Interface auf dem Weg zum CO2-negativen Unternehmen
Interface will bis 2040 CO2-negativ wirtschaften, und zwar ohne Kompensation. Der neue Impact Report zeigt, wie das Unternehmen diesem Ziel näherkommt: mit sinkenden Emissionen, gebundenem Kohlenstoff und innovativen Produkten wie einem CO2-negativen Kautschukboden-Prototyp. UmweltDialog blickt auf die aktuellen Zahlen und Fortschritte.
06.08.2026
Wer heute auf einem Interface-Boden steht, hat möglicherweise mehr gespeicherten Kohlenstoff unter den Füßen, als bei dessen Herstellung ausgestoßen wurde. Was Interface bei Teppichfliesen bereits seit 2020 anbietet, hat das Unternehmen 2025 auf eine weitere Produktkategorie ausgeweitet: den ersten CO2-negativen Kautschukboden-Prototyp. Der neue Impact Report zeigt, dass das kein Einzelfall bleibt: Interface blickt darin nach eigenen Angaben auf ein Rekordjahr zurück. „Unser Impact Report zeigt, was möglich ist, wenn starke Leistung und verantwortungsvolles Handeln Hand in Hand gehen“, sagt CEO Laurel Hurd. Im Zentrum steht dabei das Ziel, bis 2040 CO2-negativ zu werden, ganz ohne Kompensation.
Klimaziele: Wo Interface auf dem Weg zu 2030 steht
Grundlage dafür ist die 2021 validierte Klimastrategie der Science Based Targets Initiative. Bis 2030 will Interface seine gesamten Treibhausgasemissionen gegenüber dem Basisjahr 2019 deutlich senken. Scope 1 und 2 sowie die Scope-3-Kategorie eingekaufte Waren und Dienstleistungen sollen um 50 Prozent sinken, Geschäftsreisen und Pendelverkehr der Mitarbeitenden um 30 Prozent.
Wie nah Interface diesen Zielen 2025 gekommen ist, verdeutlichen die aktuellen Zahlen: Bei der mit Abstand größten Emissionskategorie, den eingekauften Waren und Dienstleistungen, ging der Ausstoß um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Gemessen am Basisjahr 2019 sind es bereits 43 Prozent. Bei den Emissionen aus der eigenen Produktion, Scope 1 und Scope 2, liegt der Fortschritt seit 2019 bei 23 beziehungsweise 31 Prozent. In 2025 stieg Scope 1 allerdings wieder leicht an, auf etwas über 5.100 Tonnen CO2e nach knapp unter 4.800 Tonnen im Vorjahr. Ein Beleg dafür, dass der Weg zu den Klimazielen nicht in jedem Jahr geradlinig verläuft.
Auch die globalen Treibhausgasemissionen insgesamt stiegen 2025 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut Interface liegt das vor allem an einer optionalen Scope-3-Kategorie für geschätzte Emissionen aus Reinigung und Wartung der verkauften Produkte. Rechnet man diese Kategorie heraus, blieben die Emissionen nach Unternehmensangaben nahezu konstant. Trotz dieser Schwankungen sieht sich Interface insgesamt auf Kurs. „Wir sind jetzt über die Halbzeitmarke unserer 2030-Ziele hinaus", sagt Liz Minné, bei Interface verantwortlich für die globale Nachhaltigkeitsstrategie, im Report. Das gebe Zuversicht, dass die Priorisierung von direkter Reduktion und Speicherung statt Kompensation der richtige Weg sei.
Innovative Produkte
Ein zentraler Hebel dafür liegt in den Rohstoffen. 97 Prozent des CO2-Fußabdrucks von Interface entfallen auf Scope 3, erklärt Minné. Die Rohstoffe machten dabei den größten Teil aus. Die Fortschritte in dem Bereich zeigen sich ganz praktisch: So ist der Einsatz von gebundenem Kohlenstoff seit 2025 fester Bestandteil der Teppichfliesenproduktion in den USA und Europa. Bei dem Verfahren wird CO2, das bei der Produktion entsteht, abgeschieden und als Rohstoff wiederverwendet. Wie Minné im Report betont, ist das kein theoretisches Konzept mehr, sondern lässt sich skalieren und auf weitere Produkte übertragen. Laut Minné soll die Umstellung über fünf Jahre gerechnet mehr als 10.000 Tonnen CO2 vermeiden. Ein Effekt, der sich bereits im CO2-Fußabdruck der Teppichfliesen zeigt: Er sank 2025 um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt inzwischen 40 Prozent unter dem Wert von 2019.
