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Kaffee mit Wirkung: Zwischen Alltag und Klimawandel

Kaffee macht wach, gehört für viele zum Morgenritual und kann sogar den Schlaf beeinflussen. Doch seine Wirkung reicht über die eigene Tasse hinaus: Der Klimawandel setzt den Anbauregionen zu, während Fragen nach nachhaltiger Produktion und der Verantwortung von Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Der Tchibo Kaffeereport 2026 beleuchtet die vielen Facetten unseres Lieblingsgetränks – vom Koffein bis zur Herkunft der Bohnen.

05.11.2026

Kaffee mit Wirkung: Zwischen Alltag und Klimawandel

Espresso, Filterkaffee, Cold Brew, Café au Lait: Die Zubereitungsarten von Kaffee sind kaum zu zählen. Am häufigsten getrunken wird in Deutschland Filterkaffee: 47 Prozent der Befragten greifen regelmäßig dazu, zeigt der Tchibo Kaffeereport 2026. Dahinter folgen Caffè Crema mit 38 und Cappuccino mit 34 Prozent, Cold Brew trinken nur zwei Prozent regelmäßig.

In diesem Jahr erscheint der Report bereits zum 15. Mal. Seit 2012 veröffentlicht Tchibo ihn jährlich und stellt jede Ausgabe unter ein anderes Motto, zuletzt „Vielfalt“, „Kreativität“ und nun „Wirkung“. Für die aktuelle Ausgabe haben Tchibo, brand eins und Statista 1.500 Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinker zwischen 18 und 75 Jahren befragt: zu Trinkgewohnheiten und Vorlieben, zum Preis, zur Wirkung von Kaffee auf Schlaf und Energie sowie zu nachhaltigem Kaffee. Dazu kommen Daten zu Anbau, Handel und Markt, unter anderem von der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und dem US-Landwirtschaftsministerium USDA.

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Kaffee und seine alltägliche Wirkung

58 Prozent der Befragten geben laut Report an, dass sie täglich Kaffee trinken. Darauf verzichten wollen die wenigsten. Gerade einmal elf Prozent können sich vorstellen, Koffein als Supplement durch eine Tablette zu sich zu nehmen, nur vier Prozent würden dies auf jeden Fall tun. Wann Kaffee (und Koffein) bei uns wirkt, ist ganz unterschiedlich: Für 42 Prozent der 18- bis 35-Jährigen wirkt er am besten, wenn sie müde sind, bei den 66- bis 75-Jährigen sagen das nur 19 Prozent. Insgesamt sagen 53 Prozent, er wirke am besten, wenn sie etwas genießen möchten. Für 59 Prozent ist die erste Tasse außerdem der Startschuss in den Tag.

Im Schnitt kommen Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinker in Deutschland auf 3,2 Tassen am Tag. Dabei liegen die 56- bis 65-Jährigen mit 3,6 Tassen vorn, die 18- bis 21-Jährigen mit 2,3 Tassen hinten. Ein Fünftel gönnt sich fünf Tassen oder mehr. Und wann ist Schluss? Für 20 Prozent zwischen 16 und 19 Uhr, 18 Prozent trinken zu jeder Tageszeit ohne Schlafprobleme. 29 Prozent können nach einem Espresso sogar noch kurz einschlafen, bevor das Koffein wirkt.

Mehr als eine Bohne

Kaffeereport Essay

Doch wie viel wissen wir eigentlich über das Getränk, das für viele ganz selbstverständlich dazugehört? Dieser Frage nähert sich auch der Essay „Interessiert mich nicht, die Bohne!“ im Tchibo Kaffeereport. Autor Max Scharnigg geht der Frage nach, warum viele Menschen ihren Kaffee täglich genießen, sich mit der Herkunft und den Eigenschaften der Bohnen aber kaum beschäftigen. Eine Kaffeeverkostung eröffnet ihm schließlich eine neue Perspektive: Statt nur die gewohnte Tasse wahrzunehmen, entdeckt er unterschiedliche Aromen und Geschmacksnuancen. Sein Fazit: Wer sich näher mit Kaffee beschäftigt, kann nicht nur mehr Genuss entdecken, sondern entwickelt möglicherweise auch ein anderes Bewusstsein für das Produkt.

Und das fängt schon bei der Auswahl der Bohnen an. Weltweit gibt es zwar über 120 bekannte Kaffeearten, wirtschaftlich bedeutsam sind davon aber nur zwei: Arabica und Robusta. Arabica gilt als milder und aromatischer und liefert mit rund 57 Prozent den größeren Teil der Welternte. Robusta enthält etwa doppelt so viel Koffein und schmeckt kräftiger und erdiger.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen

Arabica wächst bevorzugt in höheren, kühleren Lagen zwischen 600 und 2.000 Metern, Robusta gedeiht auch in tieferen Lagen bis 900 Meter, heißt es im Kaffeereport. Beide Sorten sind auf enge klimatische Bedingungen angewiesen. Der Klimawandel setzt den Anbauregionen laut des Reports bereits heute zu: Dürren, ausgelaugte Böden und unsicherer werdende Ernten. Bis 2050 könnten dadurch bis zu 60 Prozent der heutigen Flächen mit den derzeitigen Pflanzenarten nicht mehr bewirtschaftbar sein. Robusta gilt zwar als hitzeresistenter, ist deshalb aber keineswegs die einfache Lösung: In Vietnam etwa wird die Sorte laut Report so aufwendig bewässert, dass der Grundwasserspiegel sinkt und Wüstenbildung droht. Bleibt am Ende also nur noch eine Sorte übrig, und mit ihr weniger Vielfalt in der Tasse?

Zwischen Siegeln, Preisen und Verantwortung

Dass Kaffee nachhaltig produziert wird, sollen aus Sicht der Befragten im Kaffeereport vor allem die Kaffeeunternehmen sicherstellen: 36 Prozent nennen sie als Hauptverantwortliche, nur fünf Prozent die Konsumentinnen und Konsumenten selbst. Wer beim Kaffeekauf auf Nachhaltigkeit setzen möchte, kann sich an bekannten Siegeln wie etwa Fairtrade oder Rainforest Alliance orientieren. Bloß ist es bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern um das Vertrauen in Nachhaltigkeitssiegel auf Kaffeeprodukten derzeit nicht gut bestellt. Nur 21 Prozent der über 65-Jährigen vertrauen solchen Siegeln laut Tchibo Kaffeereport 2026 noch stark, bei den 22- bis 35-Jährigen sind es immerhin noch 48 Prozent. Darüber hinaus hält der höhere Preis 46 Prozent der Befragten davon ab, nachhaltigen Kaffee zu kaufen. Und 20 Prozent wünschen sich, dass Kaffee generell günstiger werden sollte. Offen für andere Wege sind viele dennoch: 59 Prozent bewerten es positiv, wenn Unternehmen statt auf Siegel auf eigene Projekte in den Anbauländern setzen, etwa auf Schulungen, Klimaprojekte oder Infrastruktur.

Kaffeereport 26 NH-Fact Sheet

Tchibos Wirkung vor Ort

Tchibo hat daher mit „Coffee2Stay“ ein eigenes Kaffeeprogramm aufgesetzt, das die Herausforderungen in den Herkunftsländern gezielter angehen soll. Statt sich allein auf Zertifizierungen zu verlassen, setzt das Unternehmen auf regionale Analysen, Schulungen und konkrete Verbesserungsmaßnahmen. „Wir wollen nicht mehr nur für einen Teil unseres Kaffees Verantwortung übernehmen, sondern für jedes einzelne Kilo“, sagt Pablo von Waldenfels, Direktor für Unternehmensverantwortung bei Tchibo, im Interview im Kaffeereport. Bis 2027 soll der gesamte Kaffee von Tchibo aus „verantwortungsvollem Einkauf“ stammen.

Wie sich dieser Ansatz vor Ort gestalten kann, zeigt außerdem die Reportage „Behutsam anpacken“ am Beispiel der guatemaltekischen Region Santa Bárbara. Dort vermitteln Fachleute den Kaffeebauern, wie sie ihre Plantagen pflegen und den Boden besser erhalten können. Daneben entstehen zusätzliche Einkommensmöglichkeiten: Familien bauen Gemüse an und nutzen Biogasanlagen, um organische Reststoffe in Energie und Dünger umzuwandeln. Die zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten sollen die Familien unabhängiger machen und ihnen helfen, sich besser auf die Folgen des Klimawandels einzustellen.

Kaffeereport Luxusgut

Drei exotische Kaffee-Außenseiter

Liberica (Coffea liberica): Große, ovale Bohnen mit kräftigem, fruchtig-rauchigem Geschmack. War um 1900 kurzzeitig die zweitmeistgehandelte Art hinter Arabica, geriet dann aber wegen des ungewöhnlichen Aromas in Vergessenheit. Wegen ihrer hohen Hitze- und Trockenresistenz erlebt sie gerade ein Comeback als mögliche Klimawandel-Alternative (Quelle: bigthink.com).

Excelsa (Coffea excelsa/liberica var. dewevrei): Wächst vor allem am Tschadsee in Zentralafrika. Besonders robust gegen Trockenheit, dafür geschmacklich mit intensivem, erdig-fruchtigem Charakter, der Geschmäcker spaltet (Quelle: roastmarket.de).

Stenophylla (Coffea stenophylla): Eine seltene westafrikanische Wildkaffeesorte, die lange als verschollen galt und erst 2019 wiederentdeckt wurde. Verträgt ähnlich hohe Temperaturen wie Robusta, schmeckt laut Forschenden der Royal Botanic Gardens Kew aber überraschend elegant und blumig – nah an hochwertigem Arabica (Quelle: sci.news).

Quelle: UmweltDialog

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