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12.10.2016

Entwicklungshilfe

Südsudan: Kaffee statt Krieg

Beim Südsudan denkt man unweigerlich an Krieg, aber nicht an Kaffee. Dabei haben die braunen Bohnen durchaus das Zeug dazu, den Menschen vor Ort eine zivile Perspektive aufzuzeigen. Hollywoodstar George Clooney regte deshalb vor drei Jahren Nespresso dazu an, dort wilden Kaffee anzubauen. Jetzt gibt es erstmals „SULUJA ti South Sudan“ als streng limitierte Kaffeerarität im Handel.

Südsudan: Kaffee statt Krieg zoom

Ein Haus, etwas Schulgeld, vielleicht noch ein Motorrad - es sind die kleinen Dinge, die im Südsudan den Unterschied im täglichen Leben der Menschen ausmachen. 2011 in die Unabhängigkeit entlassen, zählt das Land bis heute zu den ärmsten der Welt. Und zu den konfliktreichsten. Wirtschaftliche Entwicklung kann hier zum Umdenken beitragen.

George Clooney, Hollywoodstar und engagierter Menschenrechtsaktivist, setzt sich seit Jahren für den Sudan ein. Als Markenbotschafter macht er zudem Werbung für Nespresso. Da lag es natürlich auf der Hand, beides zusammenzuführen und mit Clooney der Initiative ein prominentes Gesicht zu geben. „Die Grundlage für anhaltenden Frieden und Wohlstand im Südsudan muss auf einer wirtschaftlichen Diversifizierung und vielseitigen Möglichkeiten beruhen, die den Menschen im Land von Nutzen sind“, so George Clooney. Und dazu zählt vor allem Kaffee.

Tatsächlich ist der Südsudan eine der Wiegen des Kaffees wie seine Nachbarländer Äthiopien und Eritrea. Lange Zeit geriet der Kaffeeanbau in Vergessenheit. Erst die Belgier fingen als Kolonialherren Ende des 19. Jahrhunderts wieder mit Pflanzungen an. Diese verwilderten über die Zeit und so entstand eine seltene, aromatische Robusta-Pflanze, die lange Zeit nur zum Eigenbedarf angebaut wurde. Ein 40 Jahre andauernde blutiger Bürgerkrieg zwischen dem islamischen Norden des Sudans und dem christlichen Südsudan beendete die Kaffeeproduktion endgültig. Trotzdem überlebten die Pflanzen und mit der Unabhängigkeit in 2011 begannen die verbliebenen Bauern wieder mit dem Kaffeeanbau. Die sogenannten Kaffeescouts von Nesproesso entdeckten schnell die Potenziale: Schon ab 2012 ist Nespresso gemeinsam mit der US-Entwicklungshilfeorganisation Techoserv vor Ort und fördert den Anbau mit Schulungen, Geldern und Abnahmequoten.

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Doch die Geschichte meinte es nie gut mit dem Südsudan. Zwar verdient das Land enorm an Ölexporten, aber deren Erlöse befeuern einen neuen Bürgerkrieg, diesmal zwischen den ehemaligen Verbündeten aus dem Unabhängigkeitskrieg. Dieser ethische Konflikt zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen des Landes hat nach UN-Angaben seit 2013 rund 50.000 Menschen das Leben gekostet und 2,2 Millionen Flüchtlinge verursacht. Mitte September stellte Clooney eine detailreiche Studie zu Korruption und Tätern vor. Die Empfehlung des weltweit bekannten Aktivisten: „Wenn wir nicht jetzt handeln, werden wir für Generationen damit befasst sein!“

Davon bleibt auch die von Nespresso aufgebaute Kaffeeregion Yei im südlichen Teil des Landes nicht unberührt. Seit Wochen hat die Entwicklungsorganisation Techoserv eine Teil seiner Mitarbeiter ins nahe gelegene Uganda in Sicherheit gebracht. Der Zugang über den Landweg und damit die Belieferung der Ortschaften ist ausgesetzt. Kontakt wird derzeit ausschließlich über das Radio gehalten: Um weiterhin Unterstützung zu geben, strahlt Technoserv eine Radiosendung aus, über die Schulungen und Tipps erteilt werden.

