit ein Thema, das zur aktiven Aneignung von Wissen anregt und an dem eigene Werte, Haltungen und Fähigkeiten entwickelt und ausgebaut werden können.

Ziel der pädagogischen Arbeit von Leuchtpol ist es, Kinder insbesondere in solchen Fähigkeiten zu stärken, die Voraussetzung für eine Gestaltung der Zukunft im Sinne nachhaltiger Entwicklung sind. Ziele nachhaltiger Entwicklung sind es, globale Gerechtigkeit bei der Verteilung fossiler Energievorräte zu erreichen und den Klimawandel zu begrenzen. Hierzu müssen die eigenen Konsumformenangepasst, effizientere Produktionsformen entwickelt und die technischen und politischen Voraussetzungen zur Nutzung erneuerbaren Energien verbessert werden.

Notwendige Fähigkeiten hierzu sind zum Beispiel, vorausschauend und in Alternativen zu denken, eigene Bedürfnisse zu reflektieren, gemeinschaftliches Planen und Handeln, oder die Fähigkeit, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Die Basis für diese Fähigkeiten kann schon im Kindergarten gefördert werden und das will die ANU durch die Gründung von Leuchtpol unterstützen

UD: ...und was ist die Erwartungshaltung aus Sicht von E.ON?

Christoph Dänzer-Vanotti: Unsere Energiewelt steht heute aufgrund des Klimawandels, des weltweit steigenden Energiebedarfs und der Endlichkeit der fossilen Ressourcen vor fundamentalen Herausforderungen. Diese erfordern im Großen veränderte Energiesysteme und -strukturen, aber zugleich auch eine veränderte Einstellung und Verhaltensweise der Gesellschaft, die Energie nicht länger als selbstverständliches Gut, sondern als wertvolle Ressource begreift und behandelt.

Hierbei ist für mich vor allem auch die nachfolgende Generation von Bedeutung, denn jeder von uns weiß: Viele unserer Einstellungen und Verhaltensweisen werden bereits in jüngsten Jahren gelernt und verinnerlicht - und früh erlerntes wird leichter ein Leben lang behalten. Mit dem Programm „Energie für Kinder“ hat E.ON deshalb ein konzernweites Bildungsprogramm ins Leben gerufen mit dem Ziel, das Verständnis von Kindern und Jugendlichen für Energie und Umwelt frühzeitig zu fördern. Die Unterstützung des Projekts „Leuchtpol“ ist Teil dieses Programms und für E.ON eine konkrete Maßnahme, zu einer verantwortlicheren Energienutzung und letztlich zur Schonung des Klimas und der natürlichen Ressourcen beizutragen.

UD: Frühkindliche Bildung für nachhaltige Entwicklung, so habe ich gelesen, gilt als pädagogisches Neuland. Wer berät sie? Und wie messen sie hier Erfolg?

Annette Dieckmann: Leuchtpol hat ein eigenes pädagogisches Konzept auf der Grundlage des derzeitigen Forschungs- und Wissensstandes entwickelt. Zudem wird Leuchtpol von der Leuphana Universität Lüneburg, dem Institut für integrative Studien (infis) beraten und evaluiert, die bereits seit Jahren in diesem Feld arbeitet. So hat Prof. Dr. Ute Stoltenberg gerade eine Studie zu den Bildungsplänen der Länder für den Elementarbereich vorgelegt.

Der pädagogische Erfolg von Leuchtpol wird gemessen an der Zufriedenheit der ErzieherInnen im Hinblick auf die Einsatzfähigkeit des Erlernten, und auch daran, inwieweit es gelingt, die Verankerung im Kindergarten über die Fortbildungen hinaus zu erreichen. Hierzu wird z. B. mit Interviews, Fragebögen und Gruppendiskussionen gearbeitet werden. Außerdem müssen die Kindergärten die Umsetzungen auf Grundlage bestimmter Fragestellungen reflektieren und dokumentieren.

Ein weiteres Ziel, die Ergebnisse der Weiterentwicklung unseres pädagogischen Konzepts in den Diskurs der FachexpertInnen und bildungspolitisch Verantwortlichen einzubringen, wird ebenfalls ein Erfolgsmaß sein. Wir möchten einen Impuls geben, um Bildung für nachhaltige Entwicklung im frühkindlichen Bereich, z. B. in Bildungsplänen für Kindergärten und Curricula von Fachschulen dauerhaft zu verankern.

UD: Wie wählen Sie die Kindergärten bundesweit aus?

Annette Dieckmann: Unser Ziel ist es, in vier Jahren 4.000 Einrichtungen bundesweit zu erreichen und zu beteiligen. Interessierte Einrichtungen melden sich bei Leuchtpol in Frankfurt oder den Regionalbüros. Dort werden die Fortbildungsmöglichkeiten aufgezeigt.  Wir stehen zudem in intensiven Kontakt mit vielen Kindergartenträgern, die aus ihren Einrichtungen MitarbeiterInnen schicken.

