22.06.2018

12.03.2018

Lebensmittel

Bitte lassen Sie Ihr Gebäck nicht unbeaufsichtigt

Verbraucher wollen einwandfreie Produkte essen, die gut schmecken. Außerdem erwarten Konsumenten von Lebensmittelherstellern, dass sie Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen. Diese erstrecken sich aber über den gesamten Globus. Damit Unternehmen diese Aufgabe dennoch bewältigen und die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards garantieren können, benötigen sie transparente Prozesse. Das Beispiel Nestlé Deutschland zeigt, wie es geht.

Bitte lassen Sie Ihr Gebäck nicht unbeaufsichtigt
Bei der Entscheidung für ein Produkt spielt die Transparenz der Lieferkette eine immer größere Rolle.

Lebensmittel-Lieferketten sind heutzutage weit verzweigt. Nehmen wir unsere Frühstücksmilch als Beispiel: Auch wenn die vielleicht direkt vom Bauernhof um die Ecke stammt, so kommen doch die Sojabohnen für das Tierfutter wahrscheinlich aus Brasilien oder den USA und haben zehntausende Kilometer zurückgelegt. Aus Nachhaltigkeitsperspektive weist die Milchproduktion dabei unterschiedliche ökologische und ethische Risiken in der Lieferkette auf: Werden die Milchküheartgerecht gehalten? Wie viel Wasser verbraucht der Sojaanbau? Entstehen die meisten Treibhausgase bei der Verschiffung der Sojabohnen, bei ihrer Weiterverarbeitung zu Futtermittel, oder gehen die Emissionen auf das Konto der Tiere?

Die Wertschöpfungskette wird noch komplexer, wenn die Milch für die Schokoladenherstellung gebraucht wird. Denn für Schokolade benötigt man auch Kakao – in Form von Kakaomasse und -butter, die in vielen unterschiedlichen Verarbeitungsschritten entstehen. Der Rohstoff stammt aus Ländern wie etwa der Elfenbeinküste oder Ghana, wo ihn Kleinbauern anpflanzen und ernten. Der Kakaoanbau birgt vor allem soziale Risiken: Können die Farmer vom Kakaoanbau leben? Müssen Kinder bei der Ernte helfen und wurden sie dafür aus anderen Ländern verschleppt?

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Transparente Arbeitsschritte im Wertschöpfungsprozess

Lebensmittelhersteller müssen diese ökologischen und sozialen Risiken in ihrem Wertschöpfungsprozess kennen, wollen sie verantwortungsvoll produzieren. Das bezieht alle Stufen der Lieferkette ein: Vom Anbau der Rohstoffe, ihrer Weiterverarbeitung bis hin zur eigentlichen Herstellung der Produkte, der Auslieferung über den Handel an die Endkunden und die Recyclingfähigkeit der Verpackungen. Dabei ist eine hohe Transparenz der unterschiedlichen Prozesse wichtig, die die Rückverfolgung der Arbeitsschritte in der Lieferkette gewährleistet. Auf diese Weise können Probleme frühzeitig erkannt und Lösungen entwickelt werden. „Verbraucher fordern heute Nachhaltigkeit, Fairness und soziale Verantwortung. Unternehmen, die diesen Erwartungen nicht gerecht werden, laufen Gefahr, ihre Kunden zu verlieren“, sagt Hendrik Fink, Mitarbeiter von PwC im Bereich Nachhaltigkeit.

Der Nestlé-Lieferantenkodex.

Nachhaltige Beschaffung bei Nestlé

Ein gutes Beispiel, wie Unternehmen ihre Lieferkette nachhaltig und transparent gestalten können, ist Nestlé Deutschland. Der Lebensmittelproduzent mit Sitz in Frankfurt hat umfangreiche Programme implementiert, die seinen Einkauf umwelt- und sozialkonform
ausrichten: „Das wollen nicht nur unsere Kunden, sondern ist auch in unserem Interesse. Mit unserer verantwortungsvollen Einkaufspolitik stellen wir die Qualität der Rohstoffe und Waren sicher, erhöhen die Lieferzuverlässigkeit und gewährleisten die Lebensmittelsicherheit“, erklärt Anke Stübing, Leiterin CSR bei Nestlé Deutschland.

