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„Das Lesen eines Nachhaltigkeitsberichts soll Spaß machen“

Gemeinsam handeln, verändern, verbessern: Unter diesem Motto hat der nachhaltige Versandhändler memo seinen elften Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Dieser erscheint in Form einer interaktiven Website – modern und zukunftsfähig, meint Lothar Hartmann. Der Leiter des Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagements bei memo sprach mit UmweltDialog über das neue Berichtsformat und die Herausforderungen bei der Neugestaltung.

05.02.2024

„Das Lesen eines Nachhaltigkeitsberichts soll Spaß machen“ zoom
Lothar Hartmann, Leiter des Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagements der memo AG.

UmweltDialog: memo ist seit über 30 Jahren im Versandhandel tätig. Nun haben Sie Ihren elften Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Und der kommt in einem ganz neuen Gewand daher. Statt als PDF kann man nun alle Informationen über eine interaktive Website aufrufen. Was steckt dahinter?

Lothar Hartmann: In erster Linie sehen wir das neue Format als modern und zukunftsfähig an. Wir wollen dadurch noch mehr Menschen als bisher mit dem gedruckten Bericht erreichen. Außerdem ist dieser nur alle zwei Jahre erschienen. Die Informationen und Kennzahlen waren zum Teil nach einiger Zeit veraltet, neue Entwicklungen im Bericht noch gar nicht abbildbar. Mit dem Onlineformat können wir den Leserinnen und Lesern hingegen aktuellere Informationen viel schneller zur Verfügung stellen. Sie können auch einfacher an gewünschte Angaben kommen, zum Beispiel über die Suchfunktion. Ein weiterer Vorteil ist, dass Verlinkungen zum Webshop möglich sind. Oder auch Verlinkungen innerhalb des Berichts. So können wir Interessierten direkt weitführende Informationen liefern.

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Das sind vor allem Vorteile für Ihre Leserinnen und Leser. Was bringt das neue Format für memo?

Hartmann: Wir erhoffen uns durch das Onlineformat mehr Flexibilität bei der Produktion des Berichts. Bisher war es so, dass wir alle zwei Jahre einen vergleichsweise hohen Aufwand in relativ kurzer Zeit hatten. Die gesamte Berichterstattung – sowohl Text als auch Grafik – leisten wir bei memo komplett im Haus parallel zum Tagesgeschäft. Das hat den Vorteil, dass unser Fachwissen im Nachhaltigkeitsmanagement, sozusagen unsere alltäglichen Tätigkeiten, direkt in den Bericht einfließen kann. Es bedeutet aber auch zusätzlichen Aufwand für unsere Mitarbeitenden. Mit dem neuen Format können wir die Produktionszeiten entzerren. Wir werden dann öfter an dem Bericht arbeiten, aber eben nicht so viel Zeit in einzelne Tätigkeiten investieren. 

Im Bereich Text haben wir jetzt auch mehr Möglichkeiten als im Printformat. Wir können zum Beispiel einzelne Themen umfassender beschreiben und tiefer einsteigen. Last but not least sparen wir auch eine ganze Menge Papier ein. Wir haben für den letzten gedruckten Bericht mit einer Auflage von 5.000 Exemplaren fast 1,5 Tonnen Papier benötigt. Das fällt mit der Onlineveröffentlichung natürlich weg.

memo veröffentlicht bereits seit 20 Jahren Nachhaltigkeitsberichte. Warum kommt die Neugestaltung gerade jetzt?

Hartmann: Tatsächlich haben wir uns schon seit mehreren Jahren darüber Gedanken gemacht, den Bericht auf online umzustellen. Gleichzeitig war uns aber auch bewusst, dass die Umstellung zunächst einmal einen deutlichen Mehraufwand bedeuten würde – sowohl von der Konzeption als auch von den benötigten zeitlichen und fachlichen Ressourcen her. Wir haben auch mehrere Anläufe unternommen und den Onlinebericht dann zunächst wieder zurückgestellt, bis für uns alles gepasst hast.

Wo lagen denn die größten Herausforderungen bei der neuen Gestaltung?

Hartmann: Die Technik musste zum Beispiel gut geplant werden. Wir wollten den Onlinebericht mit der gleichen Software produzieren, die wir schon für unsere Webshops und für unsere anderen Plattformen im E-Commerce einsetzen. So können wir Synergieeffekte erzeugen und das bereits vorhandene Wissen nutzen. Das hat aber mehr Zeit benötigt, als wir anfangs eingeplant hatten. Auch über die Struktur des Berichts mussten wir uns intensiv Gedanken machen. Weitere Herausforderungen waren außerdem eine attraktive Gestaltung und die bildliche Darstellung. Denn das Lesen eines Nachhaltigkeitsberichts soll ja auch Spaß machen. Für den Onlinebericht benötigten wir viel mehr Bilder als für das gedruckte PDF. Daher haben wir im Vorfeld ein großes Fotoshooting organisiert. Jetzt müssen wir erst einmal Erfahrungen sammeln und auf das Feedback der Leserinnen und Leser warten. Das ist natürlich ein weiterer Vorteil beim Onlinebericht: Wir sind in der Lage, auf das Feedback zu reagieren und den Bericht relativ kurzfristig anzupassen. Die ersten Rückmeldungen unserer Stakeholder waren jedenfalls sehr positiv.

Das Gewand des Nachhaltigkeitsberichtes ist neu. Hat sich auch der Inhalt verändert? 

Hartmann: Die wesentlichen Handlungsfelder sind gleichgeblieben, aber unser Nachhaltigkeitsmanagementsystem hat sich weiterentwickelt. In verschiedenen Bereichen sind wir tiefer in die Materie eingestiegen. Vor allem dort, wo sich die Rahmenbedingungen geändert haben wie beispielsweise beim Thema Klimabilanzierung. Nachhaltigkeit ist schließlich kein Thema, das irgendwann erledigt ist, sondern es ist ein fortlaufender Prozess. Wir bieten den Versand mit unserem Mehrwegversandsystem „memo Box“ inzwischen auch in Wien an, zusammen mit der Zustellung per Radlogistik. Außerdem arbeiten wir immer an mehreren kleinen Projekten. Aktuell stellen wir unter anderem unsere Versandkartonagen auf den Prüfstand. Ziel ist Kartonagen einzusparen und gleichzeitig die Versandqualität zu verbessern. Diese Weiterentwicklungen spiegeln sich schließlich auch im Bericht wider.

Gibt es den Bericht zukünftig nur noch online?

Hartmann: Unser Nachhaltigkeitsbericht wird in Zukunft nur noch im Onlineformat erscheinen. Aber da unsere Kolleg:innen im Vertrieb und Marketing den gedruckten Bericht auch intensiv bei Kundengesprächen oder Messen genutzt haben, planen wir eine informative Unternehmensbroschüre in einer deutlich reduzierten Version und einer kleineren Auflage. Da unsere Kund:innen großen Wert auf unsere Nachhaltigkeitsleistungen legen, war dieser in der gedruckten Version ein wichtiges Instrument in der persönlichen Kommunikation gegenüber den Kundinnen und Kunden. Diesen neuen schlanken, gedruckten Bericht zu erstellen, wird also die nächste Aufgabe sein, die ansteht.

Danke für das Gespräch!

Warum sind Berichtsstandards für die eigenen Nachhaltigkeitsleistungen hilfreich? Das und mehr erklärt Lothar Hartmann, Leiter des Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagements bei memo, im Gespräch mit UmweltDialog. Lesen Sie hier mehr.

Quelle: UmweltDialog
 

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