Christoph Dänzer-Vanotti
Christoph Dänzer-Vanotti

UD: E.ON ist Partner des Leuchtpol-Projektes. Gibt es neben Geld weitere Hilfe, die Sie anbieten können? E.ON fördert solche Projekte schließlich europaweit!

Christoph Dänzer-Vanotti: Zunächst ist E.ON stolz darauf, Mitinitiator und finanzieller Förderer dieses zukunftsweisenden Vorhabens zu sein, das ein Leuchtturmprojekt im Rahmen unserer konzernweiten Initiative „Energie für Kinder“ darstellt. Dabei wurde das Projekt erst durch den intensiven Dialog zwischen der ANU und E.ON möglich, deren Kooperation für mich eine beispielhafte Form der Zusammenarbeit zwischen einem Wirtschaftsunternehmen und einer unabhängigen NGO darstellt. Und uns war von Beginn an wichtig, dass dieser Dialog nicht mit der Vertragsunterzeichnung endet, sondern bewusst weitergeführt und auch auf einen weiteren Stakeholderkreis ausgedehnt wird. In diesem Rahmen werden wir sicher auch Projekterfahrungen aus anderen Ländern einbringen können.

Zugleich basiert das Projekt jedoch auf einer klaren Abgrenzung der Verantwortlichkeiten, in der E.ON der finanzieller Förderer ist, während das Projekt pädagogisch unabhängig durch die gemeinnützige Projektgesellschaft des ANU-Bundesverbands entwickelt und umgesetzt wird. Denn wir sind Energieexperten und keine Erzieher und uns ist bewusst, wie sensibel das Thema Kindergarten ist und dass diese klare Trennung maßgeblich über die Glaubwürdigkeit des Projekts und der Projektpartner entscheidet.

Annette Dieckmann: Als gefördertes Projekt im Zusammenhang mit einer europaweiten Initiative von E.ON zu stehen, wird uns die Möglichkeit gegeben, auch aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen. Hierbei interessieren uns sowohl der pädagogische Ansatz als auch die Zusammenarbeit des Unternehmens E.ON mit anderen Institutionen. Wir profitieren zudem durch die Zusammenarbeit im Beirat der gemeinnützigen Leuchtpol gGmbH und denken, dass die Potentiale für einen Austausch im Bereich CSR noch lange nicht ausgeschöpft sind.

UD: Stichwort europaweite Bildungsinitiative: Gibt es hier unterschiedliche Erfahrungen bzw. Ansätze in den jeweiligen Ländern?

Christoph Dänzer-Vanotti: Grundsätzlich kennzeichnet z. B. den angelsächsischen Raum eine viel längere Geschichte des gesellschaftlichen Unternehmensengagements. So hat dort der Sozialstaat nie die Vorsorgefunktionen übernommen, die wir aus Deutschland kennen, wodurch im Umkehrschluss Unternehmen sehr viel stärker gefordert sind und waren, Initiativen im Bereich der Wohlfahrt, Bildung oder Sozialfürsorge selbst voranzutreiben. So können wir z. B. in Großbritannien auf das sehr erfolgreiche Bildungsprogramm „Energy Experience“ verweisen, dessen internetgestützte Informationen und Unterrichtsmaterialien bis heute bereits durch rund 13.000 Schulen genutzt werden. Aber auch in Ungarn und Schweden wurden erfolgreiche Projekte aufgesetzt, die neue und stark nachgefragte Angebote in den jeweiligen Ländern geschaffen haben. Hier in Deutschland ist die Akzeptanzschwelle erfahrungsgemäß höher, da mehr staatliche oder unabhängige Programme existieren.

Ein zentraler Unterschied betrifft daneben auch den Bereich des freiwilligen Mitarbeiterengagements oder Corporate Volunteerings, bei dem wir in Großbritannien, aber auch in anderen Ländern bereits seit Jahren sehr positive Erfahrungen sammeln. So engagierten sich in unserer Tochtergesellschaft E.ON UK vergangenes Jahr rund 1.400 Mitarbeiter freiwillig für gesellschaftliche bzw. gemeinnützige Projekte, darunter auch im Rahmen des Projekts „Energy experience“, bei dem unsere Mitarbeiter z. B. in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen beim Energieunterricht unterstützen. Auch hier steht Deutschland noch eher am Anfang und man muss einzelne Aktivitäten vor dem Hintergrund der landesspezifischen Kulturen betrachten und anpassen. Jedoch haben wir mittlerweile konzernweit einheitliche Rahmenbedingungen für das freiwillige Mitarbeiterengagement geschaffen und wollen dies auch hierzulande deutlich ausbauen.

UD: Die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)" hat jetzt die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Wie fällt Ihr persönliches Zwischenfazit aus?