Dabei bildet der Lieferantenkodex die Grundlage der Geschäftsbeziehungen zwischen Nestlé und seinen Zulieferern. Dieser verpflichtet die Lieferanten, die ethischen Grundsätze des Unternehmens einzuhalten und gesetzeskonform zu handeln. Der Kodex ist in die vier Kernbereiche faire Arbeitsbedingungen, Arbeitssicherheit und Gesundheit, ökologische Nachhaltigkeit und geschäftliche Integrität unterteilt. Er basiert auf unterschiedlichen internationalen Standards und Richtlinien wie beispielsweise die OECD-Leitsätze für internationale Unternehmen, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte oder die Kernübereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Darüber hinaus legen Einkaufsrichtlinien jeweils spezifische Referenzstandards, Mindestanforderungen und ggf. Zertifizierungsstandards für Rohstoffe fest.

Bei Verstößen formulieren Nestlé Deutschland und der Zulieferer gemeinsam einen Aktionsplan, damit dieser künftig die Standards erfüllen kann. Oder die Frankfurter gestalten
die Lieferkette und den damit verbundenen Einkauf so um, dass die Einhaltung von Umwelt-, Arbeits- und Menschenrechten im Wertschöpfungsprozess sichergestellt werden kann.

Zweistufiges Managementsystem

Zwei Managementansätze, das Responsible-Sourcing-Audit-Programm und das Responsible-Sourcing-Traceability-Programm, regeln und kontrollieren die damit verbundenen Prozesse. Die Maßnahmen beziehen sich auf die unmittelbaren Lieferanten sowie die vorgelagerten Lieferketten bis hin zum Rohstoffabbau.

1. Responsible-Sourcing-Audit-Programm für direkte Zulieferer

Nestlé Deutschland hat über 11.000 direkte Lieferanten; 1.000 davon liefern Rohstoffe und Verpackungsmaterialien. Wegen ihrer strategischen Bedeutung, unterliegen sie einer besonders eingehenden Überprüfung. Das Unternehmen nutzt innerhalb des Responsible-Sourcing-Audit-Programms zwei Instrumente, die die Zulieferer bzgl. der Einhaltung des Lieferantenkodexes vor Vertragsabschluss kontrollieren. Dazu zählen das SMETA (Sedex Members Ethical Trade Audit) und das Nachhaltigkeitsperformance-Assessment Eco Vadis, das vor allem für die Bewertung von Dienstleistern verwendet wird.

2. Responsible-Sourcing-Traceability-Programm für die vorgelagerte Lieferkette

Das Unternehmen hat international zwölf strategisch relevante Rohstoffe wie Kaffee, Kakao, Palmöl oder Vanille definiert, zu denen Nestlé Deutschland detaillierte Analysen der vorgelagerten Lieferketten bzgl. spezifischer Nachhaltigkeitsrisiken durchgeführt hat. Aus den Ergebnissen hat der Lebensmittelhersteller konkrete Anforderungen formuliert und Programme ausgearbeitet, die beispielsweise Arbeitnehmerrechte stärken oder gezielt gegen Kinderarbeit vorgehen.

Digitalisierung für mehr Produkttransparenz

Moderne Lebensmittelkonsumenten von heute teilen ihre Produkterfahrungen in Vergleichsportalen und informieren sich per App über wichtige Inhaltsstoffe. In puncto Produkttransparenz könne die Lebensmittelindustrie künftig aber noch einen Schritt weiter gehen, sagt Gerd Bovensiepen, Leiter des  Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC. „Sinnvoll wäre eine lückenlose Bereitstellung von Daten über Aufzucht und Anbau sowie über Verarbeitung und Einhaltung der Kühlkette während des Transports und
der Lagerung“, so der Berater. „Ein ‚digitaler Produktkompass‘ könnte das ideale Unterscheidungsmerkmal für ein Produkt oder eine Marke sein“.

Mehr zum Thema

UD Magazin Risiko
Quelle: UmweltDialog
 

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