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29.03.2017

Produktion

Umwelt-Produktdeklaration von Bauprodukten: EU-weite Lösung in Sicht

Die Dachziegel: wirklich umweltverträglich? Die Hausfassade: Energie-effizient? Bauherren müssen vor Grundsteinlegung Tausende Fragen klären. Richtig kompliziert wird es, wenn sie auch noch nachhaltig bauen wollen. Hilfestellung finden sie auf einer Online-Plattform, die ihnen mit klaren Daten zur Nachhaltigkeit von Produkten und Dienstleistungen beim Bauen zur Seite springt. Künftig soll das überall in Europa funktionieren.

Umwelt-Produktdeklaration von Bauprodukten: EU-weite Lösung in Sicht
Das ECO Platform Event fand am 6. Oktober 2016 in Brüssel statt.

Die Nachfrage ist da. Denn längst gibt es ausgeklügelte Zertifizierungssyteme, die über das Nachhaltigkeitsniveau von Einfamilienhäusern ebenso Auskunft geben wie über die Zukunftstauglichkeit von Büro- oder Gewerbeimmobilien. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) etwa hat hierzulande so ein System entwickelt, ebenso wie das Bundesbauministerium, das mit seinem System die Nachhaltigkeit von Bundesgebäuden auf den Prüfstand stellt.

Zuverlässig einschätzen lässt sich die Nachhaltigkeit einer Immobile mit diesen Systemen indes nur, wenn sie das Gebäude als Ganzes auf den Prüfstand stellen – und dort genau analysieren, wie nachhaltig Fenster, Fassade oder Klinker tatsächlich sind. Nachhaltig bauen wird dadurch ein kompliziertes Unterfangen. Das noch dadurch erschwert wird, dass Gebäude aus Tausenden verschiedenen Materialien bestehen.

Umwelt-Produktdeklaration

Mehr Durchblick in diesem Dickicht versprechen Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental Product Declaration, EPD). Mit ihnen lässt sich der Lebenszyklus eines Produktes unter Umweltgesichtspunkten exakt betrachten, zum Beispiel der für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung benötigte Energie- und Ressourceneinsatz. Solche „grünen“ Datensätze gibt es längst auch für den Bausektor. Zertifizierungssysteme wie das der DGNB bauen auf ihnen auf. Ohne sie ließe sich kein Gebäude auf den Nachhaltigkeitsprüfstand stellen.

Angeboten werden EPDs überall in Europa. In Deutschland führt das Berliner Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) ein entsprechendes EPD-Programm mit öffentlicher Datenbank. Im IBU machen sich mehr als 200 Bauproduktehersteller für mehr Nachhaltigkeit in ihrer Branche stark. Über 1.600 EPDs haben sie in der Datenbank schon veröffentlicht. Sie dokumentieren die Umweltwirkungen von so ziemlich allem, was fürs Bauen benötigt wird: von Dach- und Dichtungssystemen über Schlösser oder Bodenbeläge bis hin zu Ziegeln oder Zement. Im Netz können die Deklarationen kostenfrei abgerufen werden.

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Davon profitieren nicht nur Bauherren. Einen Nutzen haben auch die Hersteller. Schließlich können sie so transparent nachweisen, wie umwelt- oder klimaverträglich ihr Produkt tatsächlich ist. Diese Angaben nehmen unabhängige Prüfer des IBU vor Veröffentlichung aber genau unter die Lupe. „Alle Prüfer und Prüferinnen sind Ökobilanz-Experten mit spezifischem Hintergrundwissen um die normativen Grundlagen rund um die EPD“, sagt IBU-Geschäftsführer Burkhart Lehmann.

Europäischer Flickenteppich vor Ausmusterung

Normative Grundlagen ist ein gutes Stichwort. Denn was gemessen werden soll, braucht einen Maßstab. Im Fall der EPDs des IBU ist das die Norm EN 15804. Sie legt klare Regeln für Umweltdeklarationen von Bauprodukten und -leistungen aller Art fest und ist national und international anschlussfähig an geltende Verordnungen und Vorschriften. Klingt gut, hat aber einen Haken: Denn eine gemeinsame europäische Lösung zur Bereitstellung von EPDs ist noch im Werden. Derzeit dominieren nationale Programme und eine Vielzahl nationaler und internationaler Bewertungssysteme für Nachhaltige Gebäude, an denen sich die jeweiligen EPD-Programme orientieren.

Darunter leiden insbesondere die Hersteller. Denn wollen die ihre Produkte nicht nur in Deutschland, sondern auch andernorts verkaufen, müssen sie unter Umständen erneut eine Deklaration erstellen und einreichen – was durchaus einigen Aufwand bedeutet. Das IBU und andere europäische Initiativen suchen diesen Aufwand durch gegenseitige Anerkennung zu minimieren. So werden die EPDs vom IBU neben fünf weiteren Ländern seit Anfang des Jahres auch in Italien und Großbritannien anerkannt. Ausgemustert ist der europäische Flickenteppich damit aber noch nicht.

Dass er bald Geschichte ist, daran arbeiten seit 2013 die renommierten EPD-Programmbetreiber aus ganz Europa. Sie haben sich zusammengeschlossen, um die Insellösungen zu überwinden und eine einheitliche Kern-EPD für den ganzen Kontinent zu entwickeln. Die daraus entstandene ECO Platform erfreut sich zahlreicher Unterstützer: Neben anerkannten europäischen EPD-Anbietern wie dem IBU sind ein gutes Dutzend Branchenverbände mit an Bord.

Haupthindernisse für die europaweite Harmonisierung beseitigt

Die Zusammenarbeit trägt mittlerweile Früchte. Der Präsident der ECO-Platform, der Schwede Sven-Olof Ryding, sagt, dass die Allianz „bei der Festlegung einer gemeinsamen Kern-EPD mit Qualitäts- und Verifikationsrichtlinien sowie einem Auditverfahren für die Programmbetreiber große Erfolge erzielt“ habe. Auf der Website der Plattform stehen schon hunderte verifizierte Datensätze bereit. Künftig sollen sie auch in nationale Datenbanken wie der ÖKOBAUDAT in Deutschland und die INIES in Frankreich aufgenommen werden. Zugleich drängt die Europäische Kommission auf eine Harmonisierung bei der Kommunikation öko-relevanter Produktdaten. Bis 2020 soll ein entsprechender Rahmen stehen.

Auf welchem Standard dieser Rahmen ruht, ist indes noch offen. Neben EPDs wird auch das Konzept des sogenannten „Product Environmental Footprint“ (PEF) getestet. Christian Donath, Geschäftsführer der ECO-Platform, kann dem zwar Positives abgewinnen. Der „Öko-Fußabdruck“ sei eine „einfache Lösung, die auf einem direkten Produktvergleich basiert“. Er könne für Produkte, die sich direkt an den Endverbraucher richteten, sinnvoll sein. Um die Nachhaltigkeitsleistung eines Gebäudes zu bewerten, seien aber Ökobilanzdaten der Bauprodukte für jeden Bauabschnitt erforderlich. Und da seien EPDs besser aufgestellt. „Sie sind die Lösung für die B2B-Kommunikation“, so Donath.

Quelle: UmweltDialog
 

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