Annette Dieckmann: In Deutschland konnten in den ersten Jahren erfolgreich Strukturen geschaffen werden, um die sehr vielfältigen Akteure zu beteiligen und die Umsetzung von BNE sichtbar zu machen. Im Nationalkomitee und beim Runden Tisch sind neben staatlichen Einrichtungen auch Verbände wie die ANU, Stiftungen oder die Wirtschaft als maßgebliche Akteure vertreten. Die über 700 offiziell von der UNESCO ausgezeichneten Projekte und Kommunen sowie die im Nationalen Aktionsplan von vielen Seiten eingebrachten Maßnahmen setzen die Anliegen der Dekade konkret um. Sie machen auch nach außen sichtbar, wie die neuen BNE-Bildungsansätze die Perspektiven weltweiter sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Belastungsfähigkeit und wirtschaftliche Leitungsfähigkeit in Verbindung setzten.

Annette Dieckmann
Annette Dieckmann

Auch der internationale Diskurs der Bildungsexperten aus 150 Ländern bei der im Frühjahr in Bonn stattgefundenen Halbzeitkonferenz der UNESCO zeigte eindrucksvoll einen weltweit stattgefundenen Aufbruch. Bei allen kulturellen Unterschieden führte die gemeinsame Zielsetzung nachhaltiger Entwicklung zu gemeinsamen Einschätzungen, Bildungsansätzen und Strategien, die in der Bonner Erklärung niedergelegt wurden. Hier wurde bekräftigt, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung einen Beitrag dazu leisten soll, dass unsere Lebens-, Wirtschafts- und Konsummuster sich grundlegend ändern müssen.

Diesbezüglich kann Deutschland bisher kaum als Entwicklungsmodell dienen, unser ökologischer Fußabdruck ist noch nicht zukunftsfähig, dies spiegelte auch der Dialog mit den VertreterInnen aus Entwicklungsländern in Bonn wieder. In den Bereichen Ressourcenverbrauch und global gerechte Nutzung wie z.B. Ernährung, Stromerzeugung oder Fortbewegung wird in allen Ländern noch viel zu langsam auf ein nachhaltiges Wirtschaften umgestellt.

Angesichts dessen wird das oben gezogene positive Fazit zu den Strukturen und erfolgreichen Modellprojekten dadurch getrübt, dass es keinen klaren Fahrplan gibt, wie BNE in den verbleibenden Jahren bis 2012 in allen Bildungsbereichen wirklich fest zu verankern und quer durch alle Fachbereiche zu integrieren ist. Hierzu bedarf es noch weit mehr Entschlossenheit zum Handeln vor allem bei den Verantwortlichen in der formalen Bildung in Bund und Ländern, bei Trägern der non-formalen Bildung, den Verantwortlichen für Weiterbildung vor allem in Unternehmen und Behörden oder den Medien.

UD: Dieses Projekt ist Teil zahlreicher Aus- und Fortbildungsmaßnahmen bei E.ON. Welchen Stellenwert hat der Faktor Bildung in Ihrer CSR-Strategie?

Christoph Dänzer-Vanotti: Das Thema Bildung - mit der E.ON Ausbildungsinitiative, dem Programm „Energie für Kinder“, lokaler Bildungspartnerschaften und nicht zuletzt der Fortbildung unserer eigenen Mitarbeiter - ist zweifellos ein zentraler Baustein der gesellschaftlichen Verantwortung bei E.ON. Zudem engagieren wir uns als Unternehmen auch umfangreich bei der beruflichen Integration junger Menschen. So bereiten wir im Rahmen des Projekts „Mit Energie dabei“ derzeit in Deutschland 550 arbeitslose junge Menschen mit einem einjährigen Trainingsprogramm auf den Berufseinstieg vor. Und das sehr erfolgreich, denn 80 Prozent der Teilnehmer finden nach diesem Jahr einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Ich bin überzeugt: Wenn es uns nicht gelingt, solche jungen Menschen zu integrieren, fällt unsere Gesellschaft auf Dauer auseinander. Deshalb sind wir auch als Unternehmen gefordert - und zwar gemeinsam mit dem Staat, der sich an diesem Programm über die Bundesanstalt für Arbeit beteiligt.

Zugleich ist Bildungsarbeit bei uns Teil eines breiter gefassten Verantwortungsverständnisses, das konsequent im Kerngeschäft ansetzt und mit Themen wie Umwelt- und Klimaschutz in der Erzeugung, verlässlicher und sicherer Versorgung sowie der verantwortlichen Nutzung von Energie seitens unserer Kunden und der Gesellschaft in der gesamten Wertschöpfungskette ansetzt. Denn gesellschaftliche Ansprüche und Erwartungen richten sich in erster Linie auf die Art und Weise unserer Geschäftstätigkeit, und deshalb ist auch gesellschaftliche Verantwortung für uns zwingend direkt mit unserem Kerngeschäft verbunden.

Herzlichen Dank Ihnen beiden für das Gespräch!

 
Quelle: UD

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