Telekomanbieter verstärken Klimaschutz
Ob Telefonieren, Internet oder Computeranwendungen – auch die Informations- und Kommunikationsbranche (ICT) trägt zur globalen Erwärmung bei. Ihre gemeinsame Nachhaltigkeitsinitiative GeSI widmet sich daher diesem Thema mit Nachdruck. Lösungen müssen allerdings die einzelnen Mitgliedsunternehmen umsetzen. Das Beispiel Vodafone Deutschland zeigt hier Anstrengungen und Grenzen.
Foto: Vodafone
Dass solche Überlegungen nicht nur moralisch legitimiert, sondern durchaus auch ökonomisch begründet sind, ist spätestens seit der Veröffentlichung des „Stern-Reports“ im Oktober 2006 Allgemeingut. Der Brite Nicolas Stern hatte damals belegbar die enormen volkswirtschaftlichen Schäden beziffert. Gleichwohl die Telekommunikationsbranche nicht zu den ersten gehört, an die man beim Thema Klimaschutz denkt, so wird auch hier das Problem ernst genommen. So gründete man vor Jahren schon die„GeSI – Global e-Sustainability Initiative“. Die Mitgliedsunternehmen, zu denen auch die Vodafone Group zählt, entwickelt seit 2004 gezielt Klimaschutzstrategien.
Gemeinsam mit The Climate Group, einem von der britischen Regierung geförderten Think Tank, hat man nun eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse werden für März diesen Jahres erwartet. Umfassend ist die Studie nach Ankündigung der GeSI vor allem deshalb, weil sie die Auswirkungen der ICT-Branche auf die Treibhausgase offen und ergiebig beleuchten soll: Neben Fragen zu Energieverbrauch und Produktlebenszyklus stehen auch Empfehlungen an Politiker, Regierungen und Normierungsbehörden auf der Agenda.

Vodafone-Zentrale Düsseldorf, Foto: Vodafone
Die ICT-Branche hat in den letzten Jahren für ihre Dienstleistungen viele zusätzliche Kapazitäten und Rechenzentren aufgebaut, so dass sie selbst zum ernstzunehmenden CO2-Emittenten wurde. Erst jüngst überraschte etwa die Internetbranche mit der Aussage, dass sie genauso viel CO2 in die Atmosphäre bläst wie die Luftfahrt. GeSI rechnet vor, dass die ICT-Branche ihren Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2020 auf eine Anteil von mehr als 5 Prozent mehr als verdoppeln wird.
Dabei könnte man klassischerweise die Telekommunikationsbrache zu den potenziellen Gewinnern des Klimawandels zählen. Kann man doch durch Telefonate oder gar Videokonferenzen manche Dienstreise ersetzen. E-Mails sparen zudem Papier und Postversand. Auch Anwendungen wie Online-Kauf und telefonische Bestellungen können Fahrwege vermeiden helfen. Immer dann nämlich, wenn diese sonst mit dem Auto zurückgelegt werden würden, ist das ein Gewinn für die Umwelt. Dazu Luis Nevel, Vorsitzender von GeSI: „Das ist eine exzellente Möglichkeit für die IT-Industrie zu beweisen, dass sie nicht nur zu Energieeinsparungen und CO2-Reduktionen beitragen kann, sondern auch Wirtschaftswachstum und steigende Produktivität zu unterstützen vermag.“
Was also tun? Der größte Hebel ist nach Ansicht aller Experten die Energieeffizienz. Auch bei Mobiltelefonen hat sich beim Energieverbrauch in den letzten Jahres vieles getan: die Endgeräte an sich sind energieeffizienter. Da aber im gleichen Zeitraum die Funktionalitäten gewaltig zugenommen haben – Stichworte sind hier etwa Fotografieren, E-Mails und MMS versenden sowie Internetzugang – wurden diese Einspareffekte in den meisten Fällen mehr als kompensiert.
Nationale Klimastrategie angekündigt
Auch bei Vodafone Deutschland hat man das erkannt. Mit einem Energiesparprogramm im Netzbetrieb will das Unternehmen hierzulande den CO2-Ausstoss um mehr als 70.000 Tonnen senken und damit den Stromverbrauch um 108 Millionen kWh Reduzieren, was dem Jahresstromverbrauch von 30.000 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Die Erarbeitung einer umfassenden Strategie mit konkreten, innovativen Maßnahmen für den "Energie- und Klimaschutz 2020" stehen bei Vodafone ganz oben auf der Agenda. Eine Projektgruppe "Klimawandel & und Energieeffizienz" kümmert sich seit letztem Sommer um dieses Zukunftsthema. In den kommenden Monaten soll nun eine nationale Klimastrategie den Weg weisen. Das geht zurück auf entsprechende Vorgaben der Konzernmutter, Vodafone Group, und soll national entsprechend angepasst und modifiziert werden. Zusätzliche Impulse dürfte die diesjährige CEBIT in Hannover geben, die nach Aussagen der Messebetreiber ganz unter dem Vorzeichen von „Green IT“ stehen wird.
Auch Klaus Milke, Vorsitzender der NGO Germanwatch, sieht die Erwartungen, nach welchen die der Telekommunikation zu Dematerialisierungen führt, als nicht erfüllt an. In einem Interview im jüngsten CR-Report von Vodafone Deutschland mahnt der engagierte Umweltschützer: „Das Unternehmen sollte die Emissionen des eigenen Stromverbrauchs und des eigenen Fuhrparks um mindestens 40 Prozent bis 2020 reduzieren.“ Tatsächlich ist es nach Datenlage aber so, dass Stromverbrauch und Emissionen in den letzten Jahren kontinuierlich anstiegen. Größter Faktor beim Stromverbrauch ist dabei mit 93 % der Netzbetrieb. Da dieser in den vergangenen Jahren gewaltig ausgebaut wurde, stieg zugleich der Stromverbrauch entsprechend von 425.000 MWh in 2004/2005 auf 504.000 MWh in 2005/2006 an. Immerhin scheint nun auch beim Verbrauch eine Trendwende eingetreten zu sein: Der aktuelle Bericht weist mit 501.000 MWh eine marginale Senkung aus. Erreicht wurde dies unter anderem durch Optimierung der „Gleichrichter“.
Von Modernisierungsmaßnahmen der Kühlungssysteme sowie Teilabschaltungen von Basisstationen über Nacht erhofft sich das Düsseldorfer Unternehmen künftig weitere erhebliche Impulse. Zudem steht bald jede sechste Basisstation zur Modernisierung an, was den Einsatz neuer, effizienterer Technologien ermöglicht. Angesichts all dieser geplanten Ausbau und Modernisierungsmaßnahmen rechnet man allerdings auch bei Vodafone Deutschland nicht vor dem Geschäftsjahr 2008/2009 damit, den CO2 Ausstoß auf frühere Werte zurückzufahren.
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