Wirtschaft & Strategie

Einweg war gestern: Pharma-Trays bestehen den Kreislauftest

SCHOTT Pharma, Takeda und Corplex haben die erste vollständige Serienlieferung von Fläschchen in Trays aus recyceltem Polypropylen abgeschlossen. Nach zweijähriger Pilotphase bestätigt der Übergang in den Regelbetrieb am Standort Singen, dass geschlossene Materialkreisläufe auch unter den strengen Qualitäts- und Regulierungsanforderungen der Pharmaindustrie funktionieren.

22.09.2026

Einweg war gestern: Pharma-Trays bestehen den Kreislauftest

Transportverpackungen für pharmazeutische Primärverpackungen bestehen aus gutem Grund fast immer aus Neumaterial: Jedes Kontaminationsrisiko soll ausgeschlossen bleiben, weshalb die Polypropylen-Trays nach der Lieferung an Abfüllbetriebe bislang einfach entsorgt wurden. Genau an diesem Punkt setzen SCHOTT Pharma, sein Kunde Takeda und der Recyclingpartner Corplex an, denn das UN-Nachhaltigkeitsziel zwölf zur Ressourceneffizienz lässt sich mit Wegwerfverpackungen kaum erfüllen. Gemeinsam haben die drei Unternehmen deshalb ein Recyclingsystem im geschlossenen Kreislauf entwickelt, das speziell auf die Anforderungen der pharmazeutischen Herstellung zugeschnitten ist.

Zwei Jahre lang durchlief das Projekt eine umfassende Risikobewertung, ehe eine Produktionsstudie im Tonnenmaßstab zeigte, dass Trays aus recyceltem Material den etablierten Trays aus Neumaterial gleichwertig sind. Die Partner griffen dabei auf Recyclingverfahren zurück, die sich in anderen Branchen bereits bewährt hatten, passten aber jeden einzelnen Schritt an die besonders strengen Vorgaben der Pharmaproduktion an.

Im August 2026 folgte der entscheidende Schritt vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb: Am Takeda-Standort Singen traf die erste vollständige Charge Fläschchen in Trays aus recyceltem Material ein. Corplex hatte das Material zuvor aus dem Kreislauf zurückgewonnen und in die Produktion neuer Trays eingebracht, SCHOTT Pharma setzte diese anschließend als Transportverpackung ein. Change-Control-Prozesse und Tests bei Takeda bestätigten danach, dass sich die recycelten Trays ohne Einschränkungen in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen. „Der Übergang vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb ist ein entscheidender Schritt für die Etablierung von Kreislaufwirtschaftsansätzen in der Pharmaindustrie. Die erste vollständige Auslieferung zeigt, dass wir hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards einhalten und gleichzeitig Ressourcen effizienter nutzen können“, sagt Reinhard Mayer, CFO von SCHOTT Pharma.

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Für Takeda zahlt die Kooperation direkt auf die eigene Klimastrategie ein. „Kooperationen mit Partnern wie SCHOTT Pharma und Corplex treiben Innovationen voran und helfen, die Dekarbonisierung kritischer Lieferketten zu beschleunigen, ohne die Versorgungssicherheit zu beeinträchtigen. Der Ansatz bietet ökologische Vorteile, die eine ISO-konforme Lebenszyklusanalyse bestätigt, und unterstützt unser Ziel, bis 2040 Netto-Null-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette zu erreichen“, erklärt Johanna Jobin, Global Head of Environment Sustainability & Compliance bei Takeda. Das geschlossene Recyclingsystem bewahrt Verpackungsabfälle vor Downcycling, Verbrennung und Deponierung und senkt den Bedarf an neuem Polypropylen. Erstmals kommt recyceltes Material im industriellen Maßstab für produktberührende Verpackung von Glasfläschchen zum Einsatz, mit gleichwertiger Leistungsfähigkeit.

Wie groß der Klimaeffekt tatsächlich ausfällt, zeigt eine unabhängige, peer-reviewte Lebenszyklusanalyse des LCA Centre aus dem Oktober 2024: Trays mit einem Anteil von 70 % recyceltem Polypropylen senken die Treibhausgasemissionen gegenüber vergleichbaren Neumaterial-Trays unter den untersuchten Bedingungen um bis zu 50 %. Die Einsparungen wirken entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Scope 3.1 – von der Tray-Herstellung bei Corplex über den Einsatz als Transportverpackung bei SCHOTT Pharma bis zum Versand der Fläschchen an Takeda. Die vollständige Studienzusammenfassung mit Methodik und Annahmen hat SCHOTT Pharma online veröffentlicht. „Durch Trays mit bis zu 70 % recyceltem Polypropylen aus einem kontrollierten Materialkreislauf schützen wir die Produktintegrität und verlängern die Nutzungsdauer hochwertiger Materialien. Dieser Meilenstein bestätigt, dass Design- und Prozesskontrollen vorhanden sind, um Recyclingmaterial für die hohen Anforderungen der pharmazeutischen Produktion zu skalieren“, sagt Lucas van der Schalk, CEO von Corplex.

SCHOTT Pharma will das geschlossene Recyclingsystem nun auch weiteren Pharmakunden in Europa anbieten und sie beim Umstieg auf Fläschchenlieferungen in recycelten Trays unterstützen. Standardverpackungskonfigurationen stehen bereits für die ISO-Fläschchenformate 2R, 6R, 10R, 20R und 30R zur Verfügung, während das Unternehmen das System parallel weiter standardisiert und auf zusätzliche Tray-Typen ausweitet – darunter Lösungen für papieretikettierte und farbige Trays.

Lesen Sie mehr über das Engagement von SCHOTT

Quelle: UD/cp

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