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Deutsche Unternehmen vernachlässigen Chancenmanagement zoom

17.11.2014

Deutsche Unternehmen vernachlässigen Chancenmanagement

Viele deutsche Unternehmen fokussieren sich ausschließlich auf Risikovermeidung und vernachlässigen dabei ihre Chancen. Eine Studie von A.T. Kearney zeigt: Gerade einmal 60 Prozent der befragten Unternehmen betreiben Chancenmanagement. Der Anreiz, Risiken zu vermeiden, ist in der deutschen Unternehmenskultur höher. Doch auch hier besteht Verbesserungsbedarf, da mehr als die Hälfte der Befragten Risiken zu pauschal bewertet. Flexible Methoden der Chancen- und Risikobewertung werden zukünftig von zentraler Bedeutung sein.

In deutschen Unternehmen wird Chancenmanagement vernachlässigt und Risikomanagement nur mangelhaft betrieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Während 99 Prozent der über 150 untersuchten Unternehmen ihre Risiken betrachten, beschäftigen sich nur 60 Prozent mit ihren Chancen. Zwar schätzen die Befragten ihr Risikomanagement größtenteils als gut funktionierend ein - die Studie belegt jedoch, dass über die Hälfte noch mit oberflächlichen, klassischen Methoden arbeitet. Das bedeutet, sie berücksichtigen nicht, dass sich die äußeren Umstände ändern können. Diese Unsicherheit der Umfeldveränderung geht demzufolge weder positiv noch negativ in die Risikobewertung ein. Damit werden die Unternehmen zum Beispiel nicht den Anforderungen von Großprojekten, die über einen längeren Zeitraum laufen, gerecht. "Einige prominente Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit wie der Berliner Flughafen und die Elbphilharmonie verdeutlichen dies und zeigen, wie wichtig ein adäquates Risikomanagement ist", so Hanjo Arms, Partner bei A.T. Kearney und Autor der Studie.

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Chancen finden kaum Beachtung

So sehr der Fokus auf dem Risikomanagement liegt, so wenig schenken deutsche Unternehmen den Chancen ihre Aufmerksamkeit. "Einen Grund hierfür sehen wir in der Unternehmenskultur in Deutschland. Viele Unternehmen bestrafen Fehler stärker, als sie Erfolge belohnen", erklärt Arms. Geschäftsführung und Vorstand haben häufig einen starken Anreiz Risiken zu vermeiden und übersehen dabei jedoch vielversprechende Potenziale. Zusätzlich fehlt vielen Unternehmen die richtige Methodik, um Chancen und Risiko finanziell zu bewerten.

Gute Beispiele für erfolgreiches Chancenmanagement findet man im amerikanischen Hightechmarkt. Mit zum Beispiel Apple, Google und Facebook hat man dort drei Vorzeigeunternehmen in puncto Chancenmanagement. "Diese Unternehmen betrachten und bewerten frühzeitig Chancen - auch außerhalb ihres eigenen Kerngeschäftes - und investieren in vielversprechende neue Geschäftsfelder und -ideen", so Arms. Auch in Deutschland zeigen erste Unternehmen, dass sie die zunehmende Wichtigkeit des Chancenmanagements erkannt haben. So arbeiten die Deutsche Telekom und die Lufthansa mit einem Chancen- und Risikomanagementsystem und setzen so bewusst neue Schwerpunkte.

Flexible Methoden sind notwendig

Risiken und Chancen sollten zukünftig detaillierter bewertet werden, um die richtigen Investitionsentscheidungen zu treffen und Projekte erfolgreich abzuschließen. Dabei werden flexible Methoden, wie zum Beispiel das von A.T. Kearney genutzte Dynamic Decision Management immer wichtiger. Dieser Ansatz bezieht, im Gegensatz zu klassischen Methoden, die Bewertung von Chancen und Unsicherheiten in die Entscheidung mit ein und führt damit zu besseren Entscheidungen.

Um ein umfassendes Risiko- und Chancenmanagement - auch gegenüber dem Aufsichtsrat - zu betreiben, ist eine engere Verzahnung von Risikomanagement und finanzieller Planung nötig. Genau an dieser Stelle sehen auch viele Unternehmen Optimierungspotenzial. Zum Beispiel durch die Angabe von Bandbreiten anstatt von fixen Werten in der finanziellen Planung oder eine Darstellung von Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Planzahlen ist diese Verzahnung problemlos möglich. Ein erfolgreiches Chancen- und Risikomanagement erfordert neben der richtigen Methodik aber vor allem ein Umdenken in den Köpfen des Managements und damit einen Wandel der Unternehmenskultur.

 
Quelle: UD/na

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