Wirtschaft & Strategie

Interface: Kreislauffähig von Anfang an

Bodenbeläge sind mehr als die Oberfläche, auf der wir laufen: In ihnen stecken Ressourcen, Energie und ein erheblicher Teil ihrer Klimawirkung. Interface verfolgt deshalb einen Kreislaufansatz über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Dazu gehören modulare Designs, recycelte und biobasierte Materialien sowie Strategien für die Rückführung gebrauchter Teppichfliesen.

31.08.2026

Interface: Kreislauffähig von Anfang an

Wer einen Bodenbelag auswählt, muss viele Faktoren gegeneinander abwägen: Wie strapazierfähig muss das Material sein, wie viele Menschen laufen täglich darüber, wie gut lässt es sich pflegen und wie passt es zur jeweiligen Nutzung des Gebäudes. Daneben gewinnt ein weiteres Kriterium zunehmend an Gewicht: die Klimabilanz des Produkts – nicht zuletzt durch aktuelle gesetzliche Vorgaben wie die neue EU-Bauproduktenverordnung, die Hersteller und Planer stärker in die Pflicht nehmen.

Rund ein Drittel aller Treibhausgasemissionen eines Gebäudes entfällt auf die sogenannten „verbauten Emissionen“, stellt eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) fest. Gemeint sind damit die Emissionen, die bereits bei der Herstellung der Bauprodukte und der Errichtung entstehen. Gerade bei langlebigen Produkten wie Bodenbelägen, die oft über Jahrzehnte in Büros, Schulen oder öffentlichen Gebäuden genutzt werden, entscheidet sich damit ein großer Teil ihrer Klimabilanz bereits vor der Verlegung.

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Interface: Zirkularität beginnt am Reißbrett

Die Kreislaufwirtschaft ist ein wichtiger Hebel, um diese Emissionen zu reduzieren. Beim Bodenbelagshersteller Interface zeigt sich das exemplarisch: Rund 85 Prozent des CO₂-Fußabdrucks entstehen während der Herstellung der Produkte. Entsprechend liegt hier auch der größte Hebel für Einsparungen. Um diesen zu nutzen, verfolgt Interface nicht eine einzelne Maßnahme, sondern ein Konzept, das an mehreren Punkten im Lebenszyklus eines Produkts ansetzt – angefangen beim Design.

Modulare Bodenbeläge lassen sich Fliese für Fliese austauschen, statt als komplette Fläche entsorgt zu werden. Kunden können verschlissene oder beschädigte Bereiche einzeln austauschen, während der Rest des Bodenbelags weiter im Einsatz bleibt. Auch die Verlegetechnik ist Teil des Konzepts: Systeme ohne flüssigen Klebstoff erleichtern später den sortenreinen Rückbau, weil sich Bodenbelag und Untergrund nicht fest miteinander verbinden. So können Materialien wiederverwendet oder recycelt werden, statt als nicht trennbarer Verbundstoff auf der Deponie zu landen.

Die Materialwahl entscheidet mit

Auch die Auswahl der Rohstoffe hat großen Einfluss auf Zirkularität und CO₂-Ausstoß eines Bodenbelags. So nutzt das Unternehmen zum Beispiel recycelte Inhaltsstoffe, statt neue Rohstoffe zu gewinnen. Weniger fossile Primärmaterialien bedeuten tendenziell auch weniger CO₂, das bei der Gewinnung und Verarbeitung entsteht.

Zudem kommen biobasierte Materialien zum Einsatz. Hier macht sich das Unternehmen einen natürlichen Mechanismus zunutze: Pflanzen nehmen über Photosynthese Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und speichern es in Wurzeln, Stämmen und Blättern. Normalerweise wird dieser Kohlenstoff beim Verrotten der Pflanze wieder freigesetzt. Biobasierte Materialien, so das Unternehmen, „bieten uns die Möglichkeit, diesen Kreislauf zu verändern“. Konkret heißt das: Der Kohlenstoff bleibt in langlebigen Produkten gebunden, statt in die Atmosphäre zurückzukehren. Ein Beispiel dafür ist die Rückenkonstruktion CQuest™BioX. Sie trägt dazu bei, dass Interface seit 2020 Teppichfliesen mit negativer CO₂-Bilanz anbietet (cradle-to-gate).

Außerdem setzt Interface auf gebundenen Kohlenstoff als Ressource: CO₂-Emissionen, die bei bestimmten chemischen Herstellungsprozessen entstehen, werden abgefangen und gebunden, bevor sie in die Atmosphäre gelangen. Interface reintegriert sie stattdessen in einen bestehenden Rohstoff, den das Unternehmen bereits seit vielen Jahren für seine Teppichfliesen verwendet. 2025 kombinierte das Unternehmen Erkenntnisse aus gebundenem Kohlenstoff und biobasierten Materialien erstmals auch beim Kautschukboden nora. Das Ergebnis war der branchenweit erste Prototyp eines CO₂-negativen Kautschukbodenbelags.

ReEntry: Das Ende als neuer Anfang

Der dritte Baustein greift, wenn ein Bodenbelag ausgetauscht wird. Über das Rücknahmeprogramm ReEntry holt Interface gebrauchte Teppichfliesen bei Kundinnen und Kunden ab und führt sie einem von 3 Wegen zu. An erster Stelle steht die Wiederverwendung: Über Partnerbetriebe, Wohltätigkeitsorganisationen und soziale Einrichtungen finden noch brauchbare Fliesen ein zweites Leben andernorts. Ist eine Wiederverwendung nicht möglich, greift das Recycling. In der Produktionsstätte in Scherpenzeel zerlegt eine eigens dafür entwickelte, unabhängig geprüfte Anlage die gebrauchten Fliesen in Rohmaterialien. Diese fließen anschließend wieder in neue Teppichfliesen oder technische Kunststoffe ein. Bleibt auch das ausgeschlossen, kommt als letzte Option die Energierückgewinnung zum Einsatz, damit möglichst nichts auf der Deponie landet. Seit 2016 hat Interface auf diesem Weg weltweit rund 43.600 Tonnen Altmaterial an gebrauchten Teppichfliesen zurückgeholt, mehr als die Hälfte davon wurde im eigenen Betrieb oder durch die ReEntry-Partner recycelt beziehungsweise wiederverwendet. 2025 feierte das Programm sein 30-jähriges Bestehen.

Belegte Wirksamkeit

Wie wirksam das Zusammenspiel aus Design, Materialien und Rückführung ist, verdeutlichen aktuelle Zahlen: Durch die Wahl kreislauffähiger, CO₂-armer Bodenbelagslösungen konnte Interface 2025 eigenen Angaben zufolge dazu beitragen, fast 345.000 Tonnen CO₂-Emissionen im Vergleich zum Branchendurchschnitt zu vermeiden. Das entspricht mehr als 80.000 Autos, die ein Jahr lang nicht am Straßenverkehr teilnehmen.

Auch unabhängige Forschungsergebnisse stützen diesen Ansatz. In einer 2024 veröffentlichten Lebenszyklusanalyse verglichen Forschende der Universitäten Pisa und Catania unterschiedliche Materialkonzepte und End-of-Life-Strategien für Teppichfliesen. Die Kombination aus recycelten beziehungsweise biobasierten Bestandteilen und Recycling am Ende der Nutzungsdauer erzielte die höchste Zirkularität und die beste Klimabilanz. Gegenüber einem linearen Referenzszenario sank das Treibhauspotenzial dabei um fast die Hälfte.

Quelle: UmweltDialog
 

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