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20.02.2008

Wie Lufthansa als guter Arbeitgeber wirbt

Spätestens seit den Ereignissen um die Nokia-Werksschließung in Bochum ist der Aspekt „Verantwortung für Mitarbeiter“ wieder stärker in den Blickpunkt der Nachhaltigkeitsdebatte gerückt. Doch nicht alle Unternehmen hadern mit dem Standort Deutschland. Das Beispiel Lufthansa zeigt, dass Wachstum durchaus Jobs hierzulande schaffen kann, aber auch auf öffentlichen Widerstand stößt. Vor allem der Ausgang der hessischen Landtagswahl macht die Zukunft des Jobmotors Frankfurter Flughafen ungewisser.

Mit der Luftfahrt geht es bergauf. Alleine Deutschlands führender Aviation-Konzern Lufthansa sucht in diesem Jahr 4.300 neue Mitarbeiter. Rund 2.500 offene Stellen entfallen dabei auf den Standort Frankfurt. Mit rund 37.000 Mitarbeitern ist das hessische Drehkreuz damit weiterhin der bedeutendste Arbeitsplatz bei Lufthansa. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen weit über 100.000 Mitarbeiter.

Treiber für den Personalzuwachs sind zum einen das stetig steigende Passagieraufkommen, aber auch neue Flugzeugmodelle: So beförderte Lufthansa im Jahr 2007 mit rund 56 Mio. Passagieren so viele wie nie zuvor. Hinzu kamen etwa 6,5 Mio. Fluggäste der kürzlich übernommenen Swiss Airline. Ab 2009 wird der neue A380 für weitere Einstellungen sorgen. Nach Angaben der FAZ sichert jede dieser Maschinen alleine 450 Arbeitsplätze - vom Piloten bis zur Reinigungskraft.
 
Damit das auch in Zukunft so bleibt, bemüht sich der Kranich-Konzern als guter Arbeitgeber in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. „Lufthansa ist weiter auf Wachstumskurs. Wir vergrößern unsere Flotte und unser Streckennetz,“ zitiert die FAZ den Vorstandschef Mayrhuber. „100.000 Bewerbungen aus dem vergangenen Jahr werten wir als Vertrauensbeweis in die Zukunftsfähigkeit und die Attraktivität unseres Unternehmens.“

Moderne Arbeitszeitmodelle
 
Herzstück der sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern bei Lufthansa sind die flexiblen Arbeitszeitmodelle, die laut aktuellem Nachhaltigkeitsberichtes eine „Work-Life-Balance“ ermöglichen. Diese Arbeitszeitmodelle gehen dabei über die klassische „Gleitzeit“ hinaus, die im heutigen Wirtschaftsleben längst verbreiteter Standard ist. Das neueste Flexibilisierungsmodell lautet vielmehr „Vertrauensarbeitszeit“ und wurde mit dem Umzug in das neue Lufthansa Aviation Center Mitte 2006 allen dort arbeitenden Gruppen angeboten. Bei diesem Modell verzichtet der Arbeitgeber auf herkömmliche Kontrollinstrumente wie Arbeitzeiterfassung. Stattdessen wird die Leistung an der Aufgabenerfüllung gemessen. „Diese neue Option unterstützt die Eigenständigkeit und die unternehmerische Orientierung der Beschäftigten“, loben die Autoren des Balance-Reports.
Der Erfolg dieses Modells wird sich in Zukunft daran messen lassen müssen, inwieweit die Zielvereinbarungen mit den jeweiligen Mitarbeitern realistisch und auf neue Gegebenheiten anpassungsfähig genug gestaltet wurden. Zugleich ist das Nachdenken und Experimentieren mit modernen Arbeitszeitmodellen wegweisend für eine Gesellschaft, die sich demografisch stark verändert. Da ist zum eine die Überalterung hierzulande: Schon heute beträgt etwa das Durchschnittsalter der Lufthanseaten 40,2 Jahre. In Zukunft wird  dieses weiter ansteigen, und der Konzern baut vor, um sich das Know How und Engagement seiner „Senior Professionals“ zu sichern. Neben den beschriebenen Arbeitszeitmodellen bilden Anpassungen für unterschiedliche Lebenssituationen weitere Säulen: Sie reichen von der klassischen Kinderbetreuung bis hin zu Hilfe bei der Pflege eigener Angehöriger. Gerade Letzteres gewinnt für eine alternde Belegschaft an Relevanz.  
 
Vielfalt im Unternehmen
 
Auch das Thema „Diversity management“, also der Umgang mit verschiedenen Geschlechtern, Rassen und Nationalitäten spielt beim weltweit operierenden Unternehmen Lufthansa dabei traditionell eine große Rolle (UmweltDialog berichtete hierüber -> In der Vielfalt liegt die Kraft) Seit dem Jahr 2001 bündelt Lufthansa konkrete Diversity-Projekte in der Abteilung „Change Management und Diversity“. Diese Organisationseinheit entwickelt personalpolitische Konzepte, setzt diese in Kooperation mit Konzern-Gesellschaften, Fachbereichen und Mitarbeitervertretungen um und koordiniert sie. Mit dem Diversity Management reagiert der Konzern zudem auf das „Gleichbehandlungsgesetz“, welches seit 2006 in Kraft ist jegliche Diskriminierung am Arbeitsplatz verbietet. Heute gilt die Lufthansa mit Menschen aus 145 Nationen als Integrationsvorbild. Einer Branche, die wie kaum ein andere die Welt verbindet, fällt Weltoffenheit sicher auch leichter. Trotzdem ist es sicher auch ein Beispiel für Politik und Gesellschaft, denn es zeigt, dass dort wo Menschen ungeachtet ihrer Nationalität Verantwortung übertragen bekommen, auch Leistungsbereitschaft und interkulturelle Kompetenz erwachsen.
 
Hessenwahl mit Folgen für Flughafen Frankfurt

Größter Jobmotor ist dabeider Flughafen Frankfurt. Die jüngste Landtagwahl könnte hier aber für Planungsunsicherheiten sorgen. Nach jahrelangem Tauziehen hatte im vergangenen Dezember schließlich die hessische Landesregierung grünes Licht für den weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens gegeben. Rund vier Milliarden Euro sollen in einen neuen Terminal, ein Büro- und Einkaufszentrum investiert werden. Das war dann auch ausschlaggebend für die Zustimmung der Landesregierung. Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) erhofft sich für Hessen dadurch rund 40.000 neue Arbeitsplätze. Nach dem Wahlpatt in Hessen ist die weitere Zukunft des Ausbaus jetzt aber ungewiss. Vor allem die derzeit umworbenen Koalitionspartner Grüne und Linke gelten nämlich als Ausbaugegner. Hinzu kommt, dass auch Anrainer juristisch gegen den Ausbau mobil machen. So hat alleine die Stadt Offenbach bereits mehr als 1 Mio. Euro in Anwälte und Fachleute investiert. Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) begründete dies gegenüber dem Tagesspiegel damit, dass eine Landebahn die kommunale Siedlungspolitik einschränken würde: „Da können wir wegen des Lärms keine Schulen, Krankenhäuser oder Kindergärten mehr bauen, keine Wohngebiete mehr ausweisen! Wir würden unsere Planungshoheit verlieren.“ Die Ironie dabei: Seine Partei, die FDP, ist einer der vehementesten Befürworter des Ausbaus.
 
Quelle: UD

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