18.01.2019

04.01.2019

Verkehrswende

Einkaufen, aufladen, fahren

Die meisten PKW fahren hierzulande noch mit Benzin oder Diesel. Damit sich Elektromobilität weiter durchsetzen kann, ist unter anderem ein gut ausgebautes Netz an Ladestationen notwendig. Dabei spielen Unternehmen im Einzelhandel mittlerweile eine wichtige Rolle.

Einkaufen, aufladen, fahren

Eine Million Elektroautos bis 2020 – so lautete das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung. Prognosen zufolge wird dies frühestens 2022 erreicht. Dies geht aus dem aktuellen Fortschrittsbericht 2018 der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) hervor. Dabei ist das „Wann?“ gar nicht so entscheidend: „Das Eine-Million-Ziel bleibt eine gute politische Richtgröße. Wichtiger als das genaue Datum ist jedoch, dass wir die Nutzerinnen und Nutzer durch ein stimmiges Gesamtsystem aus attraktiven Fahrzeugangeboten, bedarfsgerechter Ladeinfrastruktur, klimafreundlichem Energiesystem, nutzerorientierten Dienstleistungen und den passenden rechtlichen Rahmenbedingungen überzeugen“, betont Henning Kagermann, Vorsitzender der NPE. 

E-Tankstellen gesucht

Eine gut ausgebaute Infrastruktur von Elektro-Ladestellen ist also wichtiger denn je. Im Dezember 2017 gab es deutschlandweit 12.500 öffentliche Ladepunkte für Elektroautos. Laut dem NPE sind für die Versorgung von einer Million Autos jedoch 70.000 öffentliche und rund eine Million private Ladepunkte nötig. Dabei ist nicht nur die Regierung in der Pflicht. „Bundesregierung und Unternehmen sind aufgefordert, die notwendigen Konzepte für Ladeinfrastruktur, Energienetze, Speichertechnologien und Rohstoffe mit konkreten Maßnahmen anzupacken“, fordert Jörg Hofmann, erster Vorsitzender der IG Metall. 

Der Einzelhandel muss dabei besonders umdenken. Laut einem Bericht des Instituts für Handelsforschung Köln verändere die elektrische Form der Individualmobilität nicht nur das Straßenbild, sondern auch das Verhalten deren Nutzer. „Handelsunternehmen müssen sich somit aktiv mit der Frage auseinandersetzen, ob und wie sie den eigenen Kunden ein Ladeangebot für Elektrofahrzeuge zur Verfügung stellen“, heißt es in dem Bericht. „Händler können auf die neuen Kundenbedürfnisse durch eigene Ladeinfrastruktur gezielt eingehen.“

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Einkaufen und Strom tanken 

Wie Unternehmen solche Maßnahmen umsetzen können, zeigt IKEA. Bereits seit 2010 können Kunden dort kostenlos an Ladestationen Ökostrom tanken. „Wir haben aktuell 53 Einrichtungshäuser in ganz Deutschland und können so eine gute Infrastruktur für E-Tankstellen zur Verfügung stellen“, sagt Johannes Ferber, Expansionschef von IKEA Deutschland. Dafür investiert das Unternehmen mehr als sechs Millionen Euro in neue E-Tankstellen. Bereits jetzt stehen an 37 Einrichtungshäusern mehr als 100 solcher Ladepunkte. Bis 2020 sollen Kunden an allen Standorten kostenlos Strom tanken können. 

ALDI SÜD gehört ebenfalls zu den Vorreitern in Sachen Elektromobilität. Der Discounter baut regelmäßig sein Netz an Elektroladestationen aus und will damit vor allem das Fahren längerer Strecken ermöglichen. „Bisher haben wir uns auf Ballungszentren und Innenstädte konzentriert“, sagt Florian Kempf, Leiter Energiemanagement bei ALDI SÜD. „Jetzt ermöglichen wir unseren Kunden auch ihre Urlaubsfahrten mit uns zu planen.“ Das Unternehmen will dafür 28 50-kW-Schnellladesäulen in West- und Süddeutschland aufstellen. Diese sind entlang der wichtigsten Autobahnen im ALDI SÜD-Gebiet platziert und maximal fünf Minuten Fahrzeit von einer Abfahrt aus zu erreichen. Ende 2018 bieten die Mühlheimer insgesamt mehr als 80 Ladesäulen für Elektroautos an. Kunden können den Grünstrom kostenlos während der Filialöffnungszeiten tanken.

Die Elektro-Ladetankstellen an einer toom-Filiale

E-Transporter „to go“ 

Einen etwas anderen Ansatz für seine Kunden verfolgt toom. Die Baumarktkette stellt keine zusätzliche Ladeinfrastruktur zur Verfügung, sondern ermöglicht Kunden den umweltfreundlichen Transport von Einkäufen. Am 10. Dezember 2018 startete toom ein Carsharing-Pilotprojekt an fünf Standorten. Das Besondere: Anstatt herkömmlicher Autos, können sich Kunden dort Elektrotransporter ausleihen. „Als nachhaltig handelndes Unternehmen ist es uns besonders wichtig, unseren Beitrag zum Umweltschutz konstant zu erweitern“, so Wolfgang Vogt, Geschäftsführer Finanzen und Personal bei toom. „Daher freuen wir uns sehr, dass wir unseren Kunden nun auch auf dem Weg nach Hause eine umweltfreundliche Transportmöglichkeit ihres Einkaufs anbieten können.“ Der Mietprozess ist dabei besonders einfach: Ohne Papierkram können Kunden spontan per App einen Transporter mieten. Nach der Nutzung stellen sie ihn wieder auf dem toom-Parkplatz ab. Das auf 15 Monate angelegte Projekt startete in Berlin, Frankfurt, Leipzig, Troisdorf und Freiburg – vier weitere Standorte sind in Planung. 

Wie nachhaltig sind E-Autos wirklich?

Viele Forscher kritisieren, dass Elektroautos meist als Null-Emissions-Fahrzeug betrachtet werden. Dabei emittieren diese beim Fahren auch Kohlendioxid, solange sie dafür Strom aus fossilen Quellen verwenden. Auch die Herstellung von E-Autos birgt unterschiedliche Nachhaltigkeitsrisiken: So stammen etwa die Rohstoffe für die Akkus, wie beispielsweise Kobalt, oftmals aus kritischen Quellen. Gefährliche Arbeitsbedingungen und Umweltverstöße können hier nicht ausgeschlossen werden. Doch an dem „Herzstück“ der E-Autos wird viel geforscht. In Kiel zum Beispiel suchen Wissenschaftler nach Alternativen zu den bisherigen Rohstoffen, in Braunschweig entwickeln Forscher erste Recycling-Methoden für Akkus aus Elektroautos.

Quelle: UmweltDialog
 

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