CO2 als Rohstoff? Lesen Sie mehr darüber im UmweltDialog-Beitrag „Ressource statt Klimarisiko: Interface setzt auf gebundenes CO2“.
Auch beim Kautschukboden nora macht das Unternehmen Fortschritte: 2025 stellte Interface den ersten CO2-negativen Kautschukboden-Prototyp vor (gemessen cradle-to-gate). In Zukunft soll dieser auch kommerziell verfügbar werden. Der CO2-Fußabdruck bei nora sank 2025 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt inzwischen 24 Prozent unter dem Wert von 2019. Bei den Teppichfliesen bietet Interface nach eigenen Angaben inzwischen bis zu 450 CO2-negative Varianten an, abhängig vom Standort.
Neu ist zudem eine Zertifizierung in der Lieferkette: Interface hat als erster Kautschukboden-Hersteller weltweit die PEFC Chain-of-Custody-Zertifizierung erhalten. Sie verifiziert unabhängig, dass der eingesetzte Naturkautschuk aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Südostasien stammt.
Kreislaufwirtschaft in der Praxis
2025 markiert außerdem das 30-jährige Jubiläum von Interfaces ReEntry-Programm, über das der Bodenbelagshersteller gebrauchte Teppichfliesen zurücknimmt, um sie wiederzuverwenden, zu recyceln oder energetisch zu verwerten. Seit 2016 hat das Unternehmen so rund 43.000 Tonnen Altmaterial zurückgeholt. Davon wurden 54 Prozent im eigenen Betrieb recycelt, 33 Prozent energetisch verwertet und 11 Prozent wiederverwendet. Allein 2025 holte Interface so rund 5.300 Tonnen gebrauchten Teppich zurück und bewahrte ihn vor der Deponie.
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel vom Austin Convention Center in Texas: Dort sammelte das Unternehmen an einem einzigen Tag mehr als 66 Tonnen gebrauchte Teppichfliesen, nach eigenen Angaben eine der größten Einzelaktionen in der Geschichte des Programms. Auch die Standard-Rückenkonstruktion GlasBac für den nordamerikanischen Markt enthält inzwischen Post-Consumer-Recyclingmaterial. Zuvor war dies nur bei der Rückenkonstruktion CQuest der Fall.
Wirkung über das eigene Unternehmen hinaus
Interface will mit seiner Strategie auch über das eigene Unternehmen hinaus wirken: Die eigene Design-Software liefert standardmäßig projektspezifische Angaben zum eingebetteten Kohlenstoff für jeden Bodenplan. Mit der Reihe Carbon Love and Learn schult das Unternehmen seit fünf Jahren Mitarbeitende und Externe aus der Architekturbranche. Darüber hinaus hielt das Market-Sustainability-Team 2025 zusätzlich 211 Weiterbildungsvorträge für die Bau- und Designbranche. Und der Dokumentarfilm „Beyond Zero", der Interfaces Nachhaltigkeitsgeschichte über mehr als 30 Jahre nachzeichnet, feierte 2025 auf mehreren Streamingplattformen in Nordamerika Premiere.
„Seit mehr als 50 Jahren führen wir unser Geschäft mit einer klaren Zielsetzung und ohne Kompromisse. So schaffen wir positive Effekte für unsere Mitarbeitenden, Aktionäre und Kunden sowie für unseren Planeten“, fasst Hurd zusammen. „Mit Blick auf die Zukunft konzentrieren wir uns weiterhin darauf, diese Wirkung zu skalieren und mit gutem Beispiel voranzugehen.“