16.12.2019
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08.11.2019

Plastik & Müll

Baumärkte haben wieder die Schrauben lose

Wer in den Baumarkt fährt, um dort Selbermachzubehör zu kaufen, kehrt meist mit viel Verpackungsmüll zurück. Ist die Verpackungsdiskussion an den Baumärkten vorbeigegangen? Tatsächlich achten auch immer mehr Heimwerkermärkte und Gartencenter, allen voran toom, auf weniger Kunststoffverpackungen und bessere Recyclingfähigkeit.

Baumärkte haben wieder die Schrauben lose

Schrauben und Nägel kaufte man früher „lose“ beim Eisenwarenhändler um die Ecke. Mit den Baumärkten änderte sich das. Ob man wollte oder nicht: Eisen-Kleinteile gab es oft nur in größeren Stückzahlen in transparenten Kunststoffboxen.
Seit 2016 bietet beispielsweise toom Baumarkt Schrauben und Nägel wieder unverpackt und einzeln an. Größere Mengen stehen außerdem in FSC-zertifizierten Kartonagen in den Regalen. Ab 2020 ersetzt toom außerdem die Kunststoffbeutel für die Eisen-Kleinteile durch Papiertüten. Allein mit dieser Maßnahme wollen die Kölner zehn Tonnen Kunststoff und damit sechs Tonnen CO2 jährlich einsparen.

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toom Baumarkt erweitert Farbenangebot in Rezyklatgebinden

Die Kölner Baumarktkette gehört zu den Vorreitern bei der umwelt- und recyclinggerechten Umgestaltung der Verpackungen. Schon seit 2011 wird die Dispersionsfarbe der toom-Eigenmarke in Eimer aus komplett recyceltem Kunststoff abgefüllt. Die Farbeimer bestehen aus dem Material „Procyclen“, das der Kölner Umweltdienstleister Interseroh herstellt. Er wird aus den Wertstoffsammlungen der Dualen Systeme sowie aus Industrieabfällen hergestellt. Interseroh hebt hervor: „Procyclen spart bei der Produktion der Eimer und Lackdosen bis zu 50 Prozent Treibhausgase gegenüber herkömmlichem Polypropylen ein.“ Die Rezyklate können immer weiter wiederverwertet werden. 

Bei toom Baumarkt gibt es mittlerweile auch weitere Lacke und Isolieranstriche in Procyclenverpackungen. Vier Millionen Artikel wurden nach Unternehmensangaben bereits in Rezyklat-Eimern verkauft, und so bis Ende 2018 rund 900 Tonnen an Kohlendioxid eingespart. Noch dieses Jahr sollen auch die Kreidefarben der Eigenmarke sowie das neue Möbel-Farbensortiment „toom Xpress“ in Rezyklatgebinden angeboten werden.

Als Orientierungsrahmen für die Verpackungsstrategie dient toom Baumarkt die Leitlinie der Konzernmutter REWE. Sie steht unter dem Motto „Vermeiden, verringern, verbessern“ und wurde mit Unterstützung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) erarbeitetet. 

Bis 2030 will die REWE-Gruppe alle Service- und Verkaufsverpackungen ihrer Eigenmarken umweltfreundlich optimieren. Bei Einwegverpackungen soll die Materialmasse reduziert oder die Recyclingfähigkeit verbessert werden. Soweit wie möglich sollen Rezyklate, alternative Materialien und zertifizierte Rohstoffe verwendet werden. Wenn möglich, sollen Mehrwegverpackungen angeboten werden.

Pfandystem für Pflanzenpaletten

Gerade beim Thema Mehrwegverpackungen haben Bau- und Gartenmärkte noch Nachholbedarf. Zwar werden einzelne Produkte wie Glasflaschen in einem Pfandsystem angeboten, bei anderen Produktbereichen dominieren aber Einwegverpackungen. Besonders gilt das für Pflanzenpaletten. 90 Prozent der Transportverpackungen für die „Grüne Branche“ werden bislang nach einmaliger Nutzung weggeworfen. Allein toom Baumarkt verbraucht nach eigenen Angaben jedes Jahr bis zu acht Millionen Einwegpaletten.

toom Pflanzenpaletten Kräuter

Die Geldener Floritray GmbH will das ändern. Sie hat ein Mehrwegsystem für Pflanzenpaletten entwickelt. Dafür wurden Floritray und die Einkaufsgenossenschaft Landgard, die die Entwicklung begleitet, jüngst für den von der REWE-Gruppe unterstützten Sonderpreis Verpackung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises nominiert. 

Floritrays bestehen komplett aus recyceltem Polypropylen aus dem gelben Sack und sind vollständig recycelbar. Sie können von Gärtnern, Groß- und Einzelhändlern und auch von Privatkunden gegen Pfand genutzt werden. Floritray selbst ist für das „Pooling“ der Pflanzenpaletten zuständig, also das Bereitstellen, Zurücknehmen, Reinigen und Ersetzen der Paletten. Anfang 2020 führt nun auch toom Baumarkt diese Paletten probeweise ein.

Die Nutzung von Mehrwegtransportverpackungen lohnt sich wirtschaftlich und ökologisch. Das hat das Fraunhofer-UMSICHT-Institut im Jahr 2017 am Beispiel ALDI Süd belegt. ALDI Süd betreibt seit 2010 ein Mehrwegsystem für die Obst- und Gemüselieferungen. Weil Porree, Äpfel und Co. nun in Mehrwegkunststoffkisten statt in Einweg-Kartons geliefert werden, sparte der Discounter allein im Jahr 2017 rund 30.000 Tonnen Kartonagen und 24.000 Tonnen CO2-Äquivalente ein.

Ähnlich wie im Falle ALDI erwartet toom durch die Umstellung auf Mehrwegpaletten auch eine deutliche ökologische Verbesserung. Bei zehn Umläufen und einer Reichweite von jeweils 500 Kilometern könne ein Mehrwegsystem wie Floritray bis zu 30 Prozent CO2 einsparen. Die mehrmalige Nutzung relativiere dann den recht großen Energieaufwand bei der Herstellung.

Gemeinsame Verpackungsstrategie niederländischer Baumärkte

Während die Baumärkte in Deutschland das Verpackungsthema vorwiegend individuell angehen, sind andere Länder bereits weiter. In den Niederlanden hat der dortige Verband der Baumarktketten, dem unter anderen die Niederlassungen von Hornbach und BAUHAUS angehören, eine gemeinsame nachhaltige Verpackungsleitlinie für den Zeitraum 2015 bis 2018 beschlossen.

Die beteiligten Baumarktketten verpflichteten sich in dem Dokument zu vielerlei Maßnahmen: von der richtigen Mülltrennung über die Möglichkeit, dass Kunden verbrauchte Produkte zurückgeben können, bis hin zu Regelungen für Lieferanten. Ihnen wird beispielsweise aufgetragen, so wenig wie möglich zu verpacken, auf doppelte Verpackungen zu verzichten, recycelte Packmittel einzusetzen und Heftklammern in Verpackungen zu vermeiden. Gefordert werden außerdem Entsorgungs- und Recyclinghinweise auf den Verpackungen.

Die Ergebnisse der niederländischen Strategie sind durchaus beeindruckend, wie ein praktisches Beispiel stellvertretend zeigt: So reduzierten die Praxis-Baumärkte in ihren 179 Filialen die Zahl der Blisterverpackungen um 80 Prozent. Noch 2016 gab es dort 157 der Mehrstoffpackmittel, bei denen Produkte auf einem Kartonagenträger mit Kunststoffabdeckung präsentiert werden, berichtet die zur „Maxeda DIY Group“ gehörende Kette. Im November 2018 waren es nur noch 27.

Recyclinggerechte Verpackungen lohnen sich

Beispiele wie das gerade genannte setzen sich auch in deutschen Baumärkten immer häufiger durch. Dazu trägt unter anderem das seit dem 1. Januar 2019 geltende Verpackungsgesetz bei. Denn es fördert die Recyclingfreundlichkeit von Packmitteln. Inverkehrbringer von recyclinggerechten Verpackungen erhalten Vergünstigungen bei den obligatorischen Lizenzzahlungen an die Dualen Systeme. Was eine gut recycelbare Verpackung ist, definiert dabei der jüngst erschienene „Mindeststandard zur Bemessung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen“.

Oft reichen schon kleinere Optimierungen aus. Beispielsweise stellen manche Baumarkt-Zulieferer ihre Sortimente für Haushaltselektrik und Installationsprodukte von Blister- auf Beutelverpackungen aus transparentem Polyethylen um, berichtet der Verpackungshersteller Strubl GmbH & Co. KG. Beutel sind wesentlich leichter als die bisherigen Sichtverpackungen. Außerdem bestehen sie aus nur einem, gut recycelbaren Material.

Quelle: UmweltDialog
 

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