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11.04.2016

Messen & Konferenzen

„Grüne“ Gebäude: Internationale Konferenz zeigt Möglichkeiten

40 Prozent unseres Energieverbrauchs und rund ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland stammen von unseren Gebäuden. In vielen anderen Ländern sieht die Ökobilanz von Immobilien noch düsterer aus. Wie sich Licht ins Dunkel bringen lässt, berieten im März fast 600 Fachleute auf der SBE16 in Hamburg, einer internationalen Konferenz zum Nachhaltigen Bauen.

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Zu der eingeladen hatten unter anderem das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP und das International Council for Research and Innovation in Building and Construction CIB. Die Konferenz war Teil der Veranstaltungsreihe „Sustainable Building Conference“, die seit 1998 durchgeführt wird, und richtete sich an Architekten, Ingenieure, Stadtplaner, Wissenschaftler sowie Vertreter der Bauwirtschaft und der Politik.

Hendricks: nachhaltige Stadtentwicklung notwendig

Bundesbauministerin Barbara Hendricks, Schirmherrin der Tagung, wies in ihrer Eröffnungsrede auf den Einfluss der Städte auf die nachhaltige Entwicklung hin: „Drei Viertel der Weltbevölkerung werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2050 in Städten leben“. In Deutschland seien es heute schon über 70 Prozent. Wie Städte geplant und weiterentwickelt würden, sei daher „von großer Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung“, so Hendricks.

Welche Strategien, Technologien und Konzepte für „grünere“ Städte und Gebäude taugen, darüber diskutierten in der Hamburger HafenCity Universität Fachleute aus mehr als 40 Ländern. Die SBE16, die unter dem Motto „Strategies, Stakeholders, Success factors“ stand und sich über fünf Tage erstreckte, versammelte über 200 Beiträge zur Nachhaltigkeit beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Neben Bauprodukten und technischen Systemen ging es auch um Planungshilfen und Grundlagen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung.

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Umwelt-Produktdeklarationen: Grundlage für Nachhaltigkeitssiegel

Als ein Instrument, mit dem sich die ökologische Nachhaltigkeit von Gebäuden messen lässt, wurden in Hamburg sogenannte Umwelt-Produktdeklarationen – englisch Environmental Product Declaration oder kurz EPDs – unter die Lupe genommen. Sie machen nachvollziehbar, welche Grundstoffe mit welchem Energieaufwand in ein Bauprodukt einfließen und welche Umweltauswirkungen sie zeitigen. Gütesiegel für „grüne“ Gebäude und Nachhaltigkeitszertifizierungen von Immobilien werden durch EPDs erst möglich. Weitere Optimierungen in Richtung Nachhaltigkeit ebenso – denn managen und verbessern lässt sich nur, was sich messen lässt.

In Deutschland etwa bilden EPDs die Datengrundlage für Zertifizierungssysteme wie dem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB oder dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Erstellt und veröffentlicht werden die Datensätze vom Berliner Institut Bauen und Umwelt e.V. IBU, einer Initiative von rund 200 Bauprodukteherstellern, die sich gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen einsetzen.

Öko-Eigenschaften von über 1.100 Bauprodukten veröffentlicht

Das IBU hat nach eigenen Angaben bereits über 1.100 EPDs in seine Datenbank eingepflegt und veröffentlicht. Sie beschreiben detailliert die Öko-Eigenschaften von allem, was man zum Bauen braucht – von Zement bis zu Mineralplatten, über Dach- und Dichtungssysteme bis zu Duschwannen, Schlössern oder Bodenbelägen. Sämtliche EPDs zu diesen Stoffen und Materialien sowie ihren Umwelteigenschaften lassen sich kostenfrei über die Datenbank des IBU abrufen.

Über 200 der EPDs aus der IBU-Datenbank sind zudem schon in die deutsche Baustoffdatenbank ÖKOBAUDAT eingeflossen, die das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterhält. Die IBU-Daten sind damit für größere Nutzerkreise verfügbar. Vor allem aber genügen die bereitgestellten Daten der europäischen Norm EN 15804, womit sie national und international anschlussfähig an geltende Verordnungen und Vorschriften sind. Die EN 15804 legt grundlegende Regeln für Umweltdeklarationen von Bauprodukten und -leistungen aller Art fest.

Fernziel: eine offene, internationale EPD-Datenbank

Lassen sich EPDs auch international anschlussfähig gestalten? Die Datenbanken, die sie bergen, europa- oder weltweit vernetzen? Damit Nutzer in einem gemeinsamen Pool Zugriff auf spanische, dänische und deutsche EPDs bekommen? In Hamburg berieten darüber im Zuge einer Special Session der SBE16 namhafte Fachleute aus Wissenschaft und Praxis, darunter Dr. Burkhart Lehmann, Geschäftsführer des IBU. Mit ihm diskutierten unter anderem Dr. Tanja Brockmann vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sowie EPD-Experten aus Österreich, Spanien und Dänemark.

Noch, das wurde im Zuge der Session klar, ist einige Wegstrecke zu beschreiten, bis eine international nutzbare EPD-Datenbank steht. Schon die Migration von EPDs aus der IBU-Datenbank in die Datenbank des BMUB, ÖKOBAUDAT, ist nicht trivial. IBU-Geschäftsführer Lehmann: „Da die technischen Daten in digitaler Form vorliegen, können sie aber grundsätzlich weiterverarbeitet werden.“ Sie sind damit prinzipiell offen und anschlussfähig an andere Systeme. Bis dahin ist aber noch die eine oder andere Hürde zu überwinden.

ÖKOBAUDAT: IBU treibt internationale Anschlussfähigkeit voran

Lehmann sagt, als nächstes ziele man unter anderem auf die Öffnung von ÖKOBAUDAT für englischsprachige Datensätze. „Außerdem wollen wir ÖKOBAUDAT-Nutzern die Möglichkeit geben, ihre Daten selbst in das System einzupflegen.“ Bisher zeichnet das IBU im Zusammenspiel mit dem BBSR dafür verantwortlich. „Die Herausforderung“, sagt Lehmann, seies, „sicherzustellen, dass es dabei nicht zu einer Vermischung von Datensätzen kommt, die sich aus unterschiedlichen Kalkulationsgrundlagen verschiedener Datenbanken ergeben könnten.“

Erste Erfahrungen mit der Vernetzung mehrerer nationaler EPD-Datenbanken zu einem offenen System werden auf europäischer Ebene derzeit gesammelt. Neben Deutschland beteiligen sich Österreich, Spanien und Dänemark am Aufbau eines solchen Datenpools. IBU-Experte Lehmann sieht in der Digitalisierung und fortschreitenden Vernetzung unterschiedlicher Systeme große Chancen für „grünere“ Städte und Gebäude. „Mehr Nachhaltigkeit“, sagt er, „ist damit im gesamten Planungs- und Bauprozess möglich.“

Quelle: UD
 

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