Alter im Cache 2017-10-23 17:11:59
Alter ohne Cache: 2017-10-23 17:11:59

19.04.2013

Medikamente für Afrika - oft eine Frage der letzten Kilometer

Jedes Jahr sterben knapp eine Million Menschen an den Folgen einer Malariainfektion - die große Mehrheit davon in Afrika. Neben günstigen Bedingungen für die übertragende Anopheles-Mücke scheitert der Kampf gegen die Krankheit in den betroffenen Ländern häufig an der mangelnden Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten. Dieser Einsicht folgend, haben der Global Fund, die Bill und Melinda Gates Stiftung und Coca-Cola die Initiative „The Last Mile“ ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser öffentlich-privaten Partnerschaft sollen örtliche Regierungen bei der Bekämpfung dieser und anderer Krankheiten unterstützt werden.

Oft erreichen lebenswichtige Medikamente nicht pünktlich ihr Ziel. The Last Mile will dies ändern. Foto: The Coca-Cola Company
Oft erreichen lebenswichtige Medikamente nicht pünktlich ihr Ziel. The Last Mile will dies ändern. Foto: The Coca-Cola Company

Die Zahlen, die anlässlich des Weltmalariatages am 25. April präsentiert werden, sind besorgniserregend: Noch immer stirbt jede Minute ein Kind an den Folgen des Wechselfiebers, mehr als 200 Millionen Menschen gelten als infiziert. Auch wenn es in den letzten Jahren gelungen ist, die Sterblichkeitsrate der Krankheit um etwa 30 Prozent zu senken, erliegen vor allem in Asien und Afrika noch immer Hunderttausende den Folgen einer Infektion. Bill Gates, der sich mit seiner Stiftung unter anderem dem Kampf gegen die Tropenkrankheit verschrieben hat, ist sich deshalb sicher: „Wenn es gelänge, Malaria zu besiegen, wäre es ein Triumph für die gesamte Menschheit, ähnlich dem, den man über die Pocken gefeiert hat, der einzigen Krankheit, die eben tatsächlich vollständig ausgerottet worden ist.“

Und ein Sieg ist durchaus möglich: Zwar ist die Weltgemeinschaft von der - seit den 50er Jahren forcierten - Kontrolle des Erregers noch weit entfernt, eine Behandlung mit dem Wirkstoff Artemisinin ist trotz einiger in Asien bekannten Fälle von Resistenz aber bis heute erfolgversprechend. Auch bei der Entwicklung eines Impfstoffes verweist die Forschung auf neue Studienergebnisse. So zeigen vorläufige Ergebnisse des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline bereits heute eine geringere Ansteckungsrate, und auch ein Team um den Deutschen Wissenschaftler Peter Seeberger, Direktor des Max-Planck-Instituts in Potsdam, blickt optimistisch in die Zukunft. Seeberger verweist aber auch auf die grundsätzlichen Probleme bei der Bekämpfung von Malaria: „Mit systematischen Programmen können Länder, auch Schwellenländer, extrem viel ausrichten. Aber wenn Länder insgesamt einfach zu arm sind, sich diese Dinge zu leisten, dann haben sie ein großes Problem.“

Kooperation als Schlüssel

Neben den finanziellen Problemen der meisten betroffenen Staaten sind es vor allem fehlendes Know-how und geografische Schwierigkeiten, die eine effektive Bekämpfung von Malaria in Afrika verhindern. So ist die Infrastruktur in den meisten Malariaregionen unterentwickelt, was den Transport von überlebenswichtigen Medikamenten erschwert. Wie aber gelingt es dann Unternehmen wie Coca-Cola, ihre Produkte selbst in die entlegensten Orte des Kontinents zu transportieren? Diese Frage beschäftigte auch Melinda Gates. Auf ihren Reisen durch Tansania konnte sie erleben, dass von Regierungen oder Hilfsorganisationen gesteuerte Medikamententransporte oftmals bis zu 30 Tage brauchten, um ihren Bestimmungsort zu erreichen, aber quasi überall täglich frische Coca-Cola angeliefert wird. Gemeinsam mit der Bill und Melinda Gates Foundation (BMGF) und dem Global Fund zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria arbeitet Coca-Cola daher seit 2010 mit den örtlichen Behörden an der Stärkung der tansanischen Medikamenten-Infrastruktur.

Das erfolgreiche Projekt wurde mittlerweile auch in Ghana gestartet - eine Ausweitung auf andere Länder ist geplant. Foto: Rooftop Productions
Das erfolgreiche Projekt wurde mittlerweile auch in Ghana gestartet - eine Ausweitung auf andere Länder ist geplant. Foto: Rooftop Productions

Die letzten Kilometer - Hilfe zur Selbsthilfe

„Ziel der Zusammenarbeit ist es, das tansanische Gesundheitsministerium mithilfe von Logistik-Modellen, die sich in der Zulieferkette von Coca-Cola bewährt haben, zu befähigen, ein funktionierendes Verteilernetzwerk aufzubauen“, berichtet Adrian Ristow, Projektmanager The Last Mile bei Coca-Cola. Zu diesem Zweck unterstützt das Unternehmen die Verantwortlichen mit seiner Expertise. In gemeinsamen Workshops mit Vertretern der Regierung und lokalen Entscheidungsträgern vermittelt der Getränkehersteller unter anderem seine Erfahrungen bei der Optimierung von Netzwerkstrukturen oder konkreten „Route-to-Market“ -Projekten. Im Schnitt unterstützen ca. zehn lokale Mitarbeiter des Coca-Cola Abfüllunternehmens und zwei Experten der The Coca-Cola Company das Projekt.

Bereits nach weniger als drei Jahren sind die Erfolge unübersehbar: So konnte die Lieferzeit von Medikamenten in Tansania von durchschnittlich 30 auf fünf Tage gesenkt werden, und auch die Bestellung von Arzneimitteln wurde vereinfacht. Heute sind Kliniken in der Lage, die benötigten Stoffe eigenständig anzufordern und überschüssige Mengen zu melden. Die Verfügbarkeit lebensnotwendiger Medikamente wurde somit um 20 bis 30 Prozent erhöht. Insgesamt konnte die tansanische Regierung die garantierte Lieferung der 120 wichtigsten Medikamente von 500 auf 5.000 Krankenhäuser ausweiten. Ristow verweist gegenüber UmweltDialog aber vor allem auf den Gesamtnutzen des Programms: „Stand heute haben diese Entwicklungen dazu geführt, dass 20 Millionen Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben einen gesicherten Zugang zu Medikamenten haben.“

Keine Cola für die Kranken

Coca-Cola selbst betont, dass alle Maßnahmen das Gesundheitssystem langfristig und unabhängig vom weiteren Engagement des Unternehmens stärken. Zwar würden in Einzelfällen und bei Katastrophen auch die Transportmöglichkeiten der eigenen Lieferkette zur Verfügung gestellt, grundsätzlich sollten aber unabhängige Liefersysteme bestehen. Adrian Ristow erklärt die Möglichkeiten und Grenzen der Kooperation: „Unser Geschäftsmodell in Afrika basiert auf wiederverwertbaren Glasflaschen. Das heißt: Unsere Transporter fahren voll zu den Außenstellen und nehmen von dort die leeren Flaschen wieder mit - Freiflächen entstehen hier kaum. Darüber hinaus gibt es bei Medikamententransporten natürlich auch rechtliche Vorschriften - wie etwa eine permanente Kühlung .Gleichwohl können einzelne Coca-Cola Abfüllunternehmen  in Abhängigkeit von ihren Möglichkeiten  bei aktuellem Bedarf unterstützen. Diese Hilfe hat Coca-Cola bereits in der Vergangenheit in Notsituationen geleistet.“

Die Initiative wurde auf Ghana ausgeweitet, wo im Auftrag der BMGF bereits seit 2012 die Logistikkette vor allem für Impfstoffe optimiert wird, und mit Mosambik soll ein weiteres Land folgen. Wichtig ist die breite Wirkung dieser Initiative - denn Malaria ist zwar eine der gefährlichsten Krankheiten der Region, aber bei weitem nicht die einzige.

 
Quelle: UD

Related Posts

0 Kommentare

Ihr Beitrag

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

Netiquette
Alter im Cache 2017-10-23 17:11:59
Alter ohne Cache: 2017-10-23 17:11:59