Wirtschaft

„Werbeartikel schneiden beim Klima-Fußabdruck besser ab als gedacht"

Auf der Messe verteilt und danach schnell im Müll? Von wegen. Klug gemachte und sinnvoll eingesetzte Werbeartikel liegen im Trend und hängen vor allem digitale Kampagnen in Sachen Nachhaltigkeit um Längen ab. Die Werbeexperten Peter Schwerin und Oriol Badia von Gift Campaign, einem Anbieter für Werbeartikel, erklären, warum das so ist.

27.05.2026

„Werbeartikel schneiden beim Klima-Fußabdruck besser ab als gedacht"

Herr Badia, die Wegwerfgesellschaft hat ein massives Umweltproblem beschwert, vor allem durch die immensen Mengen an Plastikmüll, der früher oder später in Flüssen, Seen und dem offenen Meer landet. Welche Rolle spielen dabei Werbeartikel wie Kugelschreiber und Co?

Badia: Ich will nicht leugnen, dass es auch wenig sinnvolle und damit umweltbelastende Werbeartikel gibt. Doch die Branche hat in den vergangenen Jahren einen radikalen Wandel vollzogen. Dabei spielt Nachhaltigkeit die wohl wichtigste Rolle.

Es überrascht erst einmal nicht, dass Sie das als Vertreter der Werbeartikel-Branche hier sagen …

Badia: Schauen wir auf die objektiven Zahlen. Der Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft untersucht regelmäßig die Wirkung seiner Produkte. Denn auch uns ist viel daran gelegen, dass die Produkte nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig hergestellt werden. Sondern dass sie auch lange im Besitz ihrer Empfänger wertvolle Dienste verrichten.

Und das lässt sich messen?

Badia: Exakt. Laut der jüngsten GWW-Studie wirken Werbeartikel gezielt und dauerhaft: 91 Prozent der Empfänger nutzen sie selbst – im Schnitt täglich –, was zu minimalen Streuverlusten und besonders hohen Erinnerungswerten führt. Gleichzeitig bleiben Werbeartikel lange im Einsatz: Sechs von zehn Nutzern verwenden sie länger als ein Jahr. Dadurch transportieren sie die Werbebotschaft über einen langen Zeitraum hinweg, während Radio, TV oder Print deutlich mehr Kontakte erzeugen müssten, um eine ähnlich nachhaltige Wirkung zu erreichen.

Könnten Sie, Herr Schwerin, bitte nochmals genauer erklärten, warum Giveaways, die auf Fachkongressen oder Talentmessen dem Publikum am Stand überreicht werden, in Sachen Nachhaltigkeit besser abschneiden als andere Werbeformen? Für einen TV-Spot oder eine Digitalkampagne muss schließlich kein Plastik produziert werden …

Schwerin: Unter dem Strich zählt die Effizienz. Wie viel maximale Werbewirkung bekomme ich für eine Einheit Kohlendioxidemission etwa? Auch die Dauerhaftigkeit einer Impression spielt eine wichtige Rolle: Für einen Werbespot etwa, der – durchschnittlich gemacht – sofort wieder verpufft und keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, wird immens viel Strom verbraucht. Ein kleiner Werbeartikel, der maßgeschneidert ist für eine Zielgruppe, erfüllt den Zweck oft über einen langen Zeitraum. Das kann ein bedrucktes T-Shirt sein, eine Kaffeekasse und ein besonders formschöner Kugelschreiber.

Gibt es Studien, die Ihre Aussagen stützen?

Schwerin: Besonders aussagekräftig ist eine gemeinsame Studie von PPAI und ASI. PPAI steht für Promotional Products Association International. Das ist der große Branchenverband der Werbeartikelindustrie in den USA, der Standards setzt, Studien veröffentlicht und die Interessen der Branche vertritt. ASI steht für Advertising Specialty Institute, ein führender Informations , Daten und Marktforschungsanbieter für die Werbeartikelbranche. Nach dieser Studie zählen Werbeartikel im Vergleich zu fünf anderen Werbekanälen zu den klimafreundlichsten Optionen. Die Studie zeigt sehr deutlich, dass Werbeartikel pro erinnerter Werbewirkung acht Mal besser sind als etwa digitale Kampagnen ausfallen. Das heißt: Wenn Menschen sich an eine Marke erinnern sollen, brauchen physische Werbeartikel viel weniger Kohlendioxid als digitale Anzeigen. Im Vergleich mit Printanzeigen ist der Vorsprung von Werbeartikeln noch größer.

Wie kommt das?

Badia: Das liegt vor allem daran, dass Produkte lange genutzt werden und dadurch viele Erinnerungsmomente entstehen. Ein Hoodie, eine Flasche oder ein Stift begleitet Menschen oft Monate oder Jahre. Digitale Werbung dagegen verschwindet nach Sekunden. Genau deshalb zählt Promotion zu den klimafreundlichsten Werbekanälen überhaupt.

Wie halten Sie es bei Gift Campaign selbst mit der Nachhaltigkeit, da Ihnen nach Ihren eigenen Aussagen „Schnelligkeit beim Drucken und Liefern“ so wichtig sind?

Badia: Sie haben Recht, aber Tempo und Nachhaltigkeit sind keine Widersprüche. Wir verfügen über eine der umfangreichsten Kollektionen auf dem Markt mit Tausenden von Optionen für alle Branchen und Bedürfnisse. Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil unserer Geschäftsstrategie: Wir setzen uns für attraktive, nützliche, langlebige und verantwortungsvolle Produkte ein und arbeiten mit unseren Lieferanten zusammen, um die ökologischen und sozialen Auswirkungen unserer Kollektionen zu verbessern. Wir konzentrieren uns auf Schnelligkeit beim Drucken und Liefern, und das alles zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen, denn wir sind der Meinung, dass Qualität nicht mit hohen Kosten verbunden sein muss.

Wie messen Sie Nachhaltigkeit und Ihre Fortschritte bei dem Thema konkret?

Schwerin: Wir berichten laufend in unserem Nachhaltigkeitsbericht über unsere Fortschritte. Und lassen uns zudem von Ecovadis über die Schultern schauen. Eine unserer ersten Verpflichtungen war der Beitritt zum UN Global Compact und die Ausrichtung unserer Maßnahmen für die vier Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die eng mit unseren täglichen Aktivitäten verbunden sind. Für unsere Zertifizierungen zeigt der Score von Ecovadis 100 von 100 Punkten. Mit einem soliden 75 Punkte Ergebnis in der unabhängigen 360-Grad Watch Analyse zeigt sich, dass unser Engagement auch extern nachvollziehbar ist. Und wir wollen noch besser werden und diesen Wert weiter steigern.

Oriol Badia ist Mitgründer und Geschäftsführer von Gift Campaign. Peter Schwerin ist als Marketing-Manager für den deutschen Markt bei Europas Werbeartikel-Multi zuständig.

Zu den Personen
Oriol Badia ist Mitgründer und Geschäftsführer von Gift Campaign. Peter Schwerin ist als Marketing-Manager für den deutschen Markt bei Europas Werbeartikel-Multi zuständig.

Quelle: UD/cp
 
Newsletter

Unsere Verantwortung/Mitgliedschaften

Logo
Serverlabel
The Global Compact
Englisch
Gold Community
Caring for Climate

© macondo publishing GmbH
  Alle Rechte vorbehalten.

 
Lasche