Derzeit umfasst das Kaffeeprojekt im Südsudan 700 Farmer. Eigentlich ist es geplant, das Programm auf 1500 Farmer, allesamt aus der Region Yei, zu erweitern. Dafür stehen bereits 70.000 neue Setzlinge bereit, um den den künftigen Kaffeebauern eine Lebensgrundlage zu geben. Doch dafür muss Frieden herrschen.

Kaffee kann zur Befriedung einen bescheidenen, aber dennoch echten Beitrag leisten: Neben dem Öl ist es heute der einzig nennenswerte Exportartikel des Landes. Anders als beim fossilen Rohstoff kommen die Einnahmen beim Kaffeeanbau direkt denen zugute, die es erarbeitet haben: den Bauern. Sogar die Kriege konnte die Nutzpflanze bisher gut überstehen und das hat einen ganz praktischen Grund, wie Jerome Perez, Nachhaltigkeitschef bei Nespresso im Gespräch mit UmweltDialog erläutert: „Kaffeepflanzen kann man anders als Vieh nicht stehlen und schnell zu Geld machen. Dafür braucht es Pflege und Know-how“. Auch die Menschen in Yei haben seit jeher viele Widrigkeiten ertragen müssen, aber um es mit den Worten des Kaffeebauern Cosmas Ada aus Yei auszudrücken: „Die Probleme meines Landes werden mich niemals davon abhalten, meine Kaffeeplantage zu bewirtschaften. Auf lange Sicht werde ich daraus ein Einkommen erzielen, mit dem ich meine Familie und auch die Wirtschaft im Südsudan unterstützen kann.“

Unterstützung gibt es für das Projekt auch von offizieller Seite: So hat vor Kurzem die US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (USAID) angekündigt, dass es gemeinsam mit Nespresso und TechnoServe über die nächsten drei Jahre hinweg über drei Millionen in das Projekt investiert. Weitere sechs Millionen Dollar hat die Weltbank Anfang Oktober 2016 bereitgestellt. Gemeinsam wollen sie den Südsudan dabei unterstützen, seinen Exportmarkt zu diversifizieren und die Abhängigkeit von Ölexporten zu schwächen – zurzeit machen diese 99 Prozent aller Exporte aus – und die Einkommen von Kaffeekleinbauern zu verbessern. Diesen Ansatz hatte George Clooney übrigens schon 2014 empfohlen (UmweltDialog berichtete): „Der Einsatz von Nespresso und TechnoServe in Partnerschaft mit landwirtschaftlichen Genossenschaften im südsudanesischen Kaffeesektor kann als Vorbild für weitere landwirtschaftliche Investitionen dienen.“

Nespresso Süd Sudan

Die allererste Ernte von rund 20 Tonnen „SULUJA ti South Sudan“ wurde im letzten Jahre eingefahren und ausschließlich in Frankreich vermarktet. in diesem Jahr gab es einen ähnlich hohen Ertrag, so berichtet Perez im Gespräch. Aber der Verkauf der Kaffeerarität wird auf sechs Länder verteilt, darunter auch Deutschland, wo eine limitierte Menge ab Mitte Oktober in den Nespresso Geschäften erhältlich sein wird. Der Preis liegt bei rund acht Euro pro Verpackungseinheit. SULUJA ti South Sudan besteht ausschließlich aus Robusta-Bohnen. Es handelt sich um einen sogenannten „gewaschenen“ Kaffee, dessen Verarbeitung sehr zeitaufwendig und anspruchsvoll für die Bauern ist, doch das Resultat ist eine milde, ausgeglichene Tasse „von anmutiger Textur und mit vollen Aromen“, so die Experten bei Nespresso. Dort ist man übrigens überzeugt, damit einen neuen Trend der Zukunft erkannt zu haben: Vor allem die junge Generation der Millennials mag eher die Robusta Sorten als den allseits bekannten Arabica Kaffee. Die Verkostung nähert sich immer mehr den Gepflogenheiten wie bei einer Weinprobe.

Quelle: UmweltDialog
 

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