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15.07.2008

PPP: Aidsprävention in Südafrika

Südafrika ist ein erfolgreiches Schwellenland. Doch das Gesundheitssystem vor Ort ist in einem desolaten Zustand. Vor allem HIV-Infizierte bekommen das zu spüren. Ihre Zahl wächst in erschreckendem Maße und bedroht damit letztendlich auch die wirtschaftlichen Hoffnungen. Das Bremer Unternehmen KAEFER Isoliertechnik hat nun gemeinsam mit der GTZ ein Aids-Präventionsprogramm in Südafrika ins Leben gerufen. Erstmals wendet es sich speziell an den Niedriglohnsektor.

Die Situation der HIV-Infizierten und -Erkrankten hat sich im südlichen Afrika dramatisch verschlimmert. Nach Angaben der WHO und UNAIDS lebten alleine 2006 rund 2/3 der Aids-Kranken  weltweit in dieser Region. 19 Prozent der Bevölkerung im berufsfähigen Alter in Südafrika sind dieser Quelle zufolge bereits infiziert. Das Schwellenland könnte durch den HI-Virus den Anschluss an die globale Entwicklung verlieren.

Diese Problematik betrifft damit nicht nur die Menschen, sondern letztendlich auch die Unternehmen, welche auf gesunde Mitarbeiter und ihre erworbenen Erfahrungen angewiesen sind. So auch die Firma KAEFER Isoliertechnik, die seit drei Jahrzehnten in Südafrika aktiv ist. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 1.200 Mitarbeiter dort, von denen wenige in der Verwaltung und das Gros auf Baustellen eingesetzt wird. Viele von ihnen sind Arbeiter mit zeitlich begrenzten Verträgen und stammen aus verschiedensten Regionen, wo ihre Familien weiterhin leben. Sie bilden eine Berufsgruppe, die traditionell von HIV/Aids stark betroffen ist und aufgrund ihres sozialen Hintergrundes nur schwer durch Aufklärungsarbeit angesprochen werden kann. Doch Handeln tut Not: KAEFER kam in einer internen Studie zu dem Ergebnis, dass 25 bis 30 Prozent der eigenen Mitarbeiter vom HIV/Aids-Risiko bedroht sind.

Niedriglohnsektor im Blick

KAEFER wurde 1918 gegründet. Ein Bremer namens Carl Kaefer kam damals auf die Idee, Kühlraumwände von Schiffen zunächst mit Torf auszukleiden, um das zu steigern, was man heute „Energieeffizienz“ nennt. Eine gute Idee, die sich rasch durchsetzte. Der Umsatz liegt heute bei mehr als einer Milliarde Euro und wird von weltweit rund 14.000 Mitarbeitern erwirtschaftet. Trotz dieser Personalzahl ist KAEFER in den meisten Ländern und von seiner Firmenphilosophie her wie ein mittelständisches Unternehmen aufgestellt. Der Fokus liegt in den Bereichen Wärme-,  Kälte-, Schall- und Brandschutz sowie Interior-Lösungen, wobei die Bremer vor allem als Partner und Dienstleister für große Industrieanlagen, für den Schiffbau und die Baubranche auftreten. Durch diesen Schwerpunkt auf Baustellen und der Montage beschäftigt KAEFER vor allem Mitarbeiter im unteren Lohnniveau.
Da Aidsprävention für ein Bauunternehmen wie von KAEFER nicht zum „normalen Geschäftsalltag“ gehört, trat an dieser Stelle die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) mit ihrem Know-how ein. Gemeinsam riefen sie ein Public Private Partnership Projekt (PPP) zum Thema Aidsprävention im Niedriglohnsektor ins Leben. Die GTZ sorgt dabei für fachkundiges Personal und Trainingsmöglichkeiten, hilft bei Verhandlungen mit lokalen Gesundheitseinrichtungen und begleitet das Projekt mit Analysen und Evaluationen. Grundsätzlich verantwortlich für die Umsetzung ist allerdings die Firma KAEFER, die dies auch auf den jeweiligen Baustellen selbst umsetzt. Die Aufklärung der Zielgruppe der einfachen Bauarbeiter im Niedriglohnsektor und der verbesserte Zugang zu medizinischer Versorgung und Betreuung ist dabei für alle Projektbeteiligten Neuland und verspricht wichtige Erkenntnisse für ähnliche Branchen und Akteure. Daher ist auch die südafrikanische Wirtschaftskoalition zu HIV/Aids (SABCOHA) von Beginn an mit eingebunden und begleitet das Projekt mit einem Roundtable. 

Finanziert wird das Projekt auf Seiten der GTZ durch die HIV-Sondermittel der Bundesregierung, es ist ein aktiver Beitrag zur Umsetzung des ersten und sechsten Millenniumszieles (Armutsbekämpfung und HIV/AIDS-Bekämpfung). Auf Seiten von KAEFER wird neben der Ko-Finanzierung u.a. eine Mitarbeiterin nur für dieses Projekt abgestellt. Zu ihren Aufgaben gehört die Organisation der Schulungs- und Testprogramme sowie der Support von Betroffenen.

Hohe Beteiligungsquote

Kern des Projektes bilden die sogenannten VCT-Kampagnen (Voluntary Counseling and Testing), bei denen die Arbeiter einer Baustelle zunächst von externen, geschulten Schwestern und Pflegern in Gesprächen über das HIV-Problem aufgeklärt werden und sich danach, so sie denn wollen, freiwillig testen lassen können. Die Quote liegt hier übrigens bei 50 Prozent, wobei KAEFER dies in Zukunft auf 80 Prozent auszuweiten hofft. Sowohl die Tests als auch die Ergebnisse sind dabei absolut vertraulich.
Das Prinzip der absoluten Freiwilligkeit ist eine Stärke, aber auch Herausforderung des Projektes. Jeder der angesprochenen Mitarbeiter kann und muss selbst entscheiden, ob er sich informieren oder auf HIV testen lassen will. Sorgen wie Stigmatisierung, Verschwiegenheit oder mangelndes Zutrauen in das heimische Gesundheitssystem treten da bei Vielen offen zu Tage. Hinzu kommt, dass für die Infizierten die Frage der Finanzierung der Medikamente ungeklärt bleibt.

Aber auch auf Seiten der Gesundheitsanbieter stellen sich Fragen nach ausreichenden Kapazitäten, um wachsenden Anfragen von Unternehmen zu begegnen. Da diese zudem aus dem Niedriglohnsektor stammen, können die Gesundheitsdienstleister hier keine großen Beitragszahlungen erwarten. Die potenziellen Patienten sind und bleiben arme Menschen.

Engagement kein Wettbewerbsnachteil

Nicht zuletzt bedeutet dieses Engagement für Unternehmen wie die Firma KAEFER Kosten und damit verbundene Risiken. Die Bremer sehen ihr Engagement gegen Aids jedoch nicht als Wettbewerbs- oder gar Standortnachteil. Francisca Gorgodian, CSR-Managerin bei KAEFER, glaubt, langfristig an Chancen und Vorteile des Programms: Durch das Projekt würde das Personal an das Unternehmen gebunden, und die Jobrotation sinke. Zudem gewinne KAEFER als Arbeitgeber an Profil und Reputation, was gerade in Südafrika angesichts der künftigen Personalsituation von Bedeutung sein werde. Die Hauptgewinner sind aber die Mitarbeiter, um deren gesundheitliches Wohl sich besser gekümmert wird.


Stichwort Blue Collar Worker:
So bezeichnet man im Fachjargon die Arbeiter, die nicht in Büros, sondern in Industrie und Gewerbe mit Körperkraft ihr Einkommen erarbeiten. In Südafrika fallen viele dieser Arbeiter aufgrund ihres niedrigen Einkommens oder temporärer Jobsituationen durch das Raster des Gesundheitssystems. Viele Arbeitgeber bieten ihnen keinen Gesundheitsservice an, und selbst die, welche dies tun, haben es schwer, dass dieser angenommen wird, denn die Kosten von bis zu 15 % des Gehaltes werden den Arbeitern dann vom kargen Lohnscheck abgezogen. Da verzichten Viele lieber auf Sicherheit. Ignoranz und mangelnde Aufklärung beim Thema HIV/Aids kommen erschwerend hinzu. In Südafrika zählen rund 65 % der Erwerbstätigen zu den Blue Collar Workern. Sie haben ein niedriges Einkommen von weniger als 2500 Rand (ca. 300 €) im Monat.
 
Quelle: UD

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