Gesellschaft & Politik

Podcast: Wenn Aufrüstung nachhaltig wird

Die Zeitenwende dominiert die politische Agenda – Klimaschutz scheint in den Hintergrund zu rücken. Prof. Dr. Stefan Bayer plädiert für ein radikales Umdenken. Im Podcast „Sustainability to go" erklärt der Hamburger Verteidigungsökonom, warum das kein Wunschdenken ist.

15.06.2026

 
 
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Sustainability taucht in Aktionärsbriefen kaum noch auf. Resilienz, Geopolitik, Verteidigungsfähigkeit haben den Begriff verdrängt. Für Prof. Dr. Stefan Bayer vom German Institute for Defense and Strategic Studies in Hamburg ist das ein Symptom, kein Befund: Nachhaltigkeit sei zu lange auf Ökologie verengt worden – dabei umfasst sie genauso Ökonomie und soziale Stabilität. Genau diese Verengung habe ihr bei der ersten politischen Gegenwindböe die Überzeugungskraft gekostet.

Klimawandel als Sicherheitsrisiko

Der Klimawandel, so Bayer, ist längst kein Umweltthema mehr – er ist ein Sicherheitsthema. Nahrungsmittelknappheit, Wasserknappheit, Heimatverlust: Das sind die Vorstufen zu Migration, Konflikten und Kriegen, an denen Industrienationen nicht unbeteiligt sind. Der Klimawandel wirkt als „Threat Multiplier" – er verschärft bestehende Konflikte und destabilisiert fragile Staaten. Wer ernsthaft über Verteidigungsfähigkeit spricht, muss deshalb auch über Klimaschutz sprechen.

Sustainable Defense: Mehr als grüne Panzer

Bayers Antwort heißt Sustainable Defense. Es geht nicht darum, Bundeswehrfahrzeuge mit Solarmodulen auszustatten, sondern darum, Verteidigung als System dauerhaft aufrechtzuerhalten – personell, technologisch, ressourcenseitig. Die aktuelle Zeitenwende-Aufrüstung konzentriert sich fast ausschließlich auf Rüstungsgüter. Der personelle Aufwuchs hinkt hinterher, die Energiefrage wird kaum gestellt. Dabei ist fossile Abhängigkeit eine strategische Schwäche: Wer im Krisenfall keinen Zugang zu Treibstoff hat, kann seine Waffensysteme nicht betreiben. Fossilfreie Technologien sind deshalb nicht nur klimapolitisch geboten, sondern erhöhen die operative Einsatzfähigkeit.

Dual Use als Pflicht

Bleibt das aufgerüstete Material ungenutzt, weil die Bedrohung nachlässt, braucht es zivile Anschlussnutzung. GPS und Internet entstanden als Militärprojekte – heute sind sie globale Infrastruktur. Bei Extremwetterereignissen wie dem El Niño in Peru 2017 retteten kettenbetriebene Heeresfahrzeuge die Bevölkerung, wo zivile Mittel versagten. Für Beyer ist daraus eine Kardinaltugend moderner Rüstungspolitik abzuleiten: Ziviler Folgenutzen muss von Anfang an mitgedacht werden – nicht als Konzession an Pazifisten, sondern als betriebswirtschaftliche Vernunft.

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Den vollständigen Podcast mit Prof. Dr. Stefan Bayer hören Sie in der aktuellen Ausgabe von „Sustainability to go" – dem Podcast von UmweltDialog – auf Spotify und Apple Podcasts.

Prof. Dr. Stefan Bayer forscht am GIDS Hamburg zu Verteidigungsökonomie und nachhaltiger Sicherheitspolitik. Er ist Mitglied im Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

Quelle: UD